Analyse: Kann Adrian Newey Red Bull in der F1 wieder zum Erfolg führen?

Vor der Formel-1-Saison 2017 gingen viele davon aus, das Red Bull Racing Mercedes 2017 die Stirn würde bieten können. Daraus wurde aber nichts und das war eine größten Überraschungen des Jahres.

Für den Optimismus gab es logische Gründe. Das Team hatte sich im Laufe der Saison 2016 verbessert und es schien so, als ob Renault einen großen Schritt machen würde und die erneut bestätigte Zusammenarbeit begann sich auszuzahlen.

Und dann kam das neue Regelpaket. Wenn es ein Team gab, das von den großen Neuerungen bei den Aerodynamik-Regeln profitieren würde, dann wäre es sicher Red Bull, besonders mit Adrian Newey.

Auch wenn er andere Projekte hatte, auf die er sich konzentrierte, würde der berühmteste Ingenieur des Sports durch die Herausforderung sicher neuen Schwung bekommen und dem Team helfen, eine gute Richtung zu finden?

Nach 5 Rennen der Saison 2017 waren Max Verstappen und Daniel Ricciardo jeweils 1 Mal 3., von einem Kampf um den Sieg waren beide aber weit entfernt.

Der Abstand zwischen dem Sieger und dem bestplatzierten Red Bull Racing war bei den einzelnen Rennen 28,8, 45,1, 39,3, 60,4 und 75,8 Sekunden.

Ebenso beunruhigend war für Christian Horner und seine Truppe der Abstand zur Pole-Position. Der betrug 1,297, 1,355, 0,776, 1,711 und 0,557 Sekunden.

Natürlich kommen einige Strecken dem Red Bull Racing mehr entgegen als andere und Sochi war schon immer schwierig, da man nicht abstreiten kann, dass Renault noch immer hinter seinen Hauptkonkurrenten zurückliegt.

Es geht aber nicht nur um den Antriebsstrang und das Team hat rund um die Uhr am Chassis gearbeitet und es kamen am laufenden Band neue Teile.

Während das Qualifying in Spanien vielversprechend war, war es der große Abstand zu Lewis Hamiltons Mercedes am Ende des Rennens ganz und gar nicht und zeigte, dass das Update-Paket in Barcelona nicht die Wunderwaffe war, die man erwartet hatte.

Enttäuschung beim Test

Der Mann, der die Hauptverantwortung dafür trägt, die Wende zu schaffen, ist Newey, der sich wieder in erster Linie auf die Formel 1 konzentriert. Vor ein paar Jahren hatte er sich weitgehend zurückgezogen, hatte aber immer einen wachsamen Blick auf die Autos.

Die Tatsache, dass das Team letztes Jahr auf dem aufsteigenden Ast war, kann man als Beweis dafür sehen, dass das geänderte System recht gut funktionierte – bei dem einige sehr talentierte Individuen in Milton Keynes mehr ins Rampenlicht getreten sind und Newey hin und wieder mitgeholfen hat.

Als bei den Testfahrten aber klar wurde, dass der neue RB13 nicht da war, wo er sein sollte, wurde Newey gebeten, sich wieder mehr einzubringen. Als Konsequenz musste er wieder viel tiefer in die Details einsteigen, als das eine Weile der Fall war.

"Adrian hat seine Zeit offenbar zwischen Advanced Technology und dem Projekt mit Aston Martin und Red Bull Racing, aufgeteilt", sagte Christian Horner gegenüber Motorsport.com.

"In den letzten paar Jahren, besonders zu Beginn letzten Jahres, war sein Engagement bedeutend geringer. Das Team hat mit dem RB12 einen großartigen Job gemacht, ihn zu einem sehr konkurrenzfähigen Auto weiterzuentwickeln."

"Ich denke, vielleicht hat er die Änderungen im Reglement nicht so verfolgt, wie er das früher getan hat. Jetzt versucht er auch, sich wieder auf den neuesten Stand zu bringen."

"Er hatte [am RB13] großen Anteil und natürlich hat er so viel Erfahrung und Wissen, dass die Jungs drauf zurückgreifen können und er es auch umsetzen kann. Das ist für uns ein immenser Gewinn."

