Erstmals seit sieben Jahren: Methusalem Alonso stürmt auf das Podium

Im Alter von 40 Jahren fuhr Fernando Alonso in Katar sensationell auf das Podium und schrieb damit Geschichte - Was ihm dieser Erfolg bedeutet

Erstmals seit sieben Jahren: Methusalem Alonso stürmt auf das Podium

2674 Tage - so lange musste Fernando Alonso auf ein Podium in der Formel 1 warten. Letztmals durfte er beim Ungarn-Grand-Prix 2014 an einer Siegerehrung teilnehmen, damals noch in Ferrari-Farben. Nun, mehr als sieben Jahre später und im fast biblischen Alter von 40 Jahren, gelang dem Spanier mit einer Sensationsleistung im Alpine die große Überraschung. Beim Debüt-Rennen in der Nacht von Katar fuhr er auf den dritten Platz.

"Es fühlt sich gut an, das letzte Podium ist lange her", sagt Alonso. Nach dem Rennen kam er aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus, das ihm lange Zeit verwehrt gebliebene Prozedere auf dem Podium beherrschte er allerdings noch ganz gut. Gelernt ist schließlich gelernt, für den zweimaligen Weltmeister war es das 98. Formel-1-Podest seiner Karriere.

Und noch ein Fakt, der die historische Besonderheit dieses Moments hervorhebt: In den vergangenen 35 Jahren war Alonso erst der dritte Ü40-Fahrer auf einem Podium in der Königsklasse. Die beiden anderen waren Nigel Mansell 1994 in Australien sowie Michael Schumacher 2012 beim Großen Preis von Europa in Valencia.

Alonso: "Dachte eigentlich, dass ich führen könnte"

Rein sportlich profitierte Alonso zu Rennbeginn von den Strafversetzungen gegen Max Verstappen und Valtteri Bottas. Dadurch rückte Alonso in der Startaufstellung bereits auf Rang drei nach vorne und arbeitete sich direkt in der ersten Runde an Pierre Gasly vorbei. Kurz darauf warf er auch noch Verstappen die Tür kompromisslos zu. Doch insgeheim hatte er sich sogar mehr ausgerechnet.

"Ich dachte eigentlich, dass ich nach der ersten Runde führen könnte", sagt Alonso, der wie Gasly mit weichen Reifen gestartet war, Lewis Hamilton auf der Poleposition jedoch auf den Mediums. Doch zu einem Angriff auf den Mercedes reichte der Gripvorteil dann doch nicht aus.

Danach raste von hinten zwar Verstappen heran, gegen den sich Alonso auch gar nicht groß wehrte. Für den Rest des Rennens hatte er allerdings eine gute Pace. Alpine setzte bei Alonso und Teamkollege Esteban Ocon jeweils auf eine Einstoppstrategie, was sich schließlich als richtiger Schritt herausstellen sollte.

Bottas verabschiedete sich mit Reifenschaden

Zwischenzeitlich sah es so aus, als müsste sich Alonso im Kampf um das Podium Bottas beugen. Der Finne war auf derselben Strategie unterwegs und hatte vor seinem Stopp bereits genug Vorsprung herausgefahren, um nach dem Reifenwechsel vor dem Spanier bleiben zu können. Doch bei Bottas platzte der Reifen, er fiel zunächst weit zurück und musste schließlich aufgeben.

Somit war der Weg für Alonso fast frei. Einzig Sergio Perez war noch eine Bedrohung. Der Mexikaner war auf einer Zweistoppstrategie unterwegs und holte in den letzten Runden mit frischeren Reifen deutlich auf. Über Funk wies Alonso sein Team an, Teamkollege Ocon, der zu diesem Zeitpunkt noch zwischen beiden lag, klarzumachen, er solle "wie ein Löwe kämpfen".

Und Ocon wehrte sich tatsächlich mit allen Mitteln, konnte Perez aber nicht aufhalten. Ein spätes virtuelles Safety-Car rettete Alonso dann - und das im doppelten Sinne. Denn nach den Reifenplatzern bei der Konkurrenz zuvor gab es enorme Befürchtungen bei Alpine, dass Alonso ebenfalls der Pirelli um die Ohren fliegen könnte. "Es war eine Frage von wenigen Kurven, ob wir es packen oder nicht", sagt Exekutivdirektor Marcin Budkowski.

Alpine geht das Risiko ein

Doch ein Sicherheitsstopp hätte Alonso weit nach hinten geworfen. "Wir haben niemanden in Gefahr gebracht. Aber wir wussten, dass wir unser Rennen riskieren. Wir wussten aber auch, wenn wir wechseln, bringt uns das gar nichts", erklärt Budkowski. Der Schlüssel sei es gewesen, den Randsteinen fernzubleiben.

Der Poker ging auf, Alonso brachte den dritten Platz nach Hause - und wurde von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt. "In einer Karriere gibt es immer Aufs und Abs. Ich hatte vor zwei, drei Jahren wundervolle Momente, die Siege in Le Mans, der WM-Titel in der Langstrecken-WM. Aber jetzt zurückzukommen, in Vorbereitung auf die neuen Regeln für 2022, und am Ende des Jahres dieses Podium zu holen, ist wirklich toll", sagt Alonso.

Für Budkowski war Alonsos Podium "lange überfällig. Ich denke, jeder wird zustimmen, dass er sich durch seine Leistung dieses Jahr dieses Podium verdient hat." Dieser dritte Platz und Rang fünf durch Ocon katapultierten Alpine in der Konstrukteurs-WM auf einen Vorsprung von 25 Punkten auf AlphaTauri.

"Wir hätten das nicht erwartet. Wir dachten eigentlich, dass es hier, in Saudi-Arabien und dann in Abu Dhabi viel enger sein würde", sagt Alonso: "Dieser Abstand von 25 Punkten macht die Dinge für uns etwas einfacher, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen." Für eine kleine Feier zu Ehren des Fahrer des Tages dürfte es aber wohl noch reichen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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