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Red Bull verwundert: Lag McLaren gleich doppelt strategisch daneben?

Hat McLaren den Sieg beim Großen Preis von Kanada 2024 weggeworfen? Red Bull glaubt sogar, dass man bei Lando Norris gleich zweimal strategisch daneben lag

Eineinhalb Sekunden zu spät: Hat Lando Norris hier den Sieg verloren?

Nach Runde 24 beim Großen Preis von Kanada sah McLaren-Pilot Lando Norris schon wie der sichere Sieger aus. Der Brite führte das Rennen mit einem Vorsprung von acht Sekunden auf Max Verstappen an, ehe sich Williams-Pilot Logan Sargeant im zweiten Sektor drehte und eine für Norris ungünstige Safety-Car-Phase auslöste.

Die Verfolger um Verstappen und George Russell nutzten dies, um auf neue Intermediates zu wechseln, doch Norris blieb draußen. Anders als vor ein paar Wochen in Miami wurde das Safety-Car nämlich zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt für den Briten auf die Strecke gebracht, da er bereits kurz vor der letzten Kurve war und wohl nicht mehr reagieren konnte.

"Es sah so aus, als wäre er eineinhalb Sekunden von der Box entfernt gewesen", sagt McLaren-Teamchef Andrea Stella auf die Frage, wie viel Zeit man zum Reagieren gehabt habe. "Im Nachhinein hätten wir dem Fahrer sagen können: 'Im Falle eines Safety-Car-Einsatzes an die Box', dann hätte er einfach instinktiv reagiert und wäre an die Box gefahren."

Onboard-Aufnahmen: Norris hätte wohl nicht mehr reagieren können

Beim Blick auf die Onboard-Aufnahmen im Nachhinein wäre wohl selbst das für Norris kaum möglich gewesen. Als das Saftey-Car aktiviert wurde, befand sich Norris kurz vor der letzten Schikane auf Höhe der 150-Meter-Markierung. Im Trockenen würde man für die letzte Kurvenkombination wohl zwischen der 50- und 100-Meter-Markierung bremsen, doch bei nassen Bedingungen verschiebt sich der Bremspunkt nach vorne.

 

Auch wenn Norris die Safety-Car-Meldung am linken Streckenrand und auf dem Lenkrad hätte sehen können, so lässt sein Fahrverhalten in der letzten Schikane dennoch vermuten, dass die Reaktionszeit für einen Reifenwechsel viel zu knapp gewesen wäre. Beim Blick auf die Onboard-Aufnahme macht es den Anschein, als habe der McLaren-Pilot die letzten zwei Kurven im vollen Renntempo genommen, ehe er am Kurvenausgang schließlich eine weitere Safety-Car-Tafel bemerkte und daraufhin vom Gas ging.

Red Bull verwundert über McLaren: Hätten präventiv reinkommen müssen

Red-Bull-Teamchef Christian Horner wundert sich in den Interviews nach dem Rennen jedoch, dass McLaren nach dem Dreher von Sargeant nicht bereits schon auf ein Safety-Car spekuliert hat, nachdem zuerst die gelbe Flagge geschwenkt wurde. Die Verfolger um Verstappen und Russell lagen genau hinter dem Williams-Piloten auf der Strecke und musste abbremsen, womit sich der Rückstand auf Norris von acht auf elf Sekunden erhöhte.

Bei einem Boxenstoppdelta in Kanada von 18 Sekunden wäre Norris bei einem Reifenwechsel somit nur sieben Sekunden hinter den Verfolgern mit frischen Intermediate-Reifen auf die Strecke zurückgekommen, wenn Verstappen und Co. ihrerseits draußen geblieben wären. Selbst ohne ein folgendes Safety-Car wäre das keine ganz schlechte Ausgangslage gewesen, wenn man bedenkt, dass die Reifen von Verstappen und Russell ziemlich hinüber waren und weiterer Regen drohte.

