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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Ferrari F2004 vs. Mercedes W11: Vergleich der besten F1-Autos ihrer Zeit

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Ferrari F2004 vs. Mercedes W11: Vergleich der besten F1-Autos ihrer Zeit
Autor:
Co-Autor: Giorgio Piola, Featured writer

Der Ferrari F2004 und der Mercedes W11 Hybrid sind die erfolgreichsten Formel-1-Boliden ihrer Zeit - Die Konzepte sind wegen des Reglements sehr unterschiedlich

Erstmals seit 2013 wird die Formel 1 im Jahr 2020 an den Nürburgring zurückkehren. Und es werden Rekorde erwartet. Dafür ist es auch an der Zeit, schließlich stammt der Streckenrekord noch aus dem Jahr 2004 - der schnellsten Saison der Formel 1, bis die Boliden 2017 deutlich schneller gemacht wurden.

Takuma Sato stellte im BAR 006 in jenem Jahr den heute noch gültigen Streckenrekord von 1:27.691 Minuten auf. Dieser wurde im damaligen Pre-Qualifying erzielt - einem Einzelzeitfahren, das die Startreihenfolge für das eigentliche Qualifying festlegte, das dann aber mit der Spritmenge für den ersten Stint des Rennens absolviert werden musste.

Die derzeitigen Berechnungen der Teams reichen von Zeiten sehr nahe an Satos Rekord bis hin zu zwei Sekunden schnelleren Rundenzeiten. Zudem kann Lewis Hamilton mit einem Sieg am Nürburgring den Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen von Michael Schumacher einstellen.

Grund genug, einen faszinierenden Blick auf die besten Pakete der Jahrgänge 2004 und 2020 zu werfen. Obwohl sie ähnliche Rundenzeiten erreichen, haben sich die Fahrzeuge komplett verändert. Wie sieht die dominante Kombination der Formel-1-Saison 2020, also Lewis Hamilton und Mercedes, zu ihrem Pendant der Saison 2004 aus, Michael Schumacher und Ferrari?

Ferrari F2004, Kühler

Der V10-Saugmotor leistete rund 900 PS bei 19.000 Umdrehungen pro Minute

Foto: Giorgio Piola

Kompromissloser Draufgänger vs. großgewachsener Alleskönner

Zunächst zu den Zahlen: Der Ferrari F2004 holte 15 Siege, zwölf Pole-Positions und 14 schnellste Runden aus 20 Rennen, die zwei weniger erfolgreichen Einsätze Anfang 2005 unter anderem Reglement mit eingerechnet. Der W11 bringt es auf acht Rennsiege, zehn Pole-Positions und sechs schnellste Runden aus bislang neun von 17 Rennen.

Die Unterschiede sind gewaltig: Der F2004 ist im Grunde genommen ein Qualifying-Auto, das in kurzen Stints zwischen mehreren Tankstopps stets am absoluten Limit bewegt wurde. Er ist daher sehr kompakt konstruiert. Die heutigen Fahrzeuge wirken dagegen fast wie Limousinen.

Der Ferrari F2004 hat einen rund 700 Millimeter kürzeren Radstand und ist insgesamt sogar mehr als 1,2 Meter kürzer als der W11. Die Fahrzeuge sind mittlerweile wieder zwei Meter breit, während der F2004 in die Zeit der Begrenzung auf 1.800 Millimeter fiel, die zwischen 1998 und 2016 galt.

Einige dieser Dimensionen sind durch das Reglement vorgegeben. Die Konstrukteure mussten beispielsweise robustere Crash-Strukturen verbauen, die 2017 in Kombination mit der größeren Breite eingeführt worden sind.

Die Entscheidung, die Autos immer länger zu machen, haben die Designer hingegen selbst getroffen. Sie bevorzugen längere Autos wegen ihrer aerodynamischen Performance.

