Mein Job in der Formel 1: Fotograf bei Sutton Images

Es gibt viele Personen, die die Zuschauer während eines Formel-1-Rennens nicht im TV sehen und hinter den Kulissen helfen, den F1-Zirkus am Laufen zu halten. Wir stellen Mark Sutton vor, F1-Fotograf von Sutton Images.

Mein Job in der Formel 1: Fotograf bei Sutton Images

Das ist mein Job

Ich fotografiere für Sutton Images. Ich besuche die Formel-1-Rennen weltweit nun seit über 25 Jahren. Angefangen habe ich im Jahr 1985. Damals habe ich aber die kleineren Formelserien abgedeckt, um Erfahrungen zu sammeln.

Es war so, als würde ein Fahrer die verschiedenen Klassen durchlaufen. Ich habe in der Formel 4 losgelegt. Dann kam die Formel 3. Ich habe auch 8 Jahre lang in Le Mans gearbeitet. Zudem war ich auch in Macau vor Ort. Im Jahr 1992 bekam ich dann die Möglichkeit, bei einem Grand Prix zu fotografieren.

Mein Job besteht also darin, alle 4 Tage eines Grand Prix festzuhalten. In diesem Jahr sind es 20 Rennen plus die Tests. Ich fotografiere auch für Audi in der R8-Serie in Asien. Der Hersteller gehört zu meinen Kunden. Daher bin ich sehr beschäftigt.

Mein Arbeitsplan

Los geht es am Donnerstagmorgen. Normalerweise fange ich um 9 Uhr an, zu arbeiten. Feierabend habe ich zwischen 19 und 20 Uhr. Es geht darum, Bilder zu schießen und sie anschließend zu bearbeiten. Am Donnerstag sind zwar keine Autos auf der Strecke, aber wir fotografieren dann die Technik in den Boxen, die Fahrer an der Strecke, die Pressekonferenz und andere Presseveranstaltungen. Am Freitag geht es dann auf der Strecke rund. Der Samstag verläuft recht ähnlich, nur ist der Zeitplan etwas anders. Am Sonntag findet das Rennen statt.  

Mark Sutton
Mark Sutton

Foto von: Sutton Motorsport Images

Unser Team besteht aus einigen Leuten. Daher treffen wir uns am Morgen, um die Positionen an der Strecke abzusprechen. Wir gehen auch sicher, dass wir richtig ausgestattet sind. Wir versuchen, so viele Schnappschüsse zu machen wie möglich. Einer der wichtigsten Punkte ist es, alle Dreher und Unfälle festzuhalten. Es geht aber auch darum, die Gespräche zwischen den Protagonisten im Fahrerlager zu fotografieren. Es geht nicht immer nur um spannende Fotos von der Strecke. Es dreht sich auch um die Atmosphäre und die Fans.

In Österreich war es beispielsweise toll, die vielen Fans aus den Niederlanden auf den Tribünen zu sehen. Normalerweise besteht unser Team aus 3 Personen. Bei manchen Rennen sind wir zu viert unterwegs. In Silverstone waren es sogar 5 Mitarbeiter, weil mein Sohn mir bei der Bildbearbeitung geholfen hat. Daher konnte ich länger direkt an der Strecke arbeiten.

Das Wichtigste in meinem Job ist…

Das Wichtigste in meinen Job ist, dass ich nach 32 Jahren noch immer gute Fotos schießen kann. Es geht aber auch darum, den Kunden und den Fans zu zeigen, wie leidenschaftlich ich mich für den Sport einsetze. Hoffentlich reagieren sie, wenn sie meine Fotos sehen, wie folgt: "Das sind wirklich tolle Bilder." Ich hoffe, dass sie sich freuen. Darum geht es. Die Leidenschaft für den Job steht im Mittelpunkt. Ein Großteil der Menschen im Pressezentrum ist hier, um F1-Rennen zu sehen. Auch sie sind mit viel Leidenschaft dabei. Sie lieben den Sport.

