Wirtschaftsanalyse: Die finanzielle Zukunft von Ferrari

Mit der Analyse der Ferrari-Aktie RACE sollen den Investoren die Chancen und Risiken für die Zukunft aufgezeigt werden – Wie sieht die wirtschaftliche Situation des italienischen Herstellers aus?

Ferrari hat mit RACE gelistete Wertpapiere am New Yorker Aktienmarkt. Eine Analyse der wirtschaftlichen Situation des Sportwagenherstellers soll den Investoren die Chancen und Risiken für die Zukunft aufzeigen. In Kombination mit einer Formel-1-Analyse von JP Morgan verraten die Zahlen einige interessante Entwicklungen rund um den italienischen Sportwagenhersteller.

In der Analyse von JP Morgan werden aber einige kuriose Werte genutzt. So heißt es, dass rund 600 Millionen Menschen regelmäßig zur Formel 1 einschalten würden, um das Traditionsteam auf der Rennstrecke zu beobachten. Die Königsklasse hat im vergangenen Jahrzehnt jedoch rund ein Drittel seiner Zuschauer verloren. Dementsprechend schauen zurzeit weltweit nur rund 425 Millionen Fans zu. Die 600 Millionen Zuschauer, die JP Morgan in seiner Analyse nutzt, wurden zuletzt im Jahr 2008 gemessen. Seitdem ist die Einschaltquote stetig gesunken.

JP Morgan widmet sich zudem der globalen Fanbasis von Ferrari – im Motorsport als auch im Sportwagensektor. Die Großbank sieht sie als eine "extrem große, aber nicht erschlossene Möglichkeit" für ein Wachstum in der Zukunft. Der Markt ist groß, aber die Fanbasis als "nicht erschlossen" zu bezeichnen, ist etwas rätselhaft. Im Mai 2017 hat Ferrari sein Resultat für das erste Quartal veröffentlicht. "Die Einnahmen durch Sponsoring, Werbung und der Vermarktung der Marke ist um vier Prozent auf rund 123 Millionen Euro gestiegen."

Im Jahr 2015 hat Ferrari rund 27 Prozent seiner weltweiten Einnahmen in diesen drei Bereichen generiert. Dazu gehören die Umsätze, die der Hersteller durch die Freizeitparks in Abu Dhabi und Spanien, die zahlreichen Kappen und Schlüsselanhänger, die gebrandeten Ferrari-Gegenstände, das Preisgeld in der Formel 1 und Sponsoren wie Shell und Philip Morris generiert.

Bildergalerie: Ferrari in der Formel-1-Saison 2017

Von den 27 Prozent der Einnahmen wurden 15,5 Prozent direkt durch die Lizenzierung, das Branding und mit den Formel-1-Einnahmen erzeugt. 7,7 Prozent werden durch den Verkauf der Motoren erzielt – für den Motorsport und auch für die Straßenautos von Maserati. Die verbleibenden 3,8 Prozent werden durch die Finanzdienstleistungen von Ferrari und der Vermietung des Mugello Circuit in Italien generiert. Dieses Einkommen bestehend aus Millionen von Euro, als "nicht erschlossene Möglichkeiten" wahrzunehmen, ist etwas irreführend.

Die Zukunft des Herstellers

Die Analyse von JP Morgan macht hingegen in der Beurteilung des zukünftigen Potenzials von Fiat Chrysler Automobile (FCA) Sinn. FCA-Geschäftsführer Sergio Marchionne möchte den Output in der Straßenwagenproduktion erhöhen, um weitere globale Marktanteile zu bekommen.

"Die strategischen Pläne des Ferrari-Managements lauten, die Auslieferung von Sportwagen von 7.694 Autos im Jahr 2015 auf 9.000 Fahrzeuge im Jahr 2019 zu erhöhen", heißt es in dem Bericht. "Wir trauen dem Management zu, diesen Plan einzuhalten, da aktuell die Nachfrage das Angebot sogar zu übersteigen scheint. Immerhin müssen Kunden teilweise bis zu einem Jahr auf die Auslieferung ihres Fahrzeugs warten. Außerdem ist der neue F12 TDF bereits ausverkauft. Hauptsächlich haben Bestandskunden den neuen Sportwagen erworben."

"In unserem Modell ist die Erhöhung der Stückzahlen ein Schlüsselfaktor für die erwartete Steigerung der Einnahmen bis 2019", heißt es im Bericht weiter. "Es gibt aber ein Level durch das die Exklusivität leiden könnte, weshalb die Preise und die Profitabilität sinken könnten. Wir kennen diese Grenze nicht, schätzen sie aber auf 10.000 Fahrzeuge pro Jahr."

Der Skandal

Trotz der großen weltweiten Nachfrage nach Ferraris, läuft bei FCA aber nicht alles nach Plan. Marchionne wird das Unternehmen am Ende des Jahrs 2019 verlassen. Sein Nachfolger wird dann mit einem brodelndem Skandal konfrontiert werden. Unter dem Tisch wurden nämlich Deals zwischen Chrysler und der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) gemacht.

Offizielle der UAW müssen sich wegen Bestechung in den vergangenen vier Jahren verantworten. Im August wurde UAW-Arbeiter Virdell King, der in die Verhandlungen zwischen FCA und der UAW verwickelt war, wegen der Verletzung von Arbeitsschutzgesetzen verurteilt. Acht weitere Offizielle sollen noch vor Gericht gestellt werden. In der Analyse hat JP Morgan den UAW-Skandal mit keinem Wort erwähnt, obwohl er noch im vollen Gange ist.

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