F1-Star Lewis Hamilton: Unter schwierigen Bedingungen immer am besten

Lewis Hamilton sinniert darüber, wie er den Fokus bei schwierigen F1-Rennen nicht verliert und warum er solche Bedingungen liebt - Hilfe aus dem Jenseits.

Als der Regen vor dem Start in Singapur herunterging, saß Lewis Hamilton in seinem Auto und lächelte. Der Brite wusste: "Das sind meine Bedingungen!" Mercedes brauchte den Regen, weil man unter normalen Bedingungen auf dem Marina Bay Street Circuit chancenlos gegen Ferrari und Red Bull gewesen wäre. Außerdem wusste Hamilton, dass er bei solchen Voraussetzungen immer die besten Fahrten hinlegen kann.

"Ich liebe diese Bedingungen, weil es eine gute Möglichkeit ist, beim Fahren einen wirklichen Unterschied zu machen - und das ist mir heute gelungen", strahlt er nach dem überraschenden Rennsieg, der ihn weitere 25 Punkte von WM-Rivale Sebastian Vettel weggebracht hat. "Es war für uns alle das 1. Mal hier im Regen, von daher war es eine riesige Herausforderung - und das liebe ich."

Hamilton konnte in seiner Formel-1-Karriere schon mehrfach Rennen bei schwierigen Bedingungen entscheiden und sich dabei von allen abheben. Unvergessen ist etwa der Silverstone-Grand-Prix 2008, als sich die Gegner reihenweise im strömenden Regen verabschiedeten, während Hamilton den Lauf locker mit über einer Minute Vorsprung gewinnen konnte - oder Monaco im gleichen Jahr, als es ebenfalls stark regnete und Hamilton gewann. Wenn auch mit Glück nach einem Mauerkuss.

Der Fokus macht die Musik

"Wenn du dich den schwierigsten Aufgaben stellen musst, das ist der aufregendste Teil für mich", sagt der Brite. Das findet Hamilton spannender, als sich in einem möglichen Trockenrennen hinter Kimi Räikkönen einzusortieren und den Singapur-Grand-Prix als 5. zu beenden. Der Mercedes-Pilot hatte auch gemeint, dass ihm solche Siege wie gestern mehr Spaß machen als einfache Erfolge von Pole bis ins Ziel.

Nun könnte man meinen, dass das gestrige Rennen ein solches für ihn war. Zwar stand er technisch gesehen nicht auf der Pole-Position, doch nach dem Startunfall der Hauptkonkurrenten befand sich der dreimalige Weltmeister schon nach 3 Kurven auf Position 1 wieder und musste seinen Vorsprung nur noch verteidigen. Trotzdem war die Situation für ihn anders. Zum einen wusste er, dass Daniel Ricciardo (Red Bull) hinter ihm das vermeintlich schnellere Auto hat, zum anderen ist Singapur bei Regen doch noch einmal eine andere Herausforderung.

"Für mich ging es darum, fokussiert zu bleiben und keinen Fehler zu machen", sagt er. Das sei in diesem Jahr ohnehin etwas, worauf er sehr achte, nachdem es im vergangenen Jahr eine Reihe an Fehlern gab, die ihm den WM-Titel kosteten. "Und dieser Fokus scheint zu funktionieren", betont er. "Es gibt keinen Grund, das zu ändern. Es ist eine perfekte Balance aus Aggressivität und gleichzeitig Vorsicht. Ich werde bis zum letzten Rennen so weitermachen."

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Wie Senna beim Konzentrieren hilft

In seinem Kopf spukt dabei wie immer sein großes Idol Ayrton Senna. Dieser hatte es 1988 fertiggebracht, den Monaco-Grand-Prix vom ersten Training weg zu dominieren, nur um in der 65. Runde die Konzentration zu verlieren und seinen McLaren souverän führend in die Leitplanke zu schmeißen. "Das schießt mir immer in den Kopf und erinnert mich daran, so etwas nicht zu tun", sagt Hamilton.

"Ich habe solche Erfahrungen bereits machen müssen, aber diese Lektion habe ich gelernt", erzählt er weiter. "Es ist fast, als ob er mit mir redet: 'Bleib einfach fokussiert, behalte alles im Griff.'" Doch diese Methode scheint gut zu funktionieren, denn der Brite behielt alles im Griff und feierte überraschend seinen 60. Grand-Prix-Sieg.

Dafür gab es am Ende auch Lob von Motorsportchef Toto Wolff: "Ich habe schon vorher gesagt, dass man an einem schwierigen Tag Lewis im Auto haben möchte. Das war ein weiteres Beispiel", strahlt der Österreicher. "Die Chance auf einen Fehler war höher, als es nach Hause zu bringen." Und statt erwarteter Schadensbegrenzung wurde er dafür mit einem wichtigen Schritt zu Titel Nummer 4 belohnt. "Ich nehme es und bin dankbar dafür", so Hamilton.

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