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F1-Teams rätseln: Hat Racing Point getrickst - und wenn ja wie?

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F1-Teams rätseln: Hat Racing Point getrickst - und wenn ja wie?
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper

Seit Monaten wird der Racing Point RP20 als "rosa Mercedes" verspottet, doch jetzt wird's ernst: "Ihr Tempo ist selbst für uns beängstigend", sagt etwa Helmut Marko

Es war 18:56 Uhr Ortszeit in Spielberg, als das Dokument 48 über den Verteiler der FIA lief. Renault, stand da, habe Protest gegen die beiden Autos von Racing Point eingereicht, und zwar wegen, wörtlich, "Verdacht auf Verstoß gegen Artikel 2.1, 3.2, Anhang 6 Paragraf 1, 2(a) und 2(c) des Sportlichen Reglements der FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft 2020 während des Rennens".

Um 20:17 Uhr war dann klar, dass über den Fall nicht mehr in Spielberg entschieden werden würde. Die zuständigen Rennkommissare Gerd Ennser, Felix Holter, Walter Jobst und Emanuele Pirro veranlassten, dass die Bremsbelüftungen des Racing Point RP20 beschlagnahmt werden, ebenso wie Mercedes gebeten wurde, die Bremsbelüftungen des Vorjahresautos zur Verfügung zu stellen.

Dass die Bombe über den "rosaroten Mercedes", wie der RP20 von Paddock-Insidern gespottet wird, platzen würde, ist nicht überraschend. Bereits bei den Wintertests kamen Verdächtigungen auf, wonach Racing Point sogenannte "gelistete Teile" ("listed Parts") nicht nur clever von Mercedes abgeschaut haben könnte, sondern dass ein heimlicher Technologietransfer stattgefunden hat. Und das wäre illegal.

Beim Grand Prix von Österreich, dem ersten Saisonrennen, war Racing Point zwar schnell, die Punkteausbeute mit acht Zählern aber überschaubar. Nach dem Grand Prix der Steiermark liegt das Team von Lawrence Stroll an vierter Stelle der Konstrukteurs-WM, nur fünf Punkte hinter Red Bull und vor den Werksteams Ferrari und Renault. Jetzt schrillen die Alarmglocken.

 

Red Bull: Kopie phasenweise schneller als das Original!

Christian Horner gibt zu, dass ihm die Performance der rosaroten Renner von Sergio Perez und Lance Stroll Sorgen macht: "Ich finde, alle sollten sich deswegen Sorgen machen! Perez war phasenweise schneller als der Mercedes. Obwohl Bottas Reifen hatte, die fast genauso alt waren wie die von Perez, war Perez drei bis vier Zehntel schneller. Das ist schon beeindruckend."

Perez war von Platz 17 gestartet und hätte am Ende sogar den Red Bull von Alexander Albon überholt, wenn nicht seine Attacke schiefgegangen wäre. "Das Tempo von Perez war unglaublich", staunt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'auto motor und sport'. "Wenn sie das auf anderen Strecken wiederholen, ist es selbst für uns beängstigend."

Und auch Daniel Ricciardo traute seinen Augen nicht, als die rosa Flecken in seinem Rückspiegel rasend schnell immer größer wurden: "Perez war schon echt schnell. Als er hinter mir war, dachte ich eigentlich, dass das jetzt ein gutes Duell werden könnte. Aber er kam ja von so weit hinten. Sie sind echt, echt schnell. Ein bisschen zu schnell für unseren Geschmack."

"Man muss sich ja nur ihre Onboards anschauen. Ich habe mir seine Runde im zweiten Training angeschaut. Das Auto klebt regelrecht auf der Straße. Das soll Perez' Leistung nicht schmälern - er ist ein guter Fahrer. Aber das Ding funktioniert im Moment wirklich gut. Sie sind ein echt starker Gegner", sagt der Renault-Pilot.

Während McLaren-Teamchef Andreas Seidl zwar auch ständig vom "rosaroten Mercedes" spricht, aber von Anfang an klargemacht hat, dass er keinen Protest einreichen wird, weil er sich auf seine eigenen Angelegenheiten konzentrieren möchte, tat Renault den anderen Mittelfeld-Teams einen Gefallen und deponierte am Sonntagabend den lange erwarteten Protest bei der FIA.

Dass man damit bis zum zweiten Rennwochenende gewartet hat, erklären die Franzosen damit, dass ein Skandal beim Saisonauftakt nicht gut gewesen wäre. Andererseits hätte man es auch wie Red Bull (beim Protest gegen das Mercedes-DAS) machen und schon am ersten Freitag Protest einreichen können. Dann hätten die Kommissare zumindest mehr Zeit gehabt.

