Fahrer kritisieren kontroverses Finale: "War für die TV-Kameras"

Was denken die fünf überrundeten Protagonisten über das Finale des Rennens in Abu Dhabi? Lando Norris zweifelt an der Fairness, Carlos Sainz verlor fast das Podium

Fahrer kritisieren kontroverses Finale: "War für die TV-Kameras"

Zurückrunden, nicht zurückrunden, wann und wie? Das kontroverse Finale der Formel-1-WM 2021 in Abu Dhabi sorgte für Emotionen, Verwirrungen und Proteste. Die Stewards entschieden schließlich, den Einspruch von Mercedes gegen die Wertung des Rennens abzulehnen.

Doch die Art und Weise, wie Rennleiter Michael Masi diese finalen Runden abwickelte, kam auch bei den im WM-Kampf unbeteiligten Fahrern nicht nur gut an. Lando Norris etwa zeigte sich überrascht, dass nur ein Teil der überrundeten Fahrzeuge das Safety-Car überholen durfte, aber nicht alle.

Konkret ging es um jene fünf Autos, die auf der Strecke zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen lagen. Norris war einer von ihnen, dennoch übte er Kritik und glaubt, dass es nur um die Show ging. "Es ging um diesen Kampf, es ging natürlich um die TV-Kameras und das Ergebnis. Es ist nicht meine Aufgabe, zu entscheiden, ob das fair war oder nicht", sagt Norris.

Norris: Vergangenheit war "50:50" mit Zurückrundungen

Nach Meinung des Briten hätte man das Rennen auch so freigeben können, ohne dass es die Zurückrundungen gibt. Das wäre mit Blick auf die Vergangenheit vertretbar gewesen. "Manchmal lassen sie dich, manchmal nicht. Es ist 50:50. Aber es gab die Nachricht, dass sie uns nicht lassen. Aber dann haben sie es für eine Runde plötzlich getan, für diesen Shootout über eine Runde. Das hat mich überrascht", sagt er.

Eigentlich sagen die Regeln, dass das Safety-Car erst eine weitere Runde später hineingeholt werden darf, nachdem die Anweisung an die Überrundeten kam, das Safety-Car zu passieren. Hier jedoch geschah das Ganze bereits eine halbe Runde später. Auch Fernando Alonso, der ebenfalls zu den fünf "Glücklichen" gehörte, war etwas irritiert.

"Als das Safety-Car draußen war, dachte ich eigentlich, dass sie uns recht schnell vorbeifahren lassen, denn normalerweise passiert genau das", widerspricht Alonso auch ein wenig der 50:50-Darstellung von Norris. Eigentlich würden schnell die grünen Lampen des Safety-Cars leuchten, um anzuzeigen, dass die Fahrer überholen dürfen.

Leclerc war "irgendwo im Nirgendwo"

"Aber wir hatten kein grünes Signal und nach zwei Runden meinte mein Renningenieur dann, dass wir uns nicht zurückrunden dürfen und die Positionen so bleiben, wie sie sind", schildert Alonso. Das habe sich aber schnell geändert. "Dann kam das grüne Licht doch und ich sagte: 'Aber wir haben doch das grüne Licht?' Und sie meinte, ja, ich kann Norris folgen. Also bin ich Norris gefolgt. Es war etwas verwirrend", so der Spanier.

Als "ein bisschen seltsam" bezeichnete Ferrari-Pilot Charles Leclerc die ganze Situation. Denn dadurch, dass das Rennen direkt danach freigegeben wurde, hätten er und seine vier Mitstreiter sich "irgendwo im Nirgendwo" befunden.

"Ich habe mit Esteban [Ocon] vor mir gekämpft. Aber zuerst wurde mir gesagt, ich darf mich nicht zurückrunden, und dann im letzten Moment hatten wir doch die Chance. Es war schon ziemlich komisch", meint der Monegasse.

Vettel irritiert: Warum so spät?

Neben Leclerc und Ocon war Sebastian Vettel schließlich der fünfte und letzte Fahrer, der die Möglichkeit und Aufforderung bekam, sich zurückzurunden. Der Aston-Martin-Pilot meint, dass die entsprechende Nachricht "sehr spät" gekommen sei, "ich denke zu spät. Sie hätten uns sofort loslassen sollen, wie sonst auch", sagt der Heppenheimer.

Dabei hat er Verständnis dafür, dass der Weg für den Kampf an der Spitze freigemacht werden sollte. Aber warum der Call nicht schon früher gekommen war, konnte ich Vettel nicht erklären. "Ich weiß nicht, was es war. Aber für uns war es schade, weil wir kein Rennen mehr bekommen haben, weil alles auseinandergezogen war", erklärt er. Das Quintett kam schließlich eine Minute nach Verstappen ins Ziel.

Der erste Fahrer, der sich nicht zurückrunden durfte, war Daniel Ricciardo. Er fuhr während der Safety-Car-Phase direkt hinter Verstappen. Der Australier war ebenfalls verwirrt über die Szenerie. Zunächst dachte er, es sei ein Geschenk an Hamilton, die Fahrer nicht überholen zu lassen, weil er so stark benachteiligt wurde durch das Safety-Car.

"Dann sah ich, dass einige Fahrer überholten. Und ich fragte: 'Was soll ich machen? Soll ich auch überholen?'", schildert der McLaren-Pilot. Sein Renningenieur Tom Stallard teilte ihm schließlich mit, dass er nicht überholen durfte. Damit waren auch die Hoffnungen, die er in einen Reifenwechsel auf Softs gesteckt hatte, vergebens. Denn seine direkten Konkurrenten machten sich vor seinen Augen aus dem Staub.

Sainz verliert fast das Podium

Nicht überrundet, aber ebenfalls betroffen war Carlos Sainz. Der Spanier fuhr hinter Ricciardo und Lance Stroll und hatte Valtteri Bottas sowie beide AlphaTauris im Genick. Mit den dreien kämpfte er um das Podium, wobei Yuki Tsunoda und Pierre Gasly auf frische Reifen gewechselt hatten. Doch Ricciardo und Stroll vor ihm behinderten ihn in dieser letzten Runde.

"Es war eine sehr seltsame Situation für mich", erklärt Sainz. Solch eine Konstellation habe er "zuvor noch nie gehabt, den Restart mit den beiden vor mir zu haben und gleichzeitig um Platz drei zu kämpfen. Es war schon seltsam. Das sollte man sich noch einmal ansehen, denn es sah nicht nur seltsam aus, sondern hätte mich auch beinahe das Podium gekostet", erklärt er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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