Fernando Alonso mit düsterer Prognose für Melbourne
Aston Martin kämpft bei den Bahrain-Tests mit massiven Rückständen - eine Trendwende erwartet das Team trotz Adrian Newey nicht sofort
Fernando Alonso rechnet mit einem schwierigen Saisonauftakt in Australien
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Mit großen Hoffnungen war Aston Martin in das neue Reglement gestartet - doch bei den laufenden Testfahrten in Bahrain herrscht Ernüchterung. Team-Botschafter Pedro de la Rosa spricht offen von einem Rückstand.
"Wir sind auf einer steilen Lernkurve", erklärt der Spanier. "Bis gestern waren wir das Team mit den wenigsten Runden aus Barcelona, Shakedown und Bahrain. Wir sind klar hinter dem Zeitplan."
Statt Set-up-Arbeit zu betreiben oder Performance gezielt zu optimieren, gehe es aktuell nur darum, Kilometer zu sammeln: Aeromapping, Energie-Management, Abstimmungsgrundlagen. "Wir verändern das Set-up kaum. Wir versuchen einfach, so viele Runden wie möglich zu fahren", sagt de la Rosa. Von einer echten Performance-Analyse sei man noch entfernt.
De la Rosa: "Keine Fünf-Minuten-Lösung"
Der Rückstand ist deutlich - Lance Stroll sieht sein Team viereinhalb bis fünf Sekunden zurück. De la Rosa widerspricht der Größenordnung nicht grundsätzlich, relativiert aber: "Wenn man diese Menge an Zeit verliert, ist es das Gesamtpaket. Es ist nicht nur ein Bereich."
Man habe Schwächen identifiziert und arbeite bereits in Silverstone an Lösungen. Doch eine schnelle Kehrtwende werde es nicht geben. "Es wird keine Lösung über Nacht geben. Das ist kein Fünf-Minuten-Job. Es braucht viel Arbeit, viel Lernen und Optimieren."
Trotzdem betont er: "Wir sind nicht glücklich - niemand ist glücklich, wenn man zwei Sekunden langsamer ist als erwartet. Aber wir sind auch nicht besorgt. Wir haben das Team, die Ressourcen und die Struktur."
Hat man in der Vergangenheit also die falschen Entscheidungen getroffen? Was wäre, wenn Adrian Newey früher angefangen hätte? Und wenn Hondas Rückkehr weniger eine Hauruckaktion, sondern klar geplant gewesen wäre? "Das sind alles 'Wenn‘s‘ und 'Aber‘s", sagt de la Rosa. "Am Ende zählt: Wir sind zu langsam. Also brauchen wir einen Plan."
Alonso: Volles Vertrauen nur in die Chassis-Abteilung
Auch Fernando Alonso bleibt realistisch. Der Spanier wird dieses Jahr 45 Jahre alt, das neue Reglement galt als womöglich letzte große Titelchance - doch aktuell spricht wenig für eine unmittelbare Wende.
"Auf der Chassis-Seite habe ich volles Vertrauen", sagt Alonso. "Nach über 30 Jahren Dominanz wird Adrian nicht plötzlich alles vergessen haben." Beim Power-Unit-Verständnis sei man dagegen noch nicht auf dem nötigen Level.
Den kolportierten Rückstand von viereinhalb Sekunden ordnet Alonso ein: "In Barcelona waren wir viereinhalb Sekunden hinten, hier an den ersten beiden Tagen auch. Das wirkt wie ein Trend."
Alonso: Können möglicherweise Sekunden finden
Gleichzeitig verweist er auf die extreme Instabilität der aktuellen Abstimmung: "Ich hatte eine Runde, in der ich mich in Kurve vier verbremst habe. Von dort bis ins Ziel war ich acht Zehntel schneller. Das zeigt, wie viele Fehler und Schwankungen in unseren Runden stecken."
Vielleicht gehe es am Ende nicht um zwei Zehntel, sondern um ganze Sekunden, die man durch Optimierung freilegen könne. Dennoch stellt Alonso klar: "Wir werden nicht die Schnellsten in Melbourne sein. Wir starten auf der langsamen Seite und aus der Defensive."
Wie lange die Aufholjagd dauern wird? Das weiß bei Aston Martin derzeit niemand. Klar ist nur: Eine Wunderheilung über Nacht erwartet selbst im ambitionierten Silverstone niemand. Zuletzt wurde von einem Entwicklungsrückstand von vier Monaten gesprochen.
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