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Ferrari-Präsentation 2021: Diese fünf Dinge lernen wir daraus

Medienevent in Maranello: Die fünf wichtigsten Dinge, die wir bei der Ferrari-Präsentation vor der Formel-1-Saison 2021 gelernt haben

Ferrari-Präsentation 2021: Diese fünf Dinge lernen wir daraus

Den neuen SF21 für die Formel-1-Saison 2021 hat Ferrari bei seiner (ersten) Präsentation in diesem Jahr noch nicht gezeigt hier Details zum Präsentationstermin abrufen!. Teamchef Mattia Binotto und die beiden Ferrari-Fahrer Charles Leclerc und Carlos Sainz aber haben einige interessante Aussagen zum bevorstehenden Rennjahr getroffen. Die fünf wichtigsten Themen daraus greifen wir in diesem Artikel auf.

1. Der SF21 wird auf den Geraden nicht so langsam sein

In der Saison 2020 hatte Ferrari zwei große Schwachstellen: Einerseits fehlte es dem SF1000 an Antriebsleistung, andererseits wies das Fahrzeug einen zu großen Luftwiderstand auf. Beides machte Leclerc und Sebastian Vettel das Leben schwer.

Denn: Der Ferrari war nicht einfach nur langsam auf den Geraden. Das Team musste sogar Abtrieb vom Auto nehmen, um auf den Geradeaus-Passagen nicht völlig unterzugehen. Und das ging wiederum auf Kosten der Leistung bei der Kurvenfahrt, wo der Abtrieb dann fehlte.

Ferrari wusste schon früh im Jahr 2020, dass für 2021 einiges anders laufen muss. Deshalb hat man ein Doppelprojekt angeschoben: In dieser Saison bringt man einen komplett neuen Antrieb an den Start, um das Leistungsdefizit aufzuheben. Außerdem wurde die Aerodynamik des Fahrzeugs hin zu mehr Effizienz getrimmt.

Teamchef Binotto jedenfalls gibt sich zuversichtlich: "Nach dem zu urteilen, was wir anhand unserer Simulationen erkennen, was die Leistungsdaten der Prüfstände aussagen und die Luftwiderstandswerte aus dem Windkanal, da glaube ich, wir dürften auf den Geraden ziemlich an Speed zugelegt haben. Ich gehe deshalb davon aus, dass der Speed kein so großes Problem mehr darstellen wird."

Er fügt hinzu: "Wir hoffen, konkurrenzfähig zu sein. Genau wissen werden wir es aber erst in Bahrain. Es ist ja immer relativ zu dem, was die anderen Teams tun."

2. Der Saisonstart wird entscheidend für Ferrari

Ein zweites 2020 kann sich Ferrari nicht erlauben. Zur Erinnerung: Vergangenes Jahr beschloss das Team die Formel-1-Saison nur auf P6 in der Konstrukteurswertung, und damit schlechter als in den zurückliegenden 40 Jahren seit 1981. Trotzdem kann Ferrari für die Saison 2021 nicht einfach "all in" gehen.

Denn weil 2022 das neue Technische Reglement eingeführt wird, müssen die Teams schon in diesem Jahr möglichst viele Ressourcen für die künftigen Fahrzeuge verwenden. Wer jetzt ins Hintertreffen gerät, bezahlt ab 2022 den Preis dafür, wenn die Formel 1 in ihre neue Ära startet.

Die Ausgangslage ist für alle Formel-1-Teams gleich: Sie müssen ihre Ressourcen auf das aktuelle Projekt und auf das neue Auto aufteilen. Und Ferrari hat entschieden, schon sehr früh im Jahr den Schwerpunkt auf das 2022er-Fahrzeug zu legen.

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In der Konsequenz bedeutet das: Ferrari kann nicht erwarten, im Jahresverlauf 2021 große Fortschritte zu machen. Und das wiederum heißt: Der Saisonstart dürfte ziemlich genau vorgeben, wie die restliche Rennsaison aus Ferrari-Sicht verlaufen könnte.

Teamchef Binotto erklärt dazu: "Das Auto für 2022 wird so anders, dass wir einige Designs und Projekte dafür erst noch entwickeln müssen. Der Großteil unserer Arbeit wird sich damit befassen."

"Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, wie sich das Auto zum Saisonstart [2021] verhält. Denn das Bild, das sich dann zeigt, könnte das Kräfteverhältnis sein, das wir vielleicht für den Rest der Saison sehen werden."

Umso interessanter dürften die ersten Runden bei Wintertest und Auftakt in Bahrain werden, wo doch so vieles von der Frühform in diesem Jahr abhängt.

3. Sainz schwierige Aufgabe, gleich voll da zu sein

Sainz hat sich mit dem Ferrari-Vertrag einen Traum erfüllt. Doch sein Wechsel zum italienischen Traditionsteam erfolgt in einer überaus schwierigen Phase: Aufgrund der Sparmaßnahmen in der Formel 1 gibt es dieses Jahr nur drei Testtage, gerade mal die Hälfte dessen, was 2020 veranschlagt worden war. Jeder Fahrer bekommt also nur eineinhalb Tage zur Vorbereitung im neuen Auto.

Es braucht seine Zeit, damit ein Fahrer in seinem neuen Team wirklich heimisch werden kann, und jeder Meter im Rennauto hilft. Umso ärgerlicher aus der Sicht von Sainz, dass er nicht schon beim Young-Driver-Test 2020 in Abu Dhabi für Ferrari testen konnte.