Zudem muss man verstehen, was man eigentlich fotografiert. Man muss nachvollziehen können, was eigentlich passiert und wie alles funktioniert. Man kann in die Box gehen und kein Foto erhalten, wenn man nicht weiß, worum es eigentlich geht. Wenn man aber die Vorgänge versteht, hilft es enorm. Einige lokale Fotografen wissen beispielsweise nicht, was hier eigentlich vor sich geht. Wenn man aber jedes Rennen dabei ist und seit über 25 Jahren mit der Formel 1 mitreist, weiß man, worauf man achten muss.

Racewinnaar Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1
Mark Sutton fotografiert Lewis Hamilton

Foto von: Sutton Motorsport Images

Man versucht natürlich, etwas einzufangen, was kein anderer Fotograf schafft. In Kanada hatte ich beispielsweise als einziger Fotograf Zutritt zum Dach. Ich habe die Zieleinfahrt, die Feier und die Podiumszeremonie fotografiert. Dann habe ich gewartet, bis Lewis Hamilton das Podium verließ. Er hielt dabei die Trophäe hoch, die vom Licht erfasst wurde. Das sind die Momente, auf die ein Fotograf wartet. Ich versuche auch nach 25 Jahren, solche Fotos zu schießen. Mein Ziel ist es, um die Welt zu reisen und alle Rennen zu besuchen. Das macht diese Leidenschaft aus.

3 Dinge, ohne die ich meinen Job nicht machen könnte

Natürlich sind es meine Kameras. Wir nutzen Nikons. Wir haben eine enge Beziehung mit dem Unternehmen und dienen als Repräsentanten. Für uns ist es wichtig, die neusten und besten Kameras sowie die neusten Kits zu besitzen. Wir haben eine Nikon D5, die im vergangenen Jahr auf dem Markt kam. Dazu besitzen wir die neusten Objektive, die ständig verbessert werden. Wir haben ein 70-200mm Mark II und ein 500mm oder 200-400mm Objektiv bei uns. Letzteres ist gut für die Feiern auf dem Podium, da es sehr flexibel ist. Zusätzlich nutzen wir spezielle Objektive wie Weitwinkel- und Fischaugenlinsen. Natürlich haben wir auch einen Blitz dabei. Meine Tasche wiegt dann rund 20 Kilogramm.

Das zweitwichtigste Objekt ist mein Computer. Es geht nicht nur darum, die Fotos downloaden zu können. Wir leisten in den sozialen Medien viel Arbeit. Wir brauchen ihn auch für die Fotobearbeitung. Zuletzt sind meine Füße und Finger sehr wichtig. Auch wenn mein Körper schon etwas gelitten hat, bin ich zu Fuß gut unterwegs. Der rechte Zeigefinger sollte mit Millionen Euro versichert sein, denn er ist für den Job am wichtigsten. Ohne diesen Finger würde ich meine Arbeit nicht mehr machen können.

Menschen, mit denen ich immer in Kontakt bin

Es sind die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Wir müssen wissen, an welcher Stelle der Strecke wir wann sein müssen. Wir stehen immer in Kontakt, um die besten Fotos schießen zu können. Wir achten auch darauf, nicht immer dieselben Winkel zu nutzen, damit sich die Fotos nicht ständig wiederholen. Bei anderen Lichtverhältnissen ist es anders. Sollte es an einem Tag regnen und an einem anderen Tag nicht, müssen wir zurück an den Ort und neue Fotos machen.

Man sucht natürlich nach Stellen, an denen es zu Unfällen oder spannenden Situationen kommen kann. Wir schauen, wo die Funken fliegen oder wo die Belichtung besonders gut ist, besonders am Abend. Über diese Dinge denkt man die ganze Zeit nach. Der Hintergrund ist auch wichtig. Wir wollen nicht zu viele Sponsoren auf den Fotos haben. Diese Dinge sind sehr wichtig. Wir nutzen WhatsApp, um uns abzusprechen.  

