Formel 1
Ferrari setzt auf Upgrade-Offensive: "Bis zum Ende weiter Druck machen"
Teamchef Fred Vasseur sieht keinen Grund, das Tempo zu drosseln: Ferrari will die Entwicklung trotz Budgetobergrenze bis zum Saisonende konsequent vorantreiben
Juliane Ziegengeist Filip Cleeren
Veröffentlicht: 03.09.2026, 08:37
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Ferrari setzt auf eine kontinuierliche Entwicklung mit kleineren Upgrades
Foto: LAT Images
Ferrari will die Entwicklung des SF-26 bis zum letzten Rennen der Formel-1-Saison weiter vorantreiben. Teamchef Fred Vasseur hat klargestellt, dass die Scuderia trotz der Budgetobergrenze nicht vorhat, das Entwicklungstempo zu reduzieren.
"Die Strategie ist, dass wir bis zum Ende weiter Druck machen werden", sagt Vasseur im exklusiven Gespräch mit Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com. "Wir haben einen Plan. Wir haben kein Problem mit der Budgetobergrenze, wir halten uns an den Plan und werden so weitermachen."
Damit reagiert Ferrari auch auf die zunehmende Diskussion darüber, wie lange die Topteams ihre 2026er-Autos noch weiterentwickeln können. Denn während parallel bereits die Arbeit an den Fahrzeugen für 2027 läuft, müssen die Teams ihre Ausgaben unter der geltenden Kostenobergrenze kontrollieren.
Ferrari setzt auf kleine, aber regelmäßige Schritte
Ferrari hat den SF-26 in dieser Saison bereits mit einer Vielzahl von Detailverbesserungen versehen. Die Entwicklung hat sich ausgezahlt: Die Scuderia liegt weiterhin auf Platz zwei der Konstrukteurs-WM. Zudem konnten Lewis Hamilton und Charles Leclerc in der laufenden Saison jeweils einen Grand Prix gewinnen.
Beim Heimrennen in Monza soll die nächste Ausbaustufe folgen. Ferrari wird dort voraussichtlich kleinere aerodynamische Verbesserungen einsetzen. Hinzu kommt nach der jüngsten ADUO-Einstufung das zweite Motor-Update der Saison.
Ferrari verfolgt dabei bewusst eine andere Entwicklungsstrategie. So erklärt Vasseur: "McLaren kommt alle drei oder vier Rennen mit einem großen Paket am Auto, während wir eher versuchen, bei jedem Rennen Upgrades zu bringen, die dafür deutlich kleiner ausfallen. Aber am Ende sind die Kosten dieselben."

Frederic Vasseur sieht keinen Grund, das eigene Entwicklungstempo zu drosseln
Foto: circuitpics.de
Für Ferrari scheint diese Vorgehensweise gut zur eigenen Infrastruktur zu passen. Die Kombination aus Windkanal- und Produktionskapazitäten ermöglicht es dem Team, regelmäßig kleinere Entwicklungsschritte umzusetzen, anstatt die Verbesserungen über mehrere Rennen zu größeren Paketen zu bündeln.
Enges Feld macht weitere Entwicklung besonders wichtig
Die Bedeutung dieser Strategie wird durch das aktuelle Kräfteverhältnis noch verstärkt. Mercedes, McLaren und Ferrari liegen inzwischen teilweise extrem eng zusammen.
Besonders auf Strecken, auf denen die 2026er-Antriebseinheiten einen geringeren Einfluss auf die Rundenzeit haben, können kleinste Verbesserungen den Unterschied ausmachen.
Wie eng das Feld ist, zeigte sich zuletzt in Zandvoort: Im Sprint-Qualifying lagen Mercedes, McLaren und Ferrari innerhalb von lediglich einer Zehntelsekunde. Gleichzeitig sind rund drei Zehntelsekunden inzwischen häufig genug, um darüber zu entscheiden, ob ein Fahrer auf Pole oder nur in Reihe drei steht.
Teams, die ihre Autos bis in die späte Saison hinein verbessern können, haben deshalb weiterhin die Möglichkeit, im WM-Kampf Boden gutzumachen. Gleichzeitig entsteht ein dadurch schwieriger Zielkonflikt: Die Ressourcen müssen zwischen der aktuellen Weiterentwicklung und Vorbereitung auf 2027 aufgeteilt werden.
Unfälle können Budgetplanung erheblich beeinflussen
Vasseur sieht dabei nicht allein die geplanten Upgrades als Herausforderung. Auch Unfälle können für die Teams angesichts der Kostenobergrenze zum erheblichen Problem werden.
"Was wahrscheinlich eine Herausforderung darstellt, ist, dass wir bei noch elf ausstehenden Rennen weiterhin entwickeln", blickt der Ferrari-Teamchef voraus. "Und ich denke, ein Unfall wie der von Max [Verstappen] in Zandvoort ist für Red Bull im Hinblick auf die Budgetobergrenze enorm kostspielig."
Gerade in einer Phase, in der die Teams ihre Entwicklung bis zum Saisonende planen müssen, lassen sich solche zusätzlichen Kosten nur schwer kalkulieren. Ein größerer Unfall kann schließlich Ersatzteile und zusätzliche Produktionskapazitäten erfordern, die anschließend an anderer Stelle im Entwicklungsprogramm fehlen.
Mercedes gegenüber Ferrari und McLaren im Hintertreffen?
Während Ferrari, McLaren und Red Bull bereits mehrere größere und kleinere Updates eingeführt haben, ist Mercedes bei der Entwicklung zuletzt zurückgefallen. Das nächste große Upgrade-Paket soll erst beim Grand Prix von Malaysia im Oktober kommen.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff hatte erklärt, dass seinem Team über das bereits geplante Programm hinaus die finanziellen Mittel für weitere Entwicklungen am Auto fehlen.
Gleichzeitig deutete er an, dass auch Ferrari und andere Konkurrenten aufgrund der Budgetobergrenze irgendwann gezwungen sein könnten, ihr Entwicklungstempo zu reduzieren. Vasseur will sich zu Mercedes' konkreter Strategie nicht äußern.
Unterschiedliche Wege, aber ähnliches Entwicklungstempo
"Ich möchte nicht über Mercedes sprechen, weil ich das nicht verstehe", sagt der Ferrari-Teamchef und bekräftigt: "Wir haben unseren besten Ansatz darin gefunden, bei fast jedem Rennen Upgrades zu bringen. Eine Woche geht es um die Mechanik, in der nächsten Woche um die Aerodynamik, und so machen wir weiter."
"Das passt zu unseren Produktionskapazitäten und zu den Kapazitäten unseres Windkanals, und es funktioniert gut", betont er. Dass McLaren einen anderen Weg einschlägt, bewertet Vasseur nicht als besser oder schlechter. Die Unterschiede seien vor allem durch die jeweilige Struktur und Ausstattung der Teams bedingt.
"Wenn McLaren die Dinge anders angeht, haben sie dafür gute Gründe. Die Struktur der Teams ist unterschiedlich, die Konfiguration ist anders. Aber letztlich folgen wir uns im Laufe einer Saison in Sachen Entwicklung fast auf Schritt und Tritt."
Mit dem nächsten Paket in Monza beginnt somit die nächste Phase der Ferrari-Upgrade-Offensive. Angesichts der engen Abstände im Feld könnte sich jeder dieser kleinen Schritte bis zum Saisonende als entscheidend erweisen.
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