Fahrer von Sprintformat nicht begeistert: "Wenig gewinnen, aber viel verlieren"

Der Testlauf mit den Sprints in der Formel-1-Saison 2021 ist beendet, nun laufen die Diskussionen mit Blick auf die kommende Saison - Sergio Perez ist kein Fan davon

Fahrer von Sprintformat nicht begeistert: "Wenig gewinnen, aber viel verlieren"

Der Probelauf mit dem neuen Sprintformat ist am vergangenen Wochenende in Brasilien zu Ende gegangen. An drei Wochenenden in diesem Jahr - in Silverstone, Monza und eben in Interlagos - testete die Königsklasse ein Mini-Rennen am Samstag, dessen Ergebnis die Startaufstellung für das Hauptrennen am Sonntag bildete.

Dass das Format auch im kommenden Jahr fortgeführt werden wird, ist so gut wie sicher. Die Anzahl soll sogar erhöht werden, Anpassungen sind aber im Gespräch. Doch wie denken die Fahrer generell über das Format?

Sergio Perez hat eine klare Meinung zu den Sprints. "Ich denke nicht, dass sie viel Spaß machen. Sie wurden ja vor allem für die Fans eingeführt. Wenn es ihnen gefällt, ist es okay. Aber mir gefällt es nicht besonders", sagt der Mexikaner. Dem Red-Bull-Piloten fehlt die Action in den Läufen über ein Drittel der Distanz des Hauptrennens.

Perez: Im Sprint verändert sich nichts

"Es gibt nicht viele Überholmanöver, es verändert sich einfach nicht viel. Das Wichtigste ist das Rennen. Man kann nicht zu viel riskieren, weil man stark betroffen sein kann. Wenn man versucht, jemanden zu überholen, ist es nicht wie im richtigen Rennen. Man kann nur wenig gewinnen, aber viel verlieren", erklärt Perez.

Der Teamkollege von Max Verstappen weiß, wovon er redet. In Silverstone schied er nach einem Unfall im Sprint selbstverschuldet aus und musste das Rennen am Sonntag entsprechend von ganz hinten starten. Auch deshalb wird unter anderem überlegt, die Startaufstellung für das Hauptrennen auch bei Sprintwochenenden künftig durch das Qualifying zu bestimmen.

Den wohl aufregendsten Sprint erlebten die Fans in Brasilien, als Lewis Hamilton infolge seiner Disqualifikation nach dem Qualifying vom letzten Platz startete und bis auf Rang fünf nach vorne fuhr. Auch deshalb war der Sprint in Sao Paulo für Formel-1-Sportchef Ross Brawn "der beste von den dreien. Es gab viel Action und viele Duelle", schreibt Brawn in seiner Kolumne und verweist explizit auf Hamilton.

Reversed Grids als Lösung?

Damit gibt Brawn jedoch indirekt zu, dass es solcher besonderen Umstände bedarf, damit der Sprint eine gewisse Art von Spannung bekommt. Denn vor Hamilton tat sich recht wenig. An der Spitze hielt sich Max Verstappen hinter Valtteri Bottas, wagte aber keinen Angriff. Und dahinter ließ es Perez bei Platz vier hinter Ferrari-Pilot Carlos Sainz.

"Ich hätte mehr Risiko gehen können, aber es war für dieses Rennen einfach nicht nötig", gibt Perez zu. Die Ereignisse aus Silverstone hätten dabei aber keine Rolle gespielt. "Damals war es eine andere Geschichte, dort hatte ich einen Fehler gemacht. Aber hier hatte ich einfach nicht das Gefühl, dass es das Risiko wert ist", so Perez mit Blick auf Brasilien.

Sprints mit umgedrehten Startaufstellungen wurden daher auch immer wieder diskutiert, stießen jedoch stets auf ein geteiltes Echo. Die eine Seite verweist auf die Spannung, die andere merkt an, dass diese Spannung viel zu künstlich für die Formel 1 ist.

Schumacher: Normales Format gefällt mir besser

Das Sprintwochenende zeichnete sich auch dadurch aus, dass es vor dem Qualifying am Freitag nur ein einziges Freies Training mit einer Dauer von 60 Minuten gab. Hier verwiest Brawn auf die Spannung, da die Teams weniger Zeit haben, sich in ihren gewohnten Abläufen mit der Strecke vertraut zu machen.

"Durch nur eine Stunde Training entsteht ein Risiko für den Rest des Wochenendes, da sich die Teams nicht so vorbereiten können wie sonst", sagt er und sieht eine "starke Basis" für die Zukunft des Sprints im Jahr 2022. In den kommenden Wochen soll es weitere Gespräche mit den Teams und dem Weltverband FIA geben. Brasilien habe gezeigt, dass der Sprint "ein toller Zusatz" für ein Wochenende sei.

Einer, der das Format mit nur einem Training, einem Qualifying und zwei Rennen an einem Wochenende vor dieser Saison bestens kannte, war Mick Schumacher. Der Haas-Rookie kam frisch aus der Formel 2. Doch selbst er kann dem traditionellen Format mit drei Freien Trainings, einem Qualifying und einem Rennen mehr abgewinnen, gerade als Neuling.

"In unserem Fall ist es natürlich so, dass es uns mehr Zeit gibt, alles zu analysieren und uns auf das Qualifying vorzubereiten", sagt Schumacher. Aus seiner Sicht würde es den kleinen Teams eher helfen, drei Trainings zu haben und widerspricht damit ein wenig dem Argument von Brawn. "Ich denke, die Formel 1 wollte es einfach mal probieren, aber ich mag das normale Format", so Schumacher mit Blick auf den Sprint.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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