Kein Vollzeit-Comeback

Newey selbst machte klar, dass das kein Dauerzustand sein soll. Er hat jede Menge andere Dinge zu tun. Er ist nur als Feuerwehrmann da.

"Ich war zurückgetreten", sagte er gegenüber Motorsport.com. "Als es aber klar wurde, dass das Auto nicht so funktionierte, wie es sollte, sah ich es als meine Pflicht an, zu versuchen, die Dinge vorwärts zu bringen. Seitdem [dem Test in Barcelona im März] war ich sehr damit beschäftigt, mich zu engagieren und zu sehen, wie ich helfen kann."

"Es ist nicht das, was ich langfristig machen will, für eine Weile tue ich es aber gerne."

Newey deute jedoch an, dass sein Wiedereinstieg nicht ganz einfach war. Das Team hatte schließlich einen Weg gefunden, ohne seinen täglichen Input zu funktionieren.

"Ich denke, es ist klar, dass mein Rücktritt in einem System geregelter Stabilität stattfand. Da hat das System funktioniert, aber eine Herangehensweise als Arbeitsgemeinschaft hat nicht funktioniert, als es eine bedeutende Änderung im Reglement gab", sagte er. "Das müssen wir für die Zukunft im Auge behalten."

Horner bestreitet, dass sich das System bei Red Bull geändert und sich in der Tat an ein Leben mit weniger Input von Newey angepasst hat und genau das die Dinge nun, da er wieder mehr involviert ist, alles noch mehr kompliziert.

"Nein, das System ist sehr ähnlich, denn er trägt noch immer zum System bei", sagte Horner. "Er sitzt regelmäßig mit den Technikchefs zusammen. Ich denke, er meint vielleicht die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen. Es ist klar, das sich jeder weiterentwickelt."

"Ich denke, jeder ist darauf konzentriert, uns wieder konkurrenzfähig zu machen. Natürlich ist der Motor heutzutage ein noch wichtigerer Faktor, weil man noch länger Vollgas fährt. Renault macht dabei Fortschritte. Sie haben aber auch ihre eigenen Beschränkungen."

"Was das Chassis betrifft, sehe ich, soweit wir es kontrollieren können, keinen Frust, nur eine Entschlossenheit, es schnellstens konkurrenzfähig zu machen."

Es gibt keine Wunderwaffe

In Spanien gab es eine kleine Besserung, aber es ist noch ein weiter Weg. Newey weiß, dass, wie immer, harte Arbeit an der Basis gefragt ist.

"Ich denke, das Paket war ein kleiner Schritt nach vorne. Das hatten wir erwartet", sagte er. "Es wurde in der Presse maßlos übertrieben. Wir wissen, dass wir viel Arbeit haben. Wir wissen, was wir tun müssen, also machen wir einfach weiter."

"Es war nie eine Wunderwaffe und es gibt keine Wunderwaffe. Es ist das Übliche, einfach Stück für Stück weitermachen."

Und wie viel der Leistung des RB13 liegt an Renault?

"Das ist ein Teil unseres Defizits. Es liegt vermutlich 50:50 an Renault und an uns", glaubt Newey. "Wir müssen unseren Teil tun und wir vertrauen Renault, dass sie ihren Teil leisten. Es gab verschiedene kleine Dinge, die uns ein Bein gestellt haben."

Letztes Jahr war der RB12 in Monaco schnell und Daniel Ricciardo eroberte die Pole-Position – und verlor dann im Rennen durch einen desaströsen Boxenstopp. Newey hat aber bereits akzeptiert, dass das Monaco-Wochenende in diesem Jahr eine größere Herausforderung wird. Es gibt keine schnellen Lösungen.

"Ich denke, letztes Jahr hatten wir ein gutes Chassis", sagte er. "Also konnten wir in Monaco, wo es weniger auf den Motor ankommt, glänzen."

"Dieses Jahr haben wir nicht das beste Chassis, also wird es keine solche Gelegenheit werden wie letztes Jahr. Ich schätze, wir müssen zwischen jetzt und Singapur die Kurve kriegen und das als nächste Chance sehen."

Für Newey und seine Kollegen hat es nun Vorrang, diese Leistung zu finden. Langfristig muss das Team lernen, wieder effektiv zu arbeiten, wenn Newey erneut zurücktritt.

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Rennserien Formel 1
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