Formel-1-Auto nachbauen: So könnte es gehen ...

Wo der Verdacht herkommt, ist klar. Racing Point bezieht nicht nur den kompletten Antriebsstrang und Teile der Heckpartie von Mercedes, sondern Teameigentümer Lawrence Stroll ist ein guter Bekannter und sogar Geschäftspartner von Toto Wolff. Beide besitzen Aston-Martin-Aktien im Wert von vielen Millionen.

Die Konkurrenz unterstellt, dass Mercedes illegal geistiges Eigentum ans Partnerteam übermittelt haben könnte. Dafür gibt's Stand heute keinen Beweis. Wege, wie man so etwas anstellen könnte, sind aber vielfältig.

Zum Beispiel verwendet Racing Point den Mercedes-Windkanal in Brackley. Da könnten schon mal ein paar Datenträger "irrtümlich" liegen geblieben sein. Oder man könnte ein Mercedes-Showcar ausstellen und dafür sorgen, dass sich jemand zu "Vermessungszwecken" heimlich Zugang zur Halle verschaffen kann. Das würde niemand merken und keine Datenträger erfordern, die nachher zu Beweismitteln werden könnten.

Sowohl Racing Point als auch Mercedes haben derartige Unterstellungen bisher stets aufs Schärfste dementiert. Renault versucht jetzt, einen illegalen Transfer von geistigem Eigentum konkret nachzuweisen. Dafür müssen exemplarisch die Bremsbelüftungen herhalten.

Dass deren Außenhaut nur auf Basis von Fotos von Mercedes abgekupfert wurde, ist plausibel. Sollte sich bei der FIA-Untersuchung aber herausstellen, dass auch das Innenleben der Komponenten wie ein Ei dem anderen gleicht, dann hat Racing Point ein Problem. Und Mercedes wahrscheinlich auch.

Kopieren ist in der Formel 1 nicht grundsätzlich illegal. Wenn nicht gerade ein Virus den Paddock beherrscht, turnen unzählige Spionagefotografen in den Boxen herum, die nichts anderes tun als die Konkurrenzautos zu fotografieren. Und natürlich versuchen die eigenen Ingenieure dann, die besten Ideen der Konkurrenz nachzubauen.

Ex-Designer: Die Beschuldigten würden sowas nicht tun

In den meisten Fällen ist das gar nicht so einfach. Man kann in der modernen Formel 1 nicht einen Mercedes-Frontflügel an einen Williams schrauben und erwarten, dass das Auto dadurch eine halbe Sekunde schneller wird. Besonders Aero-Teile müssen auch ins Gesamtkonzept eines anderen Autos passen.

 

"Fotos allein reichen nicht aus, um eine vollwertige Kopie zu bauen", erklärt der ehemalige Formel-1-Designer Jacky Eeckelaert. "Auf Fotos fehlen ganz kleine Nuancen im Millimeterbereich, und Fotos zeigen auch keine Steifigkeitswerte des Materials. Wenn man ein Formel-1-Auto wirklich erfolgreich nachbauen möchte, benötigt man dafür schon CAD-Daten."

"Man sieht auf Fotos zum Beispiel nicht, was sich unter der äußeren Form verbirgt. An Luftschächten, wie die Kühler eingebaut sind, und so weiter. Selbst wenn ein Auto den kompletten Antriebsstrang von einem Werksteam bezieht und auch sonst identisch aussieht, können die Unterschiede unter der Außenhaut meiner Meinung nach eine Differenz von bis zu einer Sekunde ausmachen."

Das weiß Racing Point am besten. Den von Red Bull kopierten Anstellwinkel hat das Designteam rund um Andrew Green nie hundertprozentig in den Griff bekommen. Genau das ist offiziell der Grund, warum man lieber bei Motorenpartner Mercedes abgeschaut und deren Grundkonzept nachgebaut hat.

Die große Frage ist: Mit oder ohne Hilfe von Mercedes. Das gilt es jetzt festzustellen.

Eeckelaert geht davon aus, dass die handelnden Personen nichts zu befürchten haben: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann wie Toto Wolff bei so einer Aktion mitmachen würde. Wenn es schiefgeht, ist die Reputation der Marke Mercedes stark beschädigt, und das würde er nicht riskieren."

"Gleichzeitig glaube ich auch, dass Andy Green keiner ist, der zu sowas imstande wäre. Ich habe 1995/96 bei Jordan mit ihm zusammengearbeitet und kenne ihn aus der Zeit. Er würde sowas nicht tun."

Weitere Co-Autoren: Jonathan Noble. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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