Auf die Frage, ob man Verstappen draußen gelassen hätte, wenn Norris an die Box gekommen wäre, antwortet Horner: "Wir wären so oder so reingekommen, weil die Reifen kaputt waren und wir wussten, dass der Regen kommen würde. Alle Informationen besagten, dass der Regen kommen würde."

"Aber ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass sie [McLaren] nicht darauf spekuliert haben, denn es sah so aus, als würde es ein Safety-Car geben. Aber es ist eine Art Rache, aber so ist das nun mal mit den Safety-Cars, und das war die Rache für Miami."

Norris sieht keine Miami-Parallele: "Einfach eine falsche Entscheidung"

Und auch Norris selbst meint nach dem Rennen, dass man den sicheren Sieg unnötig weggeworfen habe: "Wir hätten heute gewinnen müssen", sagt er. "So einfach ist das. Ich denke, wir haben als Team nicht gut genug gearbeitet, um rechtzeitig an die Box zu kommen und nicht hinter dem Safety-Car festzusitzen."

"Ich glaube also nicht, dass es an Glück oder Pech lag und ich glaube nicht, dass es dasselbe wie in Miami war. Das war einfach eine falsche Entscheidung. Es liegt also an mir und am Team, und wir werden nachher darüber sprechen."

Stella: Wussten nicht, ob sich neue Reifen überhaupt lohnen

Doch Teamchef Stella merkt an, dass man ohnehin nicht sicher war, ob ein Reifenwechsel im Falle eines Safety-Cars überhaupt die richtige Entscheidung wäre: "Wir haben die Intensität des Regens beobachtet", fügt er hinzu. "Und diese Intensität hat in den letzten Minuten etwas nachgelassen. Wir wollten also nicht unnötigerweise an die Box kommen, um einen neuen Satz Intermediates zu holen, wenn dieser Satz Intermediates im Falle eines sehr leichten Regens gut genug gewesen wäre."

"Ich denke, dass es für die nachfolgenden Autos viel einfacher war, das Gegenteil zu tun. Es war alles ein bisschen unglücklich, nicht nur mit dem Zeitpunkt, an dem das Safety-Car eingesetzt wurde, in Bezug auf Landos Position auf der Strecke, sondern auch mit dem Zeitpunkt des Safety-Cars im Rennen, denn zu diesem Zeitpunkt war Lando bei weitem das schnellste Auto auf der Strecke."

Stellas Aussagen werfen dann jedoch die Frage auf, warum man Norris schließlich eine Runde später doch an die Box holte, wenn er auch auf den alten Intermediates noch hätte weiterfahren können. Als Positivbeispiele hierfür können Esteban Ocon, Yuki Tsunoda und Valtteri Bottas angeführt werden, die allesamt nicht zur Box kamen und auf den alten Intermediates in der Folge kaum einbüßten.

Trotz späteren Stopp: Wie Norris beinahe in Führung geblieben wäre

Nach den Boxenstopps von Verstappen, Russell und Co. erhöhte sich der Vorsprung von Norris erst auf 31 Sekunden, doch nun hatte er das Safety-Car vor der Nase, was langsamer fährt als die Delta-Zeit, die die Verfolger fahren konnten. "Das Safety-Car hatte mich im Griff", sagt Norris. "So wie es mir in Miami geholfen hat, hat es mich jetzt eingebremst."

In der Folge schrumpfte der Vorteil bis auf 17 Sekunden, ehe Norris in der Folgerunde an die Box einbog. Bei einem Boxenstoppdelta von normalerweise 18 Sekunden, was unter Safety-Car-Bedingungen noch geringer ausfällt, wäre es sogar gar nicht unmöglich gewesen, dass der Brite trotz Bummeltempo hinter dem Safety-Car nach dem Wechsel weiterhin die Führung des Rennens behalten könne.

Da Verstappen und Russell beim Einbiegen von Norris in die Boxengasse aber noch nicht direkt hinter dem Safety-Car waren, lag der Vorsprung des McLarens hochgerechnet nicht bei 17 Sekunden, sondern wohl drei bis fünf Sekunden darunter. Eine glasklare Einschätzung, wo Norris zurück auf die Strecke kommen würde, war daher nicht möglich.