Immerhin: Sainz durfte zu Jahresbeginn einen 2018er-Rennwagen in Fiorano fahren. Außerdem hat er für Ferrari an einem Reifentest für Pirelli teilgenommen.

Doch sowohl Sainz als auch Ferrari beteuern, dass es schwierig werden könnte, gleich vom ersten Rennen an voll aufeinander abgestimmt zu sein.

Sainz selbst sagt: "Natürlich will ich beim ersten Rennen zu hundert Prozent bereit sein. Realistischerweise aber dürfte das sehr schwierig werden. Das sagt mir meine Erfahrung aus bisherigen Teamwechseln in früheren Jahren."

Carlos Sainz

Carlos Sainz bei seinem ersten Test für Ferrari, in einem Fahrzeug von 2018

Foto: Davide Cavazza

"Du musst einfach von Rennen zu Rennen, von Rennwochenende zu Rennwochenende, bestimmte Erfahrungen machen und Eindrücke sammeln, im Freien Training, im Qualifying und in den Rennen. Du lernst immer dazu, und vor allem in den Rennen, nicht so sehr beim Testen."

"Dass pro Fahrer nur eineinhalb Testtage zur Verfügung stehen, das wird nicht helfen. So viel steht fest", meint Sainz. "Gleichwohl werde ich versuchen, mit meiner Erfahrung aus früheren Wechseln bestmöglich vorbereitet zum ersten Rennen anzutreten."

Ferrari scheint seinem Neuzugang hier einen gewissen Welpenschutz einzuräumen. Teamchef Binotto jedenfalls erklärt: "Es wird etwas mehr Zeit brauchen [als bei den Tests vorhanden ist]. Wir erwarten nicht, dass Carlos zum Saisonstart schon zu hundert Prozent integriert ist. Dennoch: Jeder einzelne Tag ist wichtig. Und ich glaube, er wird beim Auftakt bereit sein. Wenn nicht zu hundert Prozent, dann ziemlich nahe dran."

Sainz sei schließlich "kein Rookie mehr", betont Binotto. "Er ist ein professioneller Rennfahrer, mit der Erfahrung einiger Formel-1-Saisons. Ich bin mir ziemlich sicher, er kann sehr gut mit der Situation umgehen und am Ende bereit sein."

4. Corona hat Leclerc nicht aus der Bahn geworfen

Während der Rennsaison 2020 hatte sich Leclerc das Coronavirus nicht eingefangen. Dann aber kam die Winterpause, und im Januar 2021 wurde der Formel-1-Fahrer positiv getestet.

Die Folge: Leclerc verbrachte einige Tage in völliger Isolation, worunter natürlich auch seine Vorbereitung auf die Saison 2021 litt. Denn zunächst war völlig unklar, welche konkreten Folgen die Infektion für ihn haben würde. Lewis Hamilton zum Beispiel war 2020 bei seiner Rückkehr nach einer Corona-Zwangspause nicht gerade in Topform gewesen.

Charles Leclerc

Nach Corona: Charles Leclerc muss keine Nachwirkungen befürchten

Foto: Motorsport Images

Die gute Nachricht für Leclerc und Ferrari aber ist: Dem Formel-1-Fahrer geht es gut, er muss keine bleibenden Einschränkungen befürchten. Mehr noch: Er habe über den Winter noch enger als je zuvor mit Ferrari zusammengearbeitet, sagte Leclerc.

"Zum Glück hat mich [Corona] nicht so heftig erwischt. Ich fühle mich bestens", erklärte er. "Nach der Erkrankung habe ich mich einigen Leistungstests unterzogen, nur um sicherzustellen, dass alles wieder normal ist. Und genau das ist der Fall. Also alles gut."

"Ich glaube, so häufig wie in der Vorbereitung auf diese Saison war ich noch nie bei Ferrari. Wir haben auch einige Testfahrten in älteren Autos absolviert. Also ja, ich fühle mich sehr gut vorbereitet."

5. Einen Stallkrieg wird es nicht geben bei Ferrari

Die Ferrari-Teamkollegen waren sich in den vergangenen Saisons nicht immer grün, wie die Kollisionen zwischen Leclerc und Vettel bewiesen haben. Vielleicht waren solche Szenen auch unvermeidlich, wo mit Leclerc und Vettel zwei Fahrer um die teaminterne Vorherrschaft kämpften, deren Karriere-Situationen kaum unterschiedlicher hätte sein können.

Jetzt ist Vettel weg und Sainz ist da. Ferrari kann also einen Neubeginn wagen. Und die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass die Harmonie nach Maranello zurückgekehrt ist.

Ferrari versucht in diesem Jahr den Neustart nach einer enttäuschenden Saison 2020. Sainz wiederum steht nicht unter einem solchen Erfolgsdruck wie Vettel, von dem die Tifosi den WM-Titelgewinn erwartet hatten. Das Motto bei Ferrari lautet vielmehr: Beide Fahrer haben das Team zu unterstützen. Persönliche Ambitionen müssen dahinter zurückstehen.

Dazu sagte Leclerc: "Das Wichtigste ist, dass wir unterscheiden zwischen dem, was auf und was neben der Strecke passiert. Jedes Mal, wenn wir nicht im Auto sind, müssen wir zusammenarbeiten, um das Team nach vorne zu bringen."

Mit Bildmaterial von Ferrari.

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Urheber Jonathan Noble