Qualifyingbericht

Formel 1 Sao Paulo

Formel 1 2017 in Brasilien: Bottas staubt nach Hamilton-Crash ab

Valtteri Bottas gewinnt das Tausendstel-Duell gegen Sebastian Vettel um die Pole in Sao Paulo. Lewis Hamilton nimmt Q1-Crash auf seine Kappe.

Bearbeitet: 11.11.2017, 18:07

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Polesitter Valtteri Bottas, Mercedes-Benz F1 W08

Kimi Raikkonen, Ferrari SF70H

Felipe Massa, Williams FW40

Marshal waves the red flag in Q1

The crashed car of Lewis Hamilton, Mercedes-Benz F1 W08  is recovered in Q1

Lewis Hamilton, Mercedes-Benz F1 W08, crashed car

Stoffel Vandoorne, McLaren MCL32

Sergio Perez, Sahara Force India VJM10

Qualifying Top 3: polesitter Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1, second place Sebastian Vettel, Ferrar

Sebastian Vettel, Ferrari SF70H and Kimi Raikkonen, Ferrari SF70H arrive to celebrate in parc ferme

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, climbs out of his damaged car after crashing out of Q1

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 celebrates with polesitter Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 in parc

Max Verstappen, Red Bull Racing RB13

Stoffel Vandoorne, McLaren MCL32

Stoffel Vandoorne, McLaren MCL32, Fernando Alonso, McLaren MCL32, outside the McLaren garage during

Felipe Massa, Williams FW40

Maurizio Arrivabene, Team Principal, Ferrari

Lewis Hamilton, Mercedes-Benz F1 W08

Pascal Wehrlein, Sauber C36

Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team RS17 pit stop

Pierre Gasly, Scuderia Toro Rosso STR12

Valtteri Bottas hat sich im Qualifying zum Grand Prix von Brasilien die Pole-Position gesichert. Der Mercedes-Fahrer profitierte einerseits von einem Unfall seines Teamkollegen Lewis Hamilton, machte dann aber in einem spannenden Kampf gegen die beiden Ferrari-Stars im entscheidenden Moment alles richtig und holte die dritte Pole-Position seiner Karriere.

Nach dem ersten Q3-Run lag noch Vettel voran (0,082 Sekunden vor Bottas), doch der verlor die mögliche Pole gleich im ersten Sektor. "Ich war beim Anbremsen der ersten Kurve zu feige", analysiert er. "Da habe ich zu viel Zeit verloren. Sonst war die Runde in Ordnung." Denn während Bottas im Finish zulegen konnte und für den ersten Sektor 17,299 Sekunden benötigte, wurde Vettel in 17,439 Sekunden gestoppt. Das war die Vorentscheidung.

Ergebnis: Qualifying in Sao Paulo

Bottas brachte die Runde ohne Fehler ins Ziel - und hatte Glück, dass der ganz leicht tröpfelnde Regen nicht stärker wurde. "Es war eine wirklich gute Runde", freut sich der Finne. "Wir haben ein gutes Auto. Es wird ein harter Kampf gegen Ferrari, aber ich stehe lieber auf Pole als irgendwo sonst." Eine nüchtern klingende Analyse für einen, der bei der Zieldurchfahrt emotional "Yes!" in den Boxenfunk plärrte - ganz und gar nicht typisch für seine sonst so ruhige Art.

GP Brasilien:

Am Ende fehlten Vettel 0,038 Sekunden, "und die kannst du hier überall finden". Kimi Räikkönen hatte da schon etwas mehr Rückstand, nämlich zwei Zehntelsekunden. "Hätte besser sein können", sagt er. "Es fiel mir schwer, die Reifen für die ersten Kurven ins Temperaturfenster zu bringen."

Probleme, die Lewis Hamilton auch gern gehabt hätte. Für den frischgebackenen Weltmeister war der Arbeitstag schon nach seiner allerersten Q1-Runde vorbei - denn die endete anstatt auf P1 im Reifenstapel! Beim Beschleunigen in einer schnellen Rechts setzte sein Mercedes auf, beim Schalten verlor er die Kontrolle. "Fehler können passieren. Ich habe kein Problem damit", nimmt Mercedes-Boss Niki Lauda den Superstar in Schutz.

Hamilton bleibt in der Analyse seines Crashs kryptisch, sucht aber nicht nach Ausreden: "Es ist, wie es ist. Sehr ungewöhnlich für mich. Zeigt aber, dass wir alle nur Menschen sind", entschuldigt er sich indirekt. "Es ist ganz schnell gegangen. Was soll ich dazu groß sagen?" Und er kündigt eine Aufholjagd an: "Ich werde versuchen, morgen so viel Spaß wie möglich zu haben."