Auf der Geraden vor der Boxengasse funkte das Team an Norris: "Wir sehen mehr Regen, komm diese Runde rein. Es wird knapp werden am Boxengassenausgang", und so war es auch. In der ersten Zeitmessung nach der Ausfahrt war Verstappen 2,6 Sekunden vorne, Russell um gerade einmal acht Zehntel.

Norris: Erneuter Wechsel auf Intermediates war alternativlos

Für Norris war jedenfalls klar, dass er die zweite Chance des Reifenwechsels unter dem Safety-Car nutzen musste, da trotz starker Pace seine Intermediates keinen guten Zustand mehr hatten: "Man nutzt die Intermediates ziemlich schnell ab, also war es klar", sagt er.

"Wir mussten sowieso an die Box für die Intermediates, ohne Rücksicht auf das Safety-Car. Mit den Reifen, die wir hatten, hätten wir nicht draußen bleiben können", so Norris weiter. Doch diese Aussage scheint Horners Einschätzung umso klarer zu machen, dass McLaren schon eine Runde zuvor auf ein Safety-Car hätte spekulieren sollen.

Bei Max Verstappen schien die Reifensituation jedoch noch etwas schlimmer gewesen zu sein, wie er nach dem Rennen bekräftigt: "Als das Safety-Car kam, war es gut, dass wir an die Box kamen, denn der Intermediate war fast ein Slick. Wenn man dann draußen bleibt und es zu regnen beginnt, hat man keinen Grip. Und nach dem Restart fing es an zu regnen und man konnte sofort sehen, dass die Strecke wieder ziemlich nass war. Dann will man natürlich unbedingt neue Reifen."

Intermediate-Overcut: Ging McLaren eine Runde zu spät auf Slicks?

Nach dem Safety-Car-Restart unter stärker werdenden Regen begann das ganze Spiel von vorne. Während Verstappen und Russell auf der nassen Strecke einen Vorteil zu haben schienen, so schonte Norris zuerst die Reifen, konnte später erneut auf einer abtrocknenden Strecke glänzen, ehe die Zeit kam, um auf Trockenreifen zu wechseln.

Die starke Intermediate-Pace des McLarens veranlasste das Team aus Woking dazu, einen Overcut zu probieren, da Verstappen und Russell ihrerseits auf der immer noch leicht feuchten Strecke den Slick-Reifen erst einmal auf Temperatur bekommen mussten. Norris konnte sich einen Vorsprung von über 20 Sekunden herausfahren und kam schließlich ganze drei Runden später zum Reifenwechsel als Führender auf die Strecke zurück, wenn auch nur kurz.

 

Der Platz gegen Verstappen war schnell verloren, da die Boxengassenausfahrt viel zu nass für Trockenreifen war. Auch die Position gegen Russell konnte Norris mit den kalten Reifen nicht halten, ehe der Mercedes-Pilot einen Fahrfehler machte und die Briten die Plätze tauschten.

Laut Red-Bull-Teamchef Christian Horner war mindestens eine der zusätzlichen Intermediate-Runden von McLaren unnötig, wie er nach dem Rennen erklärt: "Lando war in der Lage war, die 20-Sekunden-Marke sofort zu erreichen und unsere Reifen wurden mit jeder Runde, die wir fuhren, wärmer. Daher war ich war überrascht, dass sie nicht direkt nach einer Runde hereinkamen, denn so konnte Max weitere Runden fahren, um die Temperatur der Reifen weiter zu erhöhen."

Norris über Overcut: "Glaube nicht, dass es eine richtige Entscheidung gab"

Wäre Norris also nur eine Runde später als Verstappen und Russell auf Slicks gegangen, so hätte er in seiner Outlap noch relativ ähnlich kalte Reifen gehabt, was bei der Verteidigung geholfen hätte. Laut Norris habe der Overcut am Ende aber ohnehin keinen großen Unterschied gemacht.

