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Ex-Teamchef klagt an: "Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen"

David Richards findet, dass Bernie Ecclestone in seiner Zeit als Formel-1-Boss das eigene Produkt schlechtgeredet hat - Motorsport müsse technischer Vorreiter sein

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Ex-Teamchef klagt an: "Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen"

Der früherer Teamchef David Richards hat der Formel 1 im allgemeinen und Ex-Serienchef Bernie Ecclestone im besonderen ein schlechtes Zeugnis bei der Vermarktung des eigenen Produkts ausgestellt. Anstatt den technologischen Fortschritt der seit 2014 eingesetzten Hybridmotoren offensiv darzustellen, habe die anhaltende Kritik daran der Formel 1 geschadet.

"Das sind Meisterstücke der Ingenieurskunst, absolut sensationell", sagte der früherer Teamchef von Benetton und BAR im Rahmen das 'Motorsport Leaders Business Forum' bei der Autosport International Show über die Hybridantriebe. "Aber was macht Bernie Ecclestone? Es sagt: 'Mir gefällt der Sound nicht, die sind nicht toll' und redet sie schlecht."

Ecclestone, der bis zum Verkauf der Mehrheitsanteile der Formel 1 an Liberty Media im Jahr 2016 Geschäftsführer der Serie war, hatte die seit 2014 eingesetzten Hybrid-Turbomotoren wiederholt kritisiert. Noch 2015 hatte er Hybrid als "größtes Problem aller Zeiten" gegeißelt. Auch andere hochrangige Vertreter aus dem Fahrerlager hatten kein gutes Haar an den Antrieben gelassen.

Formel 1 kann stolz auf Hybridantriebe sein

Dabei hätte die Formel 1 nach Meinung von Richards allen Grund gehabt, stolz auf diese Technik zu sein. "Sie sind nicht vorangegangen und haben gesagt: Schaut euch an, was wir erschaffen haben, was für eine tolle Technik wir haben."

"Stattdessen haben sie aufeinander eingeprügelt und sich so selbst den Boden unter den Füßen weggezogen. Das war so töricht, sie haben sich selbst ins Knie geschossen", meint der 67-Jährige, der mittlerweile Präsident des britischen Motorsportverbands Motorsport UK ist.

Auch abseits der Motorendiskussion in der Formel 1 wünscht sich Richards vom gesamten Motorsport im Zuge der aktuellen Klimadebatte mehr Selbstbewusstsein. "Man entschuldigt sich heute schnell dafür, dass wir im Kreis fahren, Gummi verbrauchen und fossile Treibstoffe verbrennen", sagt er.

Motorsport muss technischer Vorreiter bleiben

"Dabei gibt es viele positive Aspekte. In Großbritannien führen wir eine Elektro-Kartserie ein und untersuchen in verschiedenen Kategorien die Verwendung nachhaltiger Treibstoffe", so Richards. Doch seiner Rolle als Labor für neue Fahrzeugtechnik werde der Sport immer weniger gerecht.

"Motorsport war viele Jahre lang ein technologischer Motor, aber wir sind in eine Falle getappt und glauben: Wir müssen unterhalten, es geht nicht mehr um die Technik", findet Richards. "Dort müssen wir wieder die Initiative übernehmen. Wir müssen voranschreiten und zeigen, was möglich ist."

Besinne sich der Motorsport darauf, könne aus ihm die Antriebstechnik der Zukunft hervorgehen, glaubt Richards. "Politiker tendieren zu einfachen Botschaften und sagen: Elektro ist die Antwort, lasst uns Elektroautos auf die Straße bringen. Aber das ist ziemlich töricht", findet er.

"Es gibt noch so viele andere technische Möglichkeiten zu erforschen, und langfristig werden wir meiner Erwartung nach bei einer völlig neuen Technologie landen, die wahrscheinlich nicht Wasserstoff sein wird."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Urheber Markus Lüttgens