Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Formel-1-Technik: Updates am Mercedes F1 W08 in Singapur

Für den Stadtkurs in Singapur hatte Mercedes einige neue Teile dabei, um die Balance des F1 W08 zu verbessern und den Abtrieb zu erhöhen. Matt Somerfield und Giorgio Piola gehen ins Detail.

Mercedes reiste ohne sonderlich große Hoffnungen zum Grand Prix von Singapur. Dem Team war bewusst, dass man vor einem schwierigen Wochenende stehen würde, da dem F1 W08 mit seinem langen Radstand erfahrungsgemäß Strecken, die viel Abtrieb verlangen, nicht so gut liegen. Dies war bei den Rennen in Monaco und Ungarn bereits deutlich geworden.

Hinzu kommt, dass Singapur seit Einführung der Hybridmotoren nicht gerade ein Erfolgspflaster für Mercedes gewesen ist. Auf dem herausfordernden Stadtkurs hatte man in den vergangenen Jahren regelmäßig mit (zu) hohen Temperaturen im Motor- und Bremsbereich zu kämpfen.

Neue Motorhauben-Finne

Im Bemühen, bei niedrigen Geschwindigkeiten eine bessere Balance zu erzielen, wurde am Mercedes F1 W08 für den Grand Prix von Singapur 2017 die Motorhauben-Finne verändert. Die Motorhaube als Ganzes war länger gestaltet und ging direkt in den dahinterliegenden T-Flügel über.

Mercedes F1 W08: Motorhauben-Finne, Vergleich
Mercedes F1 W08: Motorhauben-Finne, Vergleich

Foto: Giorgio Piola

Die Motorhauben-Finne, die im Reglement nun doch für die Saison 2018 erhalten bleibt, sorgt für erhöhte Stabilität in den Kurven, weil sie den Luftstrom in Richtung Heckflügel beruhigt und den Heckflügel somit effizienter funktionieren lässt.

Was Mercedes betrifft, so ist die längere Motorhaube auch ein wenig wuchtiger, denn das Team hat an der Oberseite für zusätzliche Kühlung des Motors gesorgt, indem der bereits in der Frühphase der Saison gesehene Kamin ein Comeback gab. Hinzu kamen am Singapur-Wochenende weitere große Luftauslässe im Bereich der oberen Querlenker der Hinterradaufhängung (blauer Pfeil). Damit wurde noch mehr Hitze aus dem Motorraum abgeführt.

Neue Finne am Diffusor

Um die Balance in langsamen Kurven weiter zu verbessern und auch den Abtrieb in diesen zu erhöhen, hat Mercedes den Diffusor am Heck des Autos mit einer neuen Finne versehen. Diese Finne sitzt an der Außenseite des Diffusors und ist nach außen gebogen.

Mercedes F1 W08: Diffusor, GP Singapur
Mercedes F1 W08: Diffusor, GP Singapur

Illustration: Giorgio Piola

Mit der neuen Finne wird die Luft gezwungen, noch stärker mit der ohnehin schon komplexen Diffusor-Konstruktion zu interagieren. Man kann sich das Ganze gewissermaßen als ein Kollisionskonzert von hohen und niedrigen Luftdrücken vorstellen. Ziel ist es, kleinere Strudel zu kreieren, die nach oben steigen und einen größeren Wirbel erzeugen.

Die Idee, eine Finne am Diffusor anzubringen, ist grundsätzlich nicht neu. Zahlreiche andere Teams haben in diesem Bereich schon experimentiert. Ferrari etwa setzt am SF70H auf eine ganze Reihe von Winglets, nachdem man in der Saison 2015 am SF15-T mit einer Finne begonnen hatte. Auch Williams setzt am FW40 eine Finne ein, die für einen Druckunterschied sorgt.

Williams FW40, Ferrari SF70H, Ferrari SF15-T: Diffusor, Vergleich
Williams FW40, Ferrari SF70H, Ferrari SF15-T: Diffusor, Vergleich

Illustration: Giorgio Piola

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Singapur
Rennstrecke Marina Bay Street Circuit
Artikelsorte Analyse
Tags aerodynamik, design, diffusor, f1, mercedes, mercedes f1 w08, motorhauben-finne, piola, technik
Topic Formel-1-Technik mit Giorgio Piola