Esteban Ocon fährt ohne Stopp in die Top 10: "Eine Runde mehr und ..."

Als einziger Fahrer im Feld hat sich Esteban Ocon in Istanbul auf nur einem Satz Reifen ins Ziel gekämpft - Dabei wäre die riskante Strategie fast schiefgegangen

Esteban Ocon fährt ohne Stopp in die Top 10: "Eine Runde mehr und ..."

Ein Rennen ohne Boxenstopp, das ist in der modernen Formel 1 äußerst unüblich. Doch Esteban Ocon hat genau so beim Grand Prix der Türkei auf feuchter Strecke den zehnten Platz eingefahren. Der Alpine-Pilot hielt seinen Satz Intermediates über die volle Renndistanz am Leben und wurde mit einem Punkt belohnt.

"Ich habe den Witz gemacht, dass die Jungs müde waren und wir dachten, dass wir ihnen diesmal einen Stopp ersparen, aber nein, so ist es natürlich nicht gewesen", scherzt der Franzose, der sich nach dem Start auf Platz elf hinter Sebastian Vettel einreihte.

"Ich glaube, als ich mit Seb kämpfte (gegen Rennmitte; Anm. d. R.), debattierten wir ein wenig: 'Sollen wir stoppen, sollen wir weiterfahren?' Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine wirklich gute Pace, die Reifen waren in einem guten Zustand, und ich dachte: 'Lass uns einfach weiterfahren'", schildert Ocon die Situation.

Erfahrung aus dem Vorjahr macht Ocon Mut

Während sich Vettel nach 36 Runden für Slicks entschied, was sich als fataler Fehler herausstellte, und der Rest des Feldes früher oder später auf einen frischen Satz Intermediates wechselte, blieb Ocon draußen. Wirkliche Zweifel kamen ihm nicht: "Das ganze Rennen über dachte ich, dass wir genau das tun sollten."

"Wir hatten gute Erfahrungen aus dem Vorjahr. Natürlich ist die Strecke jetzt ganz anders und trocknete zum Ende hin stärker ab als damals, aber die Bedingungen waren in gewisser Weise ähnlich", zieht er den Vergleich. "Und im vergangenen Jahr bin ich auch fast das ganze Rennen über mit einem Reifensatz gefahren."

"Also dachte ich dieses Jahr, lass uns etwas Ähnliches machen und sehen, ob es funktioniert. Es hat definitiv Sinn gemacht und ich bin froh, dass wir bei unseren Entscheidungen geblieben sind, denn das war es wert", resümiert der Alpine-Pilot zufrieden.

Platz 10 in letzter Runde fast noch verloren

Allerdings räumt er ein, dass der Zustand der Reifen gegen Rennende kritisch war: "Wir fragten uns, ob der Vorderreifen halten würde, denn er war ziemlich beschädigt. Ich denke, in einer weiteren Runde hätte ich einen Reifenschaden gehabt, und in zwei weiteren Kurven wäre ich von (Antonio) Giovinazzi überholt worden."

In der letzten Runde hieß es also, einfach nur zu überleben. "Ich habe versucht, die Randsteine zu vermeiden, um den rechten Vorderreifen nicht noch mehr zu beschädigen. Und ich war vor allem sieben Sekunden langsamer als Giovinazzi. Das war enorm, aber ich habe alles gegeben. Es war mega schwierig", sagt Ocon.

Dass es auch leicht anders hätte ausgehen können, weiß Mario Isola von Pirelli. "Ich habe unseren Ingenieuren geraten, die Teams zu warnen, die Reifen zu wechseln und nicht bis zum Ende zu fahren, weil es ein sehr riskantes Unterfangen war", verrät er.

Pirelli warnte Teams davor, durchzufahren

Zwar sagt Isola: "Offensichtlich ist jedes Auto anders und der Grad der Abnutzung ist unterschiedlich. Ich denke, dass es auch darauf ankam, wie sehr sie während des Rennens gepusht haben, aber mehr oder weniger kam bei allen Reifen das Innenleben zum Vorschein." Und das nicht nur am Auto von Ocon.

"Bei den meisten Autos, die nach Runde 47 oder 48 gestoppt haben, waren die Reifen völlig fertig. Wir wissen, dass der neue Asphalt abrasiver ist und mehr Grip hat als im vergangenen Jahr, und die Strecke war zwar nicht trocken, aber dennoch abrasiv, sodass wir wirklich am Limit waren", betont der Pirelli-Sportchef.

Ocon ist dennoch froh, das Risiko eingegangen und mit einem Reifensatz durchgefahren zu sein: "An dem für uns nicht gerade besten aller Wochenenden, die wir hatten, ist es gut, dass wir so hart gekämpft und eine Belohnung dafür bekommen zu haben."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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