F1-Kalender 2023: Belastungsgrenze mit 24 Rennen "weit überschritten"

2023 wartet ein Rekordkalender mit 24 Rennen auf die Formel-1-Teams und ihre Mitarbeiter - Damit ist für viele eine Grenze erreicht, für machen gar überschritten

F1-Kalender 2023: Belastungsgrenze mit 24 Rennen "weit überschritten"
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Mit dem Rennkalender für die kommende Saison hat die Formel 1 sich einmal mehr selbst übertroffen. Denn mit nunmehr 24 Grands Prix wurde erneut aufgestockt, was nicht ohne Kritik blieb. Neben dem Thema Nachhaltigkeit steht vor allem die erhöhte Belastung für die vielen Mitarbeiter im Fokus.

Die prominentesten von ihnen sind die Fahrer. Doch sie denken vor allem an die Leute hinter den Kulissen. "Es ist mir immer unangenehm, mich als Fahrer darüber zu beschweren", sagt Kevin Magnussen, als er auf den neuen Kalender angesprochen wird.

"Wir sind so verwöhnt mit Business Class und schönen Hotels und kurzen Tagen und so weiter. So viele andere Leute im Team haben diese Bedingungen nicht. Also beschwere ich mich einfach in ihrem Namen." Denn für sie seien 24 Rennen nicht nur nah an der Grenze. "Ich würde sagen, wir sind weit darüber hinaus."

"Ich glaube, einige Teams haben eine Rotation, sodass die Situation etwas entschärft wird, aber hier sind viele das ganze Jahr über dieselben", weiß Magnussen. "Das ist hart. Es bedeutet viel Zeit weg von der Familie. Es sind viele Tage mit Jetlag, Hotelessen, langen Tagen in der Werkstatt und so weiter. Es ist nicht einfach."

Steiner: Mehr Sprintrennen statt Rennen

Magnussens Teamchef bei Haas, Günther Steiner, sagt zwar, dass die Grenze bei 24 liege. Mehr dürften es aber nicht werden, zumindest nicht, was die Rennwochenenden betrifft.

"Es sind 24 plus Sprintrennen, und die Sprintrennen bedeuten für uns nicht mehr Arbeit. Wir haben einfach mehr von einem Rennwochenende für die Zuschauer, weil wir mehr Rennen an einem Wochenende haben. Und ich denke, das ist eine gute Sache."

"Der nächste Schritt wird nicht sein, mehr Rennen zu haben, sondern mehr Sprintrennen", sagt Steiner weiter. "Das ist meiner Meinung nach das, was wir tun sollten. Und genau das passiert ja auch schon mit dem Ziel, einen gewissen Mehrwert zu bieten, ohne den Kalender an sich immer weiter aufzublähen."

Denn sowohl logistisch als auch menschlich wird es "sehr schwierig", mehr als 24 Rennen zu haben. Dessen ist sich Steiner bewusst. "Dann müsste man die Dinge umstellen und rotieren. Aber das funktioniert vielleicht nur, wenn man auf 30 Rennen kommt, weil man mehr Einnahmen hat, um sich das leisten zu können."

"Aber im Moment denke ich, dass der nächste Schritt sein sollte, mehr Sprintrennen hinzuzufügen", bekräftigt der Haas-Teamchef, wenngleich er einräumt. "Es ist schon mehr Arbeit. Aber es ist nicht viel mehr Arbeit. Ich denke also, das lässt sich bewerkstelligen."

Rotierende Crews als die neue Norm?

Angesprochen auf das Thema Rotation gibt Steiner zu: "Im Moment können wir das nicht. Wir könnten ein, zwei Mechaniker austauschen, aber nicht die komplette Crew."

Das sei gerade mit Blick auf geplanten Tripleheader "ziemlich hart", aber gehöre "einfach zum Job dazu", meint Steiner. "Ich weiß, wie viel Anstrengung es erfordert. Und manche fliegen Business Class, andere nicht. Aber die Sperrstunde, in der wir nicht arbeiten dürfen, wird länger. Ein wenig Erleichterung gibt es also."

"Vor fünf Jahren haben die Leute vielleicht noch viel mehr gearbeitet als heute. Natürlich reist man jetzt mehr, aber die Arbeitszeiten sind kürzer, weil man eine längere Sperrstunde hat. Es ist nicht alles negativ. Es wurden Schritte unternommen, damit die Leute tatsächlich etwas Ruhe bekommen", betont er.

Gleichzeitig erkennt auch der Haas-Teamchef, dass die richtige Work-Life-Balance für viele Mitarbeiter eine immer drängenderes Thema wird. "Das ist überall ein bisschen so, dass die Leute nach Corona merken, dass die Balance jetzt mehr in Richtung Leben als Arbeit geht, was ja auch verständlich ist."

Mick Schumacher, Kevin Magnussen

Günther Steiner weiß: Die Zeitspannen der Mitarbeiter werden kürzer

Foto: circuitpics.de

Die Formel 1 bleibt davon nicht unberührt. "Die Leute, die schon lange hier sind, versuchen, entweder einen Job in der Fabrik zu bekommen oder etwas anderes zu machen", berichtet Steiner. "Aber es gibt immer noch genug Leute, die dieses Leben wollen."

"Wenn du 20 bist, ist das eigentlich kein schlechtes Leben. Es ist immer noch ein sehr interessanter Beruf. Man kann es auch über einen kürzeren Zeitraum machen. Es gibt hier nur sehr wenige Menschen, die über 40 Jahre alt sind", hält der 57-Jährige fest.

"Vielleicht gibt es noch ein paar ältere Menschen wie mich. Aber ansonsten sind die Leute, die hierherkommen, normalerweise jung. Und dann machen sie es zehn Jahre lang und ziehen weiter. Aber ich denke, es ist immer noch eine sehr, sehr schöne Sache, in der Formel 1 zu arbeiten", bekräftigt der Teamchef.

Russell: Rotation auch im Kalender sinnvoll

Auch Mercedes-Pilot George Russell meint: "Jeder in diesem Fahrerlager kann sich glücklich schätzen, in einem so fantastischen Sport zu sein." Er hält es wie Magnussen: "Ich werde mich als Rennfahrer nicht beschweren, weil ich mich natürlich unglaublich glücklich schätze, das zu tun, was ich tue."

Doch für die vielen Mitarbeiter hinter den Kulissen hofft er auf einen Kompromiss. "Denn wenn man 24 Wochen von zu Hause weg ist, ist das natürlich hart", weiß Russell.

"Ich denke, wir werden in der Formel 1 einige Rotationen innerhalb der Teams sehen, und das wird möglicherweise die neue Norm werden. Letztendlich geht es um ein Gleichgewicht zwischen Qualität und Quantität." Deshalb wird wohl auch der Kalender rotieren.

"Das Interesse an der Formel 1 ist im Moment so groß ist, dass was wahrscheinlich 30 bis 35 Austragungsorte gibt, die alle um 24 Spots kämpfen. Wenn wir den Kalender Jahr für Jahr ändern, die Veranstaltungen sozusagen alle zwei Jahre stattfinden, dann zieht das meiner Meinung nach noch mehr Interesse auf sich."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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