Ferrari: Darum bauten die Reifen in der zweiten Saisonhälfte mehr ab

Ferrari hält Theorien, wonach sich sein Reifenabbau im Laufe der Formel-1-Saison verschlechtert hat, für einen Irrglauben, und erklärt das eigentliche Problem

Ferrari: Darum bauten die Reifen in der zweiten Saisonhälfte mehr ab
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Ferrari begann diese Formel-1-Saison als das Team, das es zu schlagen galt, denn Charles Leclerc gewann zwei der ersten drei Grands Prix der Saison. Die Anfangsphase war nicht nur dadurch gekennzeichnet, dass Ferrari das schnellste Auto hatte, sondern auch, dass es die Reifen besser schonte als Red Bull.

Als der RB18 dann an Gewicht verlor, verbesserte sich die Lebensdauer der Reifen bei Red Bull. In der zweiten Saisonhälfte war es schließlich Ferrari, die damit zu kämpfen hatten, ihre Pneus so gut zu schonen. Gegen den Eindruck, man habe das Reifenmanagement nicht mehr im Griff gehabt, wehrt sich das Team aber.

"Ich glaube, das ist ein Missverständnis, um ehrlich zu sein", sagt Jock Clear, Ferraris leitender Performance-Ingenieur. "Wir haben mit der ultimativen Pace zu kämpfen."

Nicht Abbau, sondern Pace war das Problem

"Wir haben zwei Fahrer, die sich zu Beginn des Jahres an zwölf, 13 Rennen gewöhnt haben, in denen sie mit Red Bull Kopf an Kopf kämpfen konnten. Red Bull hat sich aber einen kleinen Vorsprung von zwei Zehntelsekunden erarbeitet", erklärt er.

"Wir mussten also ein bisschen aufholen. Und dann versucht man natürlich, gegen ein Auto anzutreten, das schneller ist als man selbst, und das macht sich dann leider im Reifenverschleiß bemerkbar. Wir glauben also nicht, dass das per se ein großes Problem für uns ist", hält der Ferrari-Ingenieur fest.

Das Team vermutet also, dass die geringere Lebensdauer der Reifen darauf zurückzuführen ist, dass es nicht mehr das schnellste Auto hatte. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Fahrer härter pushen müssen, um mit Red Bull mithalten zu können, und das führt dazu, dass der Gummi stärker beansprucht wird.

Clear: "Man strapaziert die Reifen dann mehr"

Clear meint, dass es bei den Rennen, bei denen die Leistung von Ferrari und Red Bull ziemlich gleich war, in Sachen Reifenabnutzung kaum einen Unterschied gegeben habe. Er sagt sogar: "Im Laufe des Jahres, als die Autos ausgeglichen waren, war unsere Reifenabnutzung etwas besser als die von Red Bull."

"Aber am Ende der Saison litten wir darunter, dass Charles versuchen musste, mit Red Bull mitzuhalten. Leider haben sie ein etwas schnelleres Auto. Und man strapaziert seine Reifen ein bisschen zu sehr, wenn man versucht, dranzubleiben."

"Natürlich ist es für Charles sehr schwierig zu sagen: 'Okay, ich kann nicht mithalten, ich werde ihn einfach ziehen lassen'. Er ist ein Racer. Das wird nicht passieren. Also verbrauchst du einfach ein bisschen zu viel Saft, und dafür zahlst du in den langen Stints."

Leclerc sieht "drei Schlüsselaspekte" für 2023

Nachdem er den Titel an Verstappen verloren hatte, betonte Leclerc, dass es für 2023 gleichermaßen wichtig sei, an Reifenmanagement, Zuverlässigkeit und Strategie zu arbeiten.

"Die Zuverlässigkeit war zu einem bestimmten Zeitpunkt der Saison ein Problem, für das wir später mit Strafen und anderen Dingen den Preis bezahlt haben", sagte der Ferrari-Pilot beim Saisonfinale in Abu Dhabi. "Und ich denke, dass wir bei der Strategie an einem Punkt der Saison zu viele Fehler gemacht haben."

"Beim Reifenmanagement waren wir nicht konstant genug bei unseren 100 Prozent. Abu Dhabi war ein gutes Rennen, aber manchmal haben wir auch sehr schlechte Rennen, und wir scheinen noch nicht zu verstehen, wie wir die ganze Zeit über ein gutes Reifenmanagement haben können. Das sind die drei Schlüsselaspekte."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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