Ferrari: Lieber Elfter auf dem Medium als Fünfter auf dem Soft!

Bei Ferrari ärgert man sich, den Q3-Einzug knapp verpasst zu haben, doch mit Softreifen wollte man auf keinen Fall in die Top 10 fahren

Ferrari: Lieber Elfter auf dem Medium als Fünfter auf dem Soft!

Die Taktik von Ferrari im Qualifying von Spielberg war klar: den weichen Reifen um jeden Preis vermeiden. Selbst als Charles Leclerc und Carlos Sainz nach dem ersten Run in Q2 nicht in den Top 10 lagen, schickte die Scuderia ihre Piloten ein weiteres Mal auf dem Medium-Reifen heraus. Die Konsequenz: Beide blieben als Elfter und Zwölfter in Q2 hängen.

Mit Softreifen hätte Ferrari die sechs fehlenden Tausendstel zum Cut sicherlich erreicht, doch das wollte man nicht: "Wir starten lieber mit Medium auf Platz elf als mit Soft auf Platz fünf", sagt Sainz. "Das war oberste Priorität." Ferrari hat also im Qualifying lieber ein paar Plätze verschenkt, um im Rennen dafür einen Vorteil zu haben.

"Wir wussten, dass der C5 für uns im Rennen nicht passen würde", erklärt Sportdirektor Laurent Mekies die Entscheidung. "Wir wissen, dass wir manchmal einen höheren Verschleiß haben als die Konkurrenz. Und mit den weicheren Mischungen hier denken wir nicht, dass der C5 für uns im Rennen funktionieren würde." Daher lautet die Taktik: Den Reifen unbedingt vermeiden.

Auch wenn man dadurch bewusst das Risiko einging, Q3 zu verpassen. Ferrari wusste, dass der Einzug in die Top 10 schwierig werden würde. Denn schon in der Vorwoche hatte Sainz als Zwölfter den Sprung verpasst, Leclerc war als Neunter nur um 25 Tausendstelsekunden reingekommen. "Und dieses Mal haben wir das Gleiche versucht, allerdings mit einem Reifennachteil", so Mekies.

Ärger über sechs Tausendstelsekunden

"Uns war klar, dass das eine schwierige Aufgabe sein würde, aber wenn man es so knapp verpasst, dann kannst du nichts anderes als frustriert sein." Denn Ferrari scheiterte nur hauchdünn: Sechs Tausendstelsekunden betrug der Rückstand auf Williams-Pilot George Russell, der sich aber übrigens auch auf den Medium-Reifen qualifiziert hatte.

 

"Ich bin sicher, dass wir die sechs Tausendstel auf dieser Runde finden können", ärgert sich Sainz, hält den Einzug von Russell aber für keine Überraschung. Der Brite hatte schon in der Vorwoche als Elfter ein starkes Qualifying hingelegt und fand sich im Rennen bis zu seinem Ausfall auf Platz acht wieder. "Der Williams hat also die Pace", so der Spanier.

Das Qualifying kann man jetzt aber nicht mehr ändern, daher geht der Blick auf das Rennen, wo man in der Vorwoche noch die guten Plätze sechs und sieben eingefahren hatte. "Wir waren da nach einem schwierigen Samstag zufrieden. Schauen wir, ob wir das wieder hinbekommen", so Sainz.

Kann man sich die Softstarter schnappen?

Allerdings sind die Reifen an diesem Wochenende bekanntlich eine Stufe weicher, was Ferrari nicht entgegenkommt. Und sollten am Sonntag niedrigere Streckentemperaturen herrschen, dann würde der Schwachpunkt mit den Reifen offengelegt werden. "Aber zumindest hatten wir in der Vorwoche keine Probleme und waren stark."

Und: Ferrari hat am Sonntag den Vorteil der Strategie, weil außer Lando Norris und George Russell alle direkten Konkurrenten vor Ferrari auf den weichen Reifen starten müssen. "Natürlich startet Lando sehr weit vorne (Startplatz zwei; Anm. d. Red.) und könnte daher außer Reichweite sein, aber wir werden versuchen, uns die Positionen von den Soft-Startern zurückzuholen", sagt Mekies. "Wie in der Vorwoche."

Eine Wiederholung der Ereignisse erwartet der Sportdirektor aufgrund der anderen Reifen aber nicht. Dennoch peilt man als Ziel erst einmal Platz sechs an: "Abgesehen von den Top 4 und Lando werden wir versuchen, die Positionen gutzumachen", sagt er.

Sainz ergänzt: "Am Sonntag werden wir sehen, ob alle glücklich oder traurig sind. Jetzt haben wir aber erst einmal 24 Stunden voll Schmerz, dass wir es um sechs Tausendstel nicht geschafft haben."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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