Pat Symonds: Wollte Ferrari zu viel im Formel-1-Titelkampf?

Zu viele technische Probleme an den Autos von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen: Pat Symonds hat eine Theorie, was bei Ferrari zuletzt abgelaufen sein könnte.

Die Asien-Tournee der Formel 1 2017 entwickelte sich für Ferrari zum Fiasko. Das italienische Traditionsteam um Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen stolperte in Singapur, Malaysia und Japan von einer Panne in die nächste und hat nur noch theoretische Chancen auf den Gewinn der Formel-1-WM. Über die Ursachen der Defektserie wird indes weiter diskutiert, zumal sich die technischen Fehler bei Ferrari zuletzt gehäuft haben. Liegt beim Rennstall aus Maranello vielleicht ein grundsätzliches Problem vor?

Formel-1-Experte Pat Symonds, der vor Jahren bereits Benetton und Renault zum WM-Titelgewinn führte, hat da seine eigene Theorie. Er meint: Ferrari wollte womöglich zu viel und ging ein zu hohes Risiko ein. "Es wäre nicht das erste Mal", sagt Symonds und verweist auf die Konkurrenz: "Als Mercedes Probleme mit dem Getriebe bekam, räumte das Team ein, es hatte versucht, den Schaltprozess zu verbessern." Bei Ferrari könnte nun eine ganz ähnliche Situation eingetreten sein.

In der Hoffnung, Mercedes im Endspurt der Formel-1-Saison 2017 erfolgreich Paroli bieten zu können, habe Ferrari das technische Limit vielleicht zu weit ausgereizt. Laut Symonds ist diese Erklärung zumindest "denkbar", schließlich habe Ferrari in Asien tatsächlich an Tempo zugelegt. "Das muss nicht miteinander zusammenhängen, aber wenn du etwas zu viel Leistung abrufst und die schärfere Motoreneinstellung etwas länger fährst, dann könnte das Folgen für die Zuverlässigkeit haben", erklärt der Brite.

Symonds: Bloß keinen Sündenbock suchen!

Symonds nimmt Ferrari allerdings auch in Schutz, wenn er sagt: "Am Limit ist es unheimlich schwierig, die Haltbarkeit zu garantieren. Doch gerade die Zuverlässigkeit ist das Wichtigste." Hierbei, so sein Eindruck, habe Ferrari womöglich geschlampt. Schon in Malaysia, als am Samstag das Auto von Vettel streikte und am Sonntag das Auto von Räikkönen, hätten bei Ferrari die Alarmglocken schrillen müssen.

"In einem solchen Fall musst du dir doch auch das andere Auto ansehen, weil das Problem auch dort auftreten könnte. Das aber schien nicht passiert zu sein", meint Symonds. "Und ich mag falsch liegen, aber ich glaube, bei Kimi trat das gleiche Problem auf. Ich kann mir gut vorstellen, dass es so war. Und wenn dem so ist, ist das nicht akzeptabel. Aber Ferrari darf jetzt keinen Sündenbock suchen. Du gewinnst zusammen, du verlierst zusammen. Und besser wirst du nur, indem du keine Schuldkultur aufbaust", so der Formel-1-Experte weiter.

Vielmehr müsse sich Ferrari jetzt ein Beispiel an der Flugindustrie nehmen. "Wenn du dort ein Problem meldest, brauchst du keine Angst haben, dafür abgestraft zu werden. Mit der Zuverlässigkeit eines Rennwagens sollte es sich genau gleich verhalten. Du musst sagen dürfen: 'Ich glaube, da gibt es ein Problem. Wir sollten uns das anschauen.' Selbst wenn du den Eindruck hast, es ist deine Schuld, musst du darauf reagieren können. Da musst du einfach gründlich sein."

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