Fernando Alonso: "Warum sollten wir nicht von was Großem träumen?"

Fernando Alonso kann seine Stärken in Singapur besser ausspielen als auf anderen Strecken, auch wenn das Qualifying sein altes Herz arg strapaziert hat

Fernando Alonso: "Warum sollten wir nicht von was Großem träumen?"
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Fernando Alonso hat sich im Qualifying am Samstag den fünften Startplatz für den Grand Prix von Singapur gesichert - und hofft im "Night-Race" am Sonntag insgeheim auf eine Überraschung: "Wir sind zwei Positionen vom Podium weg. Warum sollten wir nicht von was Großem träumen?", sagt er mit einem funkelnden Grinsen im Gesicht.

Alpine war in den Freien Trainings stets konkurrenzfähig. Das liegt auch, hofft das Team, am letzten größeren Update der Formel-1-Saison 2022. Der Unterboden am A522 ist komplett neu. "Auf Basis der Daten, die wir am Freitag gesammelt haben, ist es ein Schritt nach vorn", glaubt Alonso. "Und ich bin zufrieden mit diesem Schritt."

Aber: "Wir müssen Suzuka abwarten, um die Auswirkungen des Pakets ein bisschen besser zu spüren. Hier in Singapur verändert sich die Strecke fast mit jedem Run, sodass man aus den Daten nicht viel auslesen kann. Und vom Fahrgefühl her ist Singapur etwas ganz anderes als Monza. Daher ist es schwierig, das Auto hier richtig einzuschätzen."

"Ich denke schon, dass wir durch das Upgrade hier konkurrenzfähiger sind. Aber wenn wir das Auto updaten, bringt das vielleicht eine Zehntelsekunde. Wir sind sieben Zehntel vor Norris hinter uns und fünf Zehntel weg von Sainz. Ich hätte wahrscheinlich auch mit dem Bahrain-Auto fahren können und wäre trotzdem auf der gleichen Position geblieben."

Chance gegen Verstappen, der von P8 kommt?

Alonso hat mit Charles Leclerc, Sergio Perez, Lewis Hamilton und Carlos Sainz vier Gegner vor sich, die der Papierform nach außer Reichweite liegen. Von hinten wird mutmaßlich bald Max Verstappen (8.) ankommen. Und der direkte Gegner im Kampf um P4 in der Konstrukteurs-WM gegen McLaren, Lando Norris, steht neben ihm in Reihe 3.

"Wenn es trocken ist, wird es schwierig zu überholen. Dann wäre es nett, die Top 5 zu halten und mehr Punkte zu sammeln als McLaren. Das ist wieder das Hauptziel", erklärt der 41-jährige Spanier. "Wenn es nass ist, kann viel passieren. Dann könnte es ein gutes Rennen für uns werden - oder auch ein sehr schlechtes, wenn du crashst."

Das Qualifying, sagt er, sei "stressig" gewesen, "fast an der Grenze, dass es keinen Spaß mehr macht. Risiko und Stress waren wirklich hoch. Als wir in Q3 alle Slicks draufgemacht haben, war das mutig, weil wir nur geraten haben. Es war letztendlich die richtige Entscheidung, weil die Strecke von Runde zu Runde trockener wurde. Aber ich habe nur gehofft, das Auto auf der Strecke zu halten."

Solche Qualifyings braucht der Routinier im Spätherbst seiner Karriere nur bedingt, um Freude am Fahren zu verspüren: "Ich kämpfe nicht um die WM. Es ist nicht gut für mein Herz, wenn ich solche Risiken eingehe, ohne dafür mehr Lohn zu erhalten! Aber ich kämpfe immer gleich, egal ob es um Platz 1 geht oder um Platz 20. Heute war sicher das wildeste Qualifying des Jahres."

Warum Alonso Singapur so mag

Alonso und Singapur, das ist eine alte Liebesgeschichte. Elfmal ist er im Stadtstaat in Südostasien schon an den Start gegangen, zweimal (2008 und 2010) hat er gewonnen. Sein "Crashgate"-Sieg 2008 sorgt heute noch für Diskussionen bei Formel-1-Fans. Drei weitere Male stand er auf dem Podium. Und 2010 im Ferrari auch auf Poleposition.

"Es gibt hier viele Kurven", erklärt er, der selbst den maroden McLaren in Singapur zweimal zu Platz 7 geprügelt hat. "Wir kommen gerade aus Monza. Da hat es sechs Kurven. Hier 23. Da musst du ein ganz anderes Gefühl fürs Auto haben und im ersten Teil der Runde smart sein, damit dir nicht am Ende der Runde schon die Reifen abbauen."

"Auf Stadtkursen brauchst du Vertrauen ins Auto. Das musst du im Training aufbauen. Es stimmt, dass mir Singapur schon mein ganzes Leben lang zu liegen scheint. Australien übrigens auch. Ich kann das nicht erklären, denn Melbourne ist eine ganz andere Strecke. In Spa bin ich nie so schnell. Es gibt einige Tendenzen, die sind auch nach 22 Jahren Formel 1 immer noch gleich", sagt Alonso.

Übrigens: Teamkollege Esteban Ocon wird im Kampf gegen McLaren keine große Hilfe sein. Er startet von Platz 18 ins "Night-Race". "Ich konnte das Auto beim Bremsen nicht gerade halten. Es hat brutal nach rechts gezogen, und das die ganze Runde", seufzt der Franzose. "Trotzdem sollte es möglich sein, noch in die Top 10 zu fahren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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