Zwei Poles in Folge: Wie stark ist Ferrari wirklich?

Ferrari blieb beim Formel-1-Rennen in Baku ohne Podium, große Enttäuschung war in den Reihen der Scuderia aber nicht zu vernehmen - Wo steht Ferrari?

Zwei Poles in Folge: Wie stark ist Ferrari wirklich?

Wie stark ist Ferrari wirklich? Beim Großen Preis von Aserbaidschan in Baku schnappte sich die Scuderia mit Charles Leclerc - wenn auch erneut durch eine rote Flagge im Qualifying - die zweite Poleposition in Folge. Im Rennen allerdings war der Zauber schnell verflogen. Am Ende musste sich Leclerc sogar Pierre Gasly im AlphaTauri geschlagen geben.

Wo liegt also die Wahrheit? "Die zweite Pole in Folge zeigt den Fortschritt des Teams", ist Teamchef Mattia Binotto überzeugt. Wichtig sei zudem, dass der Traditionsrennstall endlich wieder auf Rang drei in der Konstrukteurs-WM vorgerückt ist. "Es sind nur zwei Punkte, aber es zeigt, dass wir Fortschritte machen", stellt Binotto klar. Ferrari hatte in Baku McLaren von Rang drei in der Teamwertung verdrängt.

Leclerc hatte das Rennen auch zunächst angeführt, wurde jedoch schnell von Lewis Hamilton und in den Runden darauf auch von Max Verstappen und Sergio Perez überholt. Mit dem Trio konnte der Monegasse nicht mithalten, was Ferrari aber auch so erwartet hatte.

Binotto: Müssen Rennpace verbessern

"Wir wussten, dass wir auf dem Soft Probleme haben würden. Ich denke, dass wir mit dem weichen Reifen am meisten zu kämpfen hatten", erklärt Binotto. Schon nach den guten Trainings hatten Leclerc und Teamkollege Carlos Sainz gebetsmühlenartig betont, nicht auf Augenhöhe mit Mercedes und Red Bull zu sein. Zu extrem sei der Reifenverschleiß an den roten Rennern.

"Sicherlich müssen wir unsere Pace im Rennen noch verbessern", betont Binotto, der an den Rennwochenenden künftig nicht mehr am Kommandostand sitzen wird. Nachdem Leclerc in der neunten Runde des Rennens erstmals an die Box kam, nutzte der zu diesem Zeitpunkt hinter ihm platzierte Gasly die Chance und kam per Overcut, also durch einen späteren Stopp, vorbei.

Nicht hilfreich für das Ferrari-Ergebnis war zudem der Fehler von Carlos Sainz, der sich nach seinem Stopp in Kurve 8 verbremste und weit zurückfiel. Von Rang sechs vor dem Reifenwechsel ging es zunächst zurück bis auf den 14. Platz.

"Ich habe 20 oder 25 Sekunden verloren, mir Bremsplatten auf beiden Reifen eingefahren und war natürlich sehr, sehr sauer auf mich selbst", sagte der Spanier anschließend selbst. Zwar arbeitete er sich wieder nach vorne und wurde immerhin noch Achter, doch es war mehr drin.

Binotto: Zwei Autos sind schneller

Grundsätzlich geben sich die handelnden Personen bei Ferrari keinen Illusionen hin, man weiß ganz genau, wie die eigene Leistungsfähigkeit aussieht. "Es gibt offensichtlich zwei Autos vor uns, die noch stärker sind", sagt Binotto mit Blick auf Red Bull und Mercedes: "Es war großartig, sowohl in Monaco als auch hier in Baku auf der Poleposition zu stehen, aber ich glaube nicht, dass das unsere wahre Leistung insgesamt widerspiegelt."

Sainz hatte zuletzt erklärt, die Strecken in Baku und Monaco seien dem Ferrari besonders entgegengekommen, da das Auto seine größten Stärken in langsamen, engen Kurven habe. In Baku konnte dieser Vorteil zudem genutzt werden, um weniger Flügel zu fahren, was die immer noch leichte Defizite im Motorbereich ausglich.

Interessant wird nun zu sehen sein, wie der Ferrari auf anderen Strecken funktioniert. Wichtig sei es jedoch, dass die Fortschritte erkennbar seien. "Wir machen Fortschritte, weil wir endlich mehr über die Autos lernen und sie besser nutzen als zu Beginn der Saison", sagt Binotto. Mit der Situation aus dem Vorjahr, als Ferrari um jeden Punkt kämpfen musste, hat die derzeitige Verfassung der Scuderia jedenfalls nichts zu tun.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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