Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Formel-1-Technik: Die besonderen Updates für den GP Monaco 2017

Der Grand Prix von Monaco in Monte Carlo ist etwas Besonderes. Auch in der Formel-1-Saison 2017 begeisterte das Stadtrennen die Massen – und beschäftigte die Designbüros der Formel-1-Teams.

Formel-1-Technik: Die besonderen Updates für den GP Monaco 2017

Denn in Monaco stehen die Leitplanken sehr nah an der Ideallinie. Die durchschnittliche Geschwindigkeit ist so gering wie nirgendwo sonst im Formel-1-Kalender. Hinzu kommen viele sehr enge Kurven und die grandiose Kulisse des Fürstentums.

Für Fahrer und Teams wurde Monaco in diesem Jahr aber noch einmal anspruchsvoller als in der jüngeren Vergangenheit. Denn weil die Autos zur Formel-1-Saison 2017 um 20 Zentimeter breiter wurden, galten auf einmal andere Vorzeichen.

Ferrari

Das italienische Traditionsteam hat bereits unter Beweis gestellt, dass der SF70H unter den unterschiedlichsten Bedingungen eine starke Leistung abliefert. Dem Fahrzeug gelingt es besser als vielen Konkurrenzprodukten, die Pirelli-Reifen optimal zu nutzen.

Dennoch hat auch Ferrari für Monaco spezielle Änderungen an seinem Fahrzeug vorgenommen. Dazu zählen zum Beispiel die Bremsen. Auf diese Weise wollte Ferrari seine Autos auf dem engen Stadtkurs noch schneller machen.

Am auffälligsten gelang dies im Qualifying: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen hatten ihre Reifen rasch auf Betriebstemperatur und konnten direkt in eine fliegende Runde starten. Mercedes wiederum war dazu gezwungen, eine 2. Aufwärmrunde zu drehen, ehe eine vernünftige Rundenzeit möglich war.

Ferrari SF-70H, brakes comparison

Wie üblich gibt das Design der Bremstrommel vor, wie viel Hitze die Bremse nach außen abgeben kann. Ferrari hat in Monaco einen zusätzlichen Schlitz eingebaut, um noch mehr Hitze abführen zu können (weißer Pfeil).

Und wo sonst tropfenförmige Öffnungen zu sehen sind, hat Ferrari große Öffnungen installiert. Damit hat die Scuderia die Bremskühlung optimiert. Die Luft wird bei der neuen Konstruktion nämlich besser zur Bremsscheibe geleitet und strömt schließlich über die Felge nach außen.

Ferrari SF70H monkey seat, Monaco GP

Doch das waren noch nicht alle Neuerungen bei Ferrari in Monaco. Das Team nahm zum Beispiel kleine Änderungen am sogenannten Monkey-Seat unterhalb des Heckflügels vor, womit das Abtriebsniveau am Heck verbessert wurde.

In Monaco fällt der Kompromiss zwischen mechanischem Grip und Abtrieb nicht so sehr ins Gewicht, weil die Geschwindigkeiten vergleichsweise gering sind. Der neugestaltete Monkey-Seat hilft dabei, die Interaktion zwischen Diffusor und Heckflügel in Einklang zu bringen. Der Heckflügel wird logischerweise mit größerem Anstellwinkel gefahren, um maximalen Abtrieb zu generieren.

Der Monkey-Seat, angebracht auf der hinteren Crash-Struktur, hat eine neue Form erhalten. Statt 3 Lamellen (bisherige Version im Kreis) wurden in Monaco auch nur 2 Elemente verbaut.

Ebenfalls modifiziert wurde der Monkey-Seat direkt am Auspuff-Endrohr, um eben dieses noch weiter zu umfassen. Damit will Ferrari den Abgasstrom noch gezielter lenken.

In Monte Carlo setzte Ferrari weiter auf den T-Flügel, der bereits beim GP Spanien in Barcelona verwendet worden war – mit 2 übereinander angeordneten Flügelelementen. Beide Flügelplatten sind mit langen Einschnitten versehen, verbunden sind sie über ovale Endplatten.

Force India VJM10 T-wing, Monaco GP

Force India

Vor dem GP Monaco hatten bereits 7 Teams die sogenannten T-Flügel eingesetzt. In Monte Carlo kamen schließlich auch Force India, Renault und Red Bull Racing auf den Geschmack.

Das Designteam um Andrew Green hat bis zum 6. Rennen der Formel-1-Saison 2017 gewartet, um seine Version des umstrittenen Zusatzflügels zu präsentieren. Und Force India hat eine sehr radikale Variante vorgestellt.

Die Grundform orientiert sich an dem Modell, das zuerst von McLaren eingesetzt wurde: 2 Flügelplatten, die mit ovalen Endplatten miteinander verbunden sind. Doch Force India hat dieses Design weiterentwickelt und in der Mitte ein 3. Flügelelement eingesetzt – heraus kam ein "Triple-Decker".

Zusätzlich hat Force India seinem VJM10 einen kleinen Monkey-Seat (Pfeil) verpasst, der jedoch wesentlich weniger komplex ausfällt als bei anderen Teams.

Williams FW40 diffuser, Monaco GP

Williams

Williams tut sich schwer. Das britische Traditionsteam ist auf der Suche nach mehr Abtrieb, um die Pirelli-Reifen besser zum Arbeiten zu bekommen.

In Monaco wurde der Heckbereich des FW40 überarbeitet. Das Team hat die äußere Oberfläche des Diffusors neu gestaltet. Schon seit Jahren setzte Williams auf ein vertikales Winglet, doch für Monaco wuchs dieses Teil deutlich an (Pfeil).

Dieses Winglet erfüllt 2 Funktionen: Einerseits wird damit der Luftstrom aus dem Diffusor herausgelenkt, andererseits schützt das Winglet den Diffusor auch vor den Verwirbelungen des Hinterrads.

McLaren MCL32 front wing, Monaco GP

McLaren

Schon in Spanien hatte McLaren für Fernando Alonso einen neuen Frontflügel am Start. In Monaco durften sowohl Jenson Button als auch Stoffel Vandoorne das neue Material fahren.

Die Neuerungen drehen sich darum, wie der Luftstrom um die Vorderräder herumgeleitet wird. Dafür hat McLaren den Bereich am Rand des Flügels vor den Endplatten umgestaltet und gleich mehrere Flügelprofile verändert.

Zudem hat McLaren seine Windabweiser und den Diffusor modifiziert. Die Windabweiser wurden mit neuen Einschnitten versehen. Der Diffusor wiederum hat im Außenbereich eine neue Grundplatte erhalten.

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