F1-Technik:

Der 32-Jährige absolvierte, als Q3 noch lief, brav seine TV-Interviews - und kam danach in den Parc ferme, um seinem Teamkollegen zur Pole zu gratulieren. Von Mercedes muss er sich keine Vorwürfe anhören: "Er hat diesen Titel auch geholt, weil er keine Fehler gemacht hat. Deswegen ist es in Ordnung", sagt Sportchef Toto Wolff.

Red Bull, in den Longruns am Freitag vermeintlich noch Kopf an Kopf mit Mercedes und Ferrari, war in Q3 chancenlos. Max Verstappen (+0,603) wurde Vierter, Daniel Ricciardo (+1,008) Fünfter - aber der Australier (Startreifen: Soft) rutscht wegen eines Motorwechsels um zehn Positionen nach hinten. Seinen Rückstand auf Verstappen erklärt er so: "Ich bin aus der Box gefahren, spürte Vibrationen und hatte vorne links keinen Grip."

Aber auch Verstappen war nicht happy: "Mehr war nicht drin. Zufrieden bin ich trotzdem nicht", seufzt der Niederländer, der schon im Freien Training über Untersteuern geklagt hatte. "Wir haben die Balance einfach nicht hinbekommen. Es ist mit den langen Geraden keine unserer besseren Strecken." Einen Sieg sieht er nur "mit Glück" in Reichweite: "Unsere Longrun-Pace war nicht überragend."

Besonders umkämpft war diesmal das vordere Mittelfeld. Zwischen Sergio Perez (6./Force India) und Felipe Massa (10./Williams) lagen nur 0,243 Sekunden. Und da fehlte sogar Esteban Ocon (11./Force India) im Paket, der nach seinen Trainingsleistungen eigentlich locker in den Top 10 hätte sein sollen.

Bildergalerie:

Mit wallendem Blutdruck zu kämpfen hatte Massa, der in seinem letzten Heim-Qualifying insgeheim gehofft hatte, zumindest "Best of the Rest" zu sein. Doch letztendlich beendete er die Session als Zehnter - wofür er Carlos Sainz (9./+1,483) die Schuld gibt. Denn Massa fühlte sich vom Renault-Fahrer aufgehalten, nahm die Hand für eine wütende Geste vom Lenkrad und kam ins Rutschen. Mit der Wut im Bauch konnte er P10 auch im zweiten Run nicht verbessern.

"Er hat das mit Absicht gemacht", beschuldigt Massa den Spanier. "Ich habe ihn darauf angesprochen und er sagte nur: 'Ja, das war, weil du mich gestern im Longrun blockiert hast.' Aber verdammt noch mal, wir sind im Qualifying!" Sainz streitet das ab: "Das ist eine starke Anschuldigung. Er hat mich davor auch aufgehalten, das hat mich zwei, drei Zehntel meiner ersten Q3-Runde gekostet. Dann hat er sich beschwert und plötzlich über gestern geredet. Ich weiß nicht warum."

Erfreulich, dass Nico Hülkenberg (8./Renault) im dritten Qualifying-Duell gegen Sainz zum zweiten Mal gewann, diesmal um 0,102 Sekunden. Für Renault ist es nach wenig berauschenden Trainingsleistungen (und einer handfesten Auseinandersetzung mit Toro Rosso) ein positives Ergebnis, mit beiden Autos in den Top 10 zu stehen.

Toro Rosso praktizierte indes eine eigenwillige Herangehensweise. Nach dem frühen Aus von Pierre Gasly (17.) drehte Brendon Hartley (15.) in Q2 eine Runde nach der anderen, aber er fuhr dabei stets durch die Boxengasse und nicht über Start und Ziel. Weil das Team motorenvorbestraft in das Qualifying ging und sowieso hinten starten wird, versuchte man auf diese Weise, wenigstens das Renn-Set-up zu optimieren.

In Q1 war Pascal Wehrlein der große Pechvogel. Der Sauber-Fahrer lag schon nach seiner ersten Runde auf dem unglücklichen 16. Platz, steigerte sich dann auf 1:10.678 Minuten - und verpasste Q2 letztendlich um 0,053 Sekunden gegen Hartley.

Das sei "ärgerlich", räumt er ein, aber: "Endlich fühlt sich das Auto mal wieder so an, wie ich es gewohnt bin. Wir haben zu diesem Rennen viele Teile gewechselt. Seitdem sind die Probleme wie aufgelöst." Im Qualifying-Stallduell gegen Marcus Ericsson (19.) stellte er auf 10:7.

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