Schwerer und doch viel effizienter

Auch beim Gewicht gibt es signifikante Unterschiede: Der W11 schleppt 745 Kilogramm mit sich herum, während es der F2004 auf lediglich 605 Kilogramm bringt. Ein Teil des zusätzlichen Gewichts ist auf Sicherheitsfeatures wie Halo zurückzuführen. Das meiste davon geht jedoch auf den V6-Turbomotor mit seinen Hybridkomponenten zurück, während der V10-Saugmotor deutlich leichter daherkommt.

Mercedes PU106, Antriebseinheit, Motor, Power Unit

Die moderne Antriebseinheit ist gegenüber dem V10 ein Effizienz-Wunderwerk

Foto: Giorgio Piola

Es mag sonderbar wirken, dass das Gewicht dermaßen angestiegen ist. Dabei gilt es aber zu beachten, dass es die derzeitigen Antriebseinheiten auf Laufleistungen von mehr als 6.000 Kilometern bringen und rund 1.000 PS leisten. Der V10 hatte rund 100 PS weniger und hielt nur rund 800 Kilometer.

Auch die Spriteffizienz wurde deutlich verbessert. Die V6-Turbohybriden dürfen maximal 110 Kilogramm Benzin in einem Rennen verbrennen. Meist wird dieses Limit aber nicht einmal erreicht. Der F2004 hingegen benötigte für eine Renndistanz rund 180 Kilogramm Sprit.

Eine Innovation des F2004 war ein Getriebe mit einer Glocke aus Titan plus einer Haut aus Kohlefaser. Dieses Konzept ist fester Bestandteil der DNA der heutigen Fahrzeuge.

Mittlerweile sind Kassettengetriebe mit acht Vorwärtsgängen verbaut. Diese ermöglichen es, selbst im Schadensfall sieben Rennen zu überstehen, ohne dass es zu einer Gridstrafe für einen Getriebewechsel kommt.

2004 waren die Regeln weniger streng, aber auch damals mussten Motor und Getriebe bereits ein komplettes Rennwochenende halten. Außerdem hatte die FIA gerade das vorprogrammierte, vollautomatische Runterschalten verboten. Die Fahrer mussten wieder die Schaltwippen hinter dem Lenkrad benutzen.

Auch die Launch Control war 2004 bereits als Teil der 2003 eingeführten Maßnahmen verboten. Trotzdem standen den Fahrern noch weit mehr Hilfen zur Verfügung als heutzutage, wo sie den Schleifpunkt der Kupplung selbst finden müssen. Die seit 2008 verwendete Einheitselektronik macht's möglich.

Ferrari F2004, Getriebe

Heute Standard, 2004 eine Sensation: Getriebe im Titan-Gehäuse

Foto: Giorgio Piola

Reifen: Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Der Ferrari F2004 war mit Bridgestone-Rillenreifen ausgerüstet. Da auch Michelin Teams belieferte, gab es einen Reifenkrieg, der die damalige Zeit kennzeichnete. Ferrari erhielt von Bridgestone eigene Mischungen für jede einzelne Strecke, womit sie gegenüber allen anderen Bridgestone-Teams einen Vorteil genossen.

Dem gegenüber gibt nun derzeit mit Pirelli einen Einheitsausrüster, der alle Teams mit denselben drei Mischungen pro Wochenende beliefert, die aufgrund von FIA-Vorgaben schnell verschleißen. Im Jahr 2020 hat Pirelli auch die Kontrolle darüber, wie viele Slicks von einer Mischung geliefert werden. Vorher konnten die Teams das selbst bestimmen.

Die Philosophien von Ferrari F2004 und Mercedes W11 könnten also kaum unterschiedlicher sein. Doch beide reizen die technischen Möglichkeiten und das Reglement ihrer Zeit bis zum Äußersten aus.

Somit wird es spannend zu sehen sein, ob die aktuellen Formel-1-Boliden auf dem Nürburgring schneller sein werden als der Rekord von Takuma Sato. Letztlich spielt auch das Eifenwetter dabei eine signifikante Rolle.

Weitere Co-Autoren: Matt Somerfield. Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.

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