Ferrari-Teamchef Vasseur verteidigt neues Formel-1-Reglement 2026
Ferrari stellt sich hinter die umstrittenen F1-Regeln 2026: Frederic Vasseur nennt das neue System authentischer als den verstellbaren Heckflügel
Frederic Vasseur kann die Regelkritik nicht so ganz nachvollziehen
Foto: Getty Getty
Während die Kritik am neuen Formel-1-Reglement für die Saison 2026 nicht abebbt, springt Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur den Verantwortlichen zur Seite. Angesichts der Debatten über den hohen Elektro-Anteil der neuen Motoren und den sogenannten "Jo-Jo-Effekt" bei Überholmanövern bezeichnet der Franzose das aktuelle System als authentischer als die bisherige Lösung über den verstellbaren Heckflügel.
"Ehrlich gesagt hatten wir gute Rennen und viele Überholmanöver. Man kann sagen, dass man vielleicht das Gefühl hat, es sei ein bisschen künstlich, aber für mich ist es viel weniger künstlich als das DRS", sagte Vasseur am Rande des Grand Prix von Miami.
Für den Ferrari-Teamchef liegt der Unterschied im fahrerischen Einfluss: "DRS hieß nur, auf den Knopf zu drücken. Heute ist es Energiemanagement, und das kommt von den Fahrern oder vom Team. Es ist überhaupt nicht künstlich und ich würde sagen, dass wir sicher noch Feinabstimmungen vornehmen und uns anpassen müssen."
Seit dieser Saison spielt das Batteriemanagement während der Rennen eine entscheidende Rolle. Dies führte zu einer neuen Dynamik: Positionen werden oft unmittelbar nach einem Überholmanöver zurückerobert, da die Energielevel der Kontrahenten schwanken.
Vasseur lobt gute Zusammenarbeit mit der FIA
Die Statistik scheint den Trend zu bestätigen. Beim Großen Preis von Australien wurden 120 Überholvorgänge registriert, im Vergleich zu lediglich 45 im Vorjahr. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Zweikämpfe dadurch an Wert verlieren und künstlich wirken.
Nicht so für Vasseur, der zudem die gute Zusammenarbeit zwischen den Herstellern und dem Automobil-Weltverband betont. "Dank der FIA hatten wir die Möglichkeit, nach jeder Veranstaltung zu diskutieren, um das System zu verbessern. Noch einmal, es ist nicht einfach, das während der Saison zu tun, aber ich denke, wir arbeiten alle konstruktiv zusammen."
Mit Blick auf die Zukunft stehen weitere Anpassungen im Raum. "Was die Zukunft betrifft, haben wir verschiedene Optionen auf dem Tisch. Ich denke, es wird bald an der Zeit sein, die verschiedenen Optionen zu diskutieren. Aber wir hatten von Anfang an einen Parameter im Kopf: die Reduzierung der wahnsinnigen Kosten für den Motor. Das gilt für die Hersteller, aber auch für die Kunden und zum Vorteil der Formel 1", so Vasseur weiter.
Mattia Binotto sieht "großartige Show" für die Fans
Unterstützung erhält Vasseur von Audi-Projektleiter Mattia Binotto. Der ehemalige Ferrari-Teamchef sieht die Entwicklung ebenfalls positiv: "Unsere Fahrer genießen das aktuelle Format und ich denke, es war eine große Veränderung im Vergleich zur Vergangenheit. Jeder muss sich an die Änderungen anpassen, aber insgesamt war es für die Fans eine großartige Show, wenn man sich die Rennen ansieht."
Binotto warnt davor, das neue System vorzeitig schlechtzureden: "Ich wäre nicht so negativ gegenüber dem aktuellen Format. Insgesamt denke ich, dass es ein gutes Format ist. Wenn man in die Vergangenheit schaut, gab es Epochen, in denen die Formel 1 langweiliger war."
Bereits Mitte Mai soll über mögliche Anpassungen der Motorenregeln für das Folgejahr entschieden werden. Diskutiert wird unter anderem eine Verschiebung des Verhältnisses zwischen Verbrennungsmotor und elektrischer Energie auf eine 60:40-Verteilung.
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