Mark Sutton, fotograaf
Mark Sutton in der Boxengasse von Silverstone

Foto von: Sutton Motorsport Images

Wir stehen auch mit dem Büro in Kontakt, das alle Fotos von uns erhält. 2 Mitarbeiter empfangen dort die Fotos, entweder direkt von der Kamera oder von meinem PC. Wir stehen mit ihnen durchgehend in Kontakt. Wir achten darauf, dass sie all das erhalten, was die Kunden erwarten. Die Kunden sind in meinem Job der wichtigste Part. Es geht darum, sie glücklich zu machen und ihnen zu liefern, was sie brauchen.

Wenn ich nicht an der Strecke bin

Dann verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Mein Kinder sind 19 und 21 Jahre alt. Ich habe sie in meinem Leben nicht oft gesehen, weil ich aufgrund der Arbeit immer unterwegs bin. Daher ist es toll, zuhause zu sein, um die Familie zu sehen. Ich gehe einmal pro Woche ins Büro. Ich kann viel Arbeit von zuhause aus erledigen, weil ich dort einen eigenen Arbeitsplatz habe. Trotzdem fahre ich gerne einmal pro Woche ins Büro.

Ohne mich…

Ich frage mich ständig, ob die Formel 1 mich vermissen würde. Ich glaube nicht. Es gibt genügend Menschen, die deinen Job machen wollen und gut genug sind. Ich hoffe aber, dass sie mich vermissen, weil ich mit so viel Leidenschaft meiner Arbeit nachgehe. Ich liebe den Job auch nach 25 Jahren in der Branche.

Ich liebe es, neue Länder zu sehen. Ich mag es auch, wenn sich die Regeln ändern, weil ich sie dann in Fotos festhalten kann. Ich freue mich auf die Testfahrten, um die neuen Fahrzeuge aus jedem erdenklichen Winkel abzulichten. Die Teams hassen es, weil sie die Details gerne verstecken würden. Für die Fans ist es aber spannend, denn sie können sehen, was bei den Tests vor sich geht.

Mark Sutton, Photographer
Mark Sutton im Pressezentrum
Foto von: Sutton Motorsport Images

Die Formel 1 ist…

Die Formel 1 ist mein Leben. Meine Eltern haben mich als Kind mit zu den Rennen genommen. Ich war im Jahr 1976 bei einem Rennen. Damals war ich 11 Jahre alt. Davor war ich auch bereits vor Ort, kann mich daran aber nicht wirklich erinnern. Mein Vater war ein großer Motorsport-Fan, obwohl er Flugzeuge gebaut hat. Er hat den Vulkan Bomber, den Nimrod und andere bekannte englische Flugzeuge produziert. Meine Mutter sagte, er solle mit den Kindern Zeit verbringen. Sie fügte hinzu: "Warum nimmst du sie nicht mit zu den Rennen?"

Mein Vater und seine Freunde erlaubten es meinen Bruder und mir, sie zu begleiten. Er kaufte mir ein keines Modellauto. Mein älterer Bruder Keith bekam eine Kamera und schoss die ersten Fotos. Da kam ich mit dem Job erstmals in Kontakt. Er traf dann Ayrton Senna und der Rest ist Geschichte: Er wurde sein persönlicher Fotograf und ich bekam das alles mit.

Mein Vorbild, mein Held meiner Kindheit war Emerson Fittipaldi. Ich hatte ein Sammelalbum und ein Modell seines Fahrzeugs, an dem ich mit einem kleinen Werkzeug die Reifen wechseln konnte. Ich hatte schon immer Leidenschaft für die Formel 1 und den Motorsport. Ich bin damit aufgewachsen. Wenn ich nicht mit der Fotografie angefangen hätte, wie wäre dann mein Leben verlaufen? Ich wäre sicher bei der Polizei gelandet! Ich habe mich damals bei der Polizei beworben.

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