"Ich glaube nicht, dass es unbedingt eine richtige Entscheidung gab", sagt er. "Ich denke, innerhalb von ein, zwei, drei Runden waren wahrscheinlich alle ziemlich ähnlich, was das Anfahren auf dem Slick angeht. Es war also gut, zu versuchen, etwas anderes zu machen als die anderen."

"Aber an sich hat es mir geholfen, auf dem Intermediate zu bleiben. So hatte ich eine Chance gegen George, und der Overcut hat geklappt. Danach habe ich keinen guten Job gemacht, und er war im Trockenen und sogar auf den harten Reifen deutlich schneller als wir."

Norris ärgert sich: Hätte im zweiten Stint eher pushen müssen

"Und ich meine, es dauert eine Runde oder zwei Runden, um die Reifen aufzuwärmen. In einer solchen Situation wird der Overcut immer klappen, denn ein kalter Slick ist nicht so gut wie der Inter am Ende des Stints. Ich habe also weder etwas verloren noch etwas gewonnen. Aber wir waren von Anfang an zu weit hinter Max."

Dass der McLaren gegen Ende der Stints überhaupt so schnell war, lag daran, dass man zu Beginn stark die Reifen schonte. "Da wir keinen Druck hatten, begannen wir sehr, sehr früh, die Reifen zu schonen", erklärt Teamchef Stella, doch Norris bereut, im zweiten Stint nicht eher mit dem Pushen angefangen zu haben, um den Overcut wirkungsvoller zu machen.

"Wahrscheinlich habe ich mit dem Inter-Reifen im mittleren Stint zu spät gepusht", so der 24-Jährige. "Deshalb sind wir draußen geblieben, weil ich am Ende dieses Stints so schnell war, aber ich habe wahrscheinlich nicht früh genug gepusht. Ich hätte wahrscheinlich ein oder zwei Runden vor den Boxenstopps an George vorbeikommen und die Lücke zu Max schließen können, um mir eine bessere Chance zu geben, ihn zu under- oder overcutten."

McLaren spielt vergebene Chance herunter: Mercedes war das schnellste Auto

Laut McLaren-Teamchef Andrea Stella seien die kleinen strategischen Fehler seines Teams im Nachhinein ohnehin nicht so bedeutend, da der MCL38 von der wahren Pace wohl nur das drittschnellste Auto gewesen ist, weshalb ein zweiter und fünfter Platz für das Team keinesfalls ein schlechtes Ergebnis ist.

"Ich denke, Mercedes hätte heute vor Lando ins Ziel kommen sollen", so der Italiener. "Wenn überhaupt, dann haben wir das Maximum aus dem herausgeholt, was nach dem Safety-Car möglich war. Ohne das Safety-Car hätte Lando einen so großen Vorsprung herausfahren können, dass wir hätten versuchen können, das Rennen auf Trockenreifen zu Ende zu fahren."

"Aber ich denke, Mercedes hätte aufholen können - denn sie waren heute ein paar Zehntelsekunden schneller als wir. Wir brauchten also einen ordentlichen Vorsprung, um es sicher ins Ziel zu bringen. Wir sind immer noch nicht in der Lage, den Sieg aus einer reinen Leistung heraus zu erringen."

Und auch Norris muss gestehen, dass Russell am Ende des Rennens "viel schneller im Trockenen war, auch schon auf den harten Reifen". Beim Blick auf die besten Rundenzeiten des Rennens waren Russell und Teamkollege Lewis Hamilton um mehr als sechs Zehntel schneller als die McLarens, wobei beide Silberpfeile in der zweiten Safety-Car-Phase jeweils noch einmal auf einen frischen Slick-Reifen wechselten.

In einem neuen Video auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de haben Host Kevin Scheuren und Datenexperte Kevin Hermann mit der Strategiesoftware OneTiming von PACETEQ nicht nur die McLaren-Strategie beim Großen Preis von Kanada unter die Lupe genommen, sondern auch analysiert, warum der Haas-Geniestreich auf den Full-Wets schließlich doch nicht klappte und warum Ferrari am gesamten Wochenende nicht wirklich auf Touren kam. Hier direkt reinklicken!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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