Erklärt: Was sich an der Strecke in Abu Dhabi durch den Umbau geändert hat

Welche Stellen am Yas Marina Circuit in Abu Dhabi für die Formel 1 verändert wurden und wie die Fahrer nach dem Freitagstraining die neue Streckenführung bewerten

Erklärt: Was sich an der Strecke in Abu Dhabi durch den Umbau geändert hat

Der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi ist kürzer geworden, und schneller. Das ist die erste Erkenntnis zum Umbau der Formel-1-Rennstrecke, die speziell nach dem Grand Prix 2020 massiv in die Kritik geraten war. Tenor: Die damalige Streckenführung sei zu langweilig und eher überholfeindlich als -förderlich. Also haben die Verantwortlichen in Abu Dhabi reagiert und zur Saison 2021 Anpassungen vornehmen lassen.

Doch was hat sich am Yas Marina Circuit eigentlich verändert? Gleich mehrere Passagen. So fehlt im neuen Layout die Schikane ausgangs des ersten Sektors, direkt vor der engen Haarnadel. Hier fährt die Formel 1 nun einfach geradeaus und kommt mit deutlich höherer Geschwindigkeit bei der Haarnadelkurve an, die zudem etwas offener gestaltet wurde.

Noch auffälliger aber sind die Änderungen ausgangs des zweiten Sektors: Dort, am Ende der zweiten Gegengeraden, wo bis 2020 vier langsame 90-Grad-Kehren zu meistern waren, findet sich jetzt eine langgezogene Kurve, die wesentlich schneller durchfahren werden kann.

Hinzu kommen weitere kleine Änderungen an den 90-Grad-Kurven im dritten Sektor, die ebenfalls offener geworden sind, für mehr Speed und zum besseren Dranbleiben am Vordermann.

In Zahlen bedeutet das: Der Yas Marina Circuit in seiner neuen Form ist 5,281 Kilometer lang statt wie bisher 5,554 Kilometer. Außerdem hat sich die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht. Und all das macht sich bei den Rundenzeiten bemerkbar: Im Freitagstraining wurde 2020 1:36.2 gefahren, 2021 ebenfalls im Freitagstraining 1:23.6. Der Unterschied beträgt also über zwölf Sekunden.

Was die Veränderungen in Abu Dhabi bewirken

Und damit zur Frage aller Fragen: Ist der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi durch die Änderungen entscheidend besser geworden? Aston-Martin-Fahrer Sebastian Vettel will noch kein finales Urteil treffen: "Wir müssen einfach den Sonntag abwarten."

Max Verstappen von Red Bull aber bewertet das neue Layout noch immer als "nicht ideal" und meint: "Es gibt [im dritten Sektor] weiterhin ein paar Kurven, die nach außen hin abfallen. Das ist schwierig zum Dranbleiben, weil es da immer nur eine Linie gibt." Der Schlusssektor bleibe also eine Problemstelle in Abu Dhabi.

Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas dagegen empfindet die Änderungen als "positiv" und meint, der Kurs sei jetzt "schöner als vorher". Begründung: "Die Strecke hat jetzt etwas mehr Fluss und ein paar bessere Überholstellen, würde ich sagen."

Vettel begrüßt auch ausdrücklich, dass "einige der seltsamen Kurven nicht mehr da sind". Und McLaren-Fahrer Daniel Ricciardo hält den Umbau "alles in allem [für] ziemlich gut". Besonders Kurve 9, die lange Kurve anstelle von viermal 90 Grad habe es ihm angetan. Das sei jetzt eine "gute, schnelle Kurve".

Räikkönen kritisiert Umbau und neue Kurve 9

Doch genau diese Passage kritisiert Kimi Räikkönen, der bei Alfa Romeo in Abu Dhabi sein letztes Formel-1-Rennen bestreitet. Warum dem Ex-Champion die Änderung an dieser Stelle nicht passt: "Weil man da eine gute Überholstelle weggenommen hat. Jetzt hat man eine schnellere Kurve, und die erschwert das Überholen wieder. Es hätte dort halt eine langsamere Passage gebraucht", meint Räikkönen.

Man hört das Augenrollen beim Finnen förmlich, wenn er weiter sagt: "Manchmal fragt man sich schon, warum man gewisse Änderungen vornimmt. Aber so ist es halt. Und jetzt ist es eben anders."

Die neue Kurve 9 nach dem Umbau am Yas Marina Circuit in Abu Dhabi zur Formel-1-Saison 2021

Die neue Kurve 9 nach dem Umbau am Yas Marina Circuit in Abu Dhabi

Foto: Motorsport Images

Letzteres findet AlphaTauri-Fahrer Pierre Gasly "wirklich cool", weil sich Abu Dhabi "praktisch wie eine neue Strecke" anfühle. Und auch Vettel-Teamkollege Lance Stroll erkennt einen "größeren Spaßfaktor" für die Fahrer, sieht die Anpassungen allerdings ebenfalls kritisch: "Ich persönlich glaube nicht, dass das Überholen dadurch sehr viel einfacher wird, aber wir werden sehen."

Vettel ergänzt: "Überholen war in Abu Dhabi noch nie einfach. Da musst du schon sehr viel schneller sein." So gesehen habe sich nicht viel verändert.

Leclerc: Zumindest die Chance auf besseres Racing ist da

Ferrari-Fahrer Charles Leclerc wittert zumindest die Chance auf besseres Racing, weil der letzte Sektor "ein bisschen schneller geworden" sei. "Man sollte in diesen Kurven jetzt besser dranbleiben können."

"In der Theorie", so meint Bottas, "sollte das besseres Racing ermöglichen. Und ich glaube, es hat wirklich Änderungen gebraucht."

Und so sehen sich die Formel-1-Fahrer am Yas Marina Circuit mit einer teilweise neuen Streckenführung konfrontiert, inklusive Begleiterscheinungen: Lando Norris von McLaren verweist auf unterschiedliche Asphaltbeschaffenheiten, die "ganz anders" seien als noch 2020. "Es gibt einiges zu lernen, auch wie die Reifen vom jeweiligen Belag behandelt werden und wie sie funktionieren."

Deshalb ist es für Red-Bull-Fahrer Sergio Perez noch immer ein "Fragezeichen, ob sich das Racing verbessert oder nicht", so sagt er. Nachsatz: "Ich habe meine Zweifel."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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