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Einstopp-Rennen sorgen für Kritik: Wie sich Pirelli für die Reifenwahl verteidigt

Die ersten beiden Rennen der Saison waren Einstopp-Rennen und Pirelli steht in der Kritik: Wie sich der Reifenhersteller verteidigt - und trotzdem vorsichtig bleiben will

Einstopp-Rennen sorgen für Kritik: Wie sich Pirelli für die Reifenwahl verteidigt

Die ersten beiden Rennen der neuen Saison waren klassische Einstopp-Rennen

Foto: AFP

Die Kritik an Pirelli fiel nach den ersten beiden Rennen der neuen Formel 1-Saison deutlich aus: Der italienische Reifenhersteller agierte in Melbourne und China auffallend konservativ und setzte auf harte Mischungen, was zu langweiligen Einstopp-Strategien führte. (Meinung: Pirellis Reifenpolitik macht die Formel 1 kaputt!)

Das lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zum einen hat Pirelli robustere Reifen entwickelt und die weichste C6-Mischung gestrichen, sodass in diesem Jahr nur noch die Spanne von C1 bis C5 bei den leichteren, schmaleren Reifen zur Verfügung steht.

Der größte Einflussfaktor ist jedoch das grundlegend veränderte Chassis: Das vorgeschriebene Mindestgewicht wurde um 32 Kilogramm reduziert, bei gleichzeitig deutlich geringerem Abtrieb. Das bedeutet, dass weniger Belastung auf die Reifen wirkt, insbesondere in Kurven, weil die Fahrer mit den stärker elektrifizierten Antriebseinheiten häufig "Lift-and-Coast" betreiben müssen, um Energie zu sparen.

All dies resultiert in langsameren Rundenzeiten. Zum Vergleich: Die Pole-Runde in China war letztes Jahr um 1,423 Sekunden schneller als 2026, was bedeutet, dass die Haltbarkeit der Reifen deutlich höher ist als bei den bisherigen Ground-Effect-Fahrzeugen.

Mario Isola: "Reifenwahl für erste Rennen war gut"

Allerdings steht man erst am Anfang eines neuen Reglementzyklus. Während viele Fahrer weiterhin Anpassungen an den noch nicht perfekten Regeln fordern, erklärt Pirellis langjähriger Motorsportchef Mario Isola, dass es Möglichkeiten gebe, die Reifenpalette anzupassen, um die strategischen Optionen zu erweitern.

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"Das Ziel für die neuen Reifen war ähnlich wie im letzten Jahr: eine Mischung aus Ein- und Zweistoppstrategien mit drei für das Rennen geeigneten Mischungen", sagt Isola, der seine Rolle als Sportchef abgegeben hat und den italienischen Reifenhersteller in diesem Sommer verlassen wird.

"Wir haben also versucht, eine ähnliche Situation wie im Vorjahr zu schaffen, ohne genau zu wissen, wie leistungsfähig die neuen Autos sind und wie sie die Reifen nutzen. Es gibt eine andere Aufstandsfläche, ein anderes Drehmoment und verschiedene weitere Faktoren."

"Jetzt haben wir mehr Daten, und ich denke, dass wir in Melbourne und auch [in China] nicht weit vom Optimum entfernt waren. Die Reifenwahl für die ersten Rennen war also gut", meint der Italiener, der auch betont, dass Pirelli weiterhin Daten sammelt, um in Zukunft noch Verbesserungen vorzunehmen.

"Als wir dort getestet haben, schien Bahrain basierend auf den Testergebnissen für C1, C2 und C3 geeignet zu sein", sagt der Pirelli-Verantwortliche. "Aber es wäre auch möglich gewesen, auf C2, C3 und C4 zu gehen - also eine Stufe weicher. Das werden wir generell berücksichtigen."

Warum Pirelli bei Reifenwahl weiter vorsichtig bleibt

"Wenn wir auf bestimmten Strecken eine weichere Auswahl brauchen, besteht die Möglichkeit, die Nominierung anzupassen. Wir haben den Teams eine vorläufige Auswahl für die gesamte Saison geschickt, aber in Abstimmung mit der FIA können wir diese noch verändern, entweder etwas in Richtung härterer Mischungen oder, wahrscheinlicher, in Richtung weicherer."

Pirelli-Motorsportchef Mario Isola

Ex-Sportchef Mario Isola erklärt die aktuelle Reifenwahl von Pirelli

Foto: LAT Images

Isola ergänzt, dass die aktuelle Situation einige Parallelen zur Saison 2017 aufweist, als in 13 von 20 Rennen ein Fahrer mit einer Einstopp-Strategie gewann. Damals hatte die Formel 1 ebenfalls neue Regeln eingeführt, darunter eine um 25 Prozent breitere Bereifung zur Verbesserung des mechanischen Grips, was jedoch gleichzeitig die Haltbarkeit erhöhte.

In der Folge führte Pirelli zur Saison 2018 eine breitere Mischungsvielfalt ein, darunter auch die Hypersoft-Reifen, um mehr strategische Möglichkeiten zu schaffen. Dennoch sei es viel zu früh, um zu sagen, dass der italienische Reifenhersteller für 2027 ähnliche Maßnahmen ergreifen sollte - insbesondere, weil die Teams ihre Autos im Laufe der Saison kontinuierlich weiterentwickeln werden.

"Es gibt auch den Faktor, dass die aktuellen Autos sich wahrscheinlich deutlich von denen unterscheiden werden, die in der zweiten Saisonhälfte fahren", betont Isola. "Das bedeutet: Wenn die Autos deutlich schneller werden, steigt auch die Belastung für die Reifen, und die aktuelle Auswahl könnte dann ideal sein."

"Die Entwicklungsrate ist zu Beginn einer Saison erfahrungsgemäß sehr hoch, das wissen wir aus den vergangenen Jahren." Deshalb bleibt derzeit kaum eine andere Möglichkeit, als zunächst abzuwarten - und zu hoffen, dass die strategischen Optionen in Zukunft vielfältiger werden.

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