Ferrari-Teamchef: Warum 2026er-Autos "wesentlich besser als befürchtet" sind
Die Kritik an den neuen Formel-1-Autos der Saison 2026 war groß: Ferrari-Teamchef Fred Vasseur meint nun allerdings, dass man "insgesamt positiv überrascht" wurde
Ferrari-Teamchef Vassuer ist von den neuen Autos "positiv überrascht"
Foto: LAT Images
Die Debatte um die neuen Formel-1-Autos für 2026 sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Doch neben teils scharfer Kritik, unter anderem von Max Verstappen, mehren sich nach den Testfahrten in Bahrain inzwischen die positiven Stimmen. Auch Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur ist von den neuen Autos mittlerweile überzeugt.
"Es liegt in der DNA der Formel 1, sich über alles zu beschweren. Aber ich glaube, insgesamt wurden alle positiv überrascht", sagt der Franzose im Gespräch mit Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Manche meinten, wir würden uns auf dem Niveau der Formel 2 bewegen, doch tatsächlich liegen wir nur zwei oder drei Sekunden hinter den Zeiten von 2025. Und im vergangenen Jahr waren die Temperaturen bei den Bahrain-Tests deutlich niedriger."
"Betrachtet man also die Fakten, ist das Gesamtbild wesentlich besser als befürchtet." Dass die "neue" Formel 1 gar nicht so viel langsamer geworden ist, wie zunächst angenommen, hatten bereits die ersten Analysen nach den beiden viertägigen Testfahrten in Bahrain gezeigt.
Geschwindigkeit "spielt keine große Rolle", wenn ...
"Natürlich gibt es kritische Punkte, aber wir stehen ganz am Anfang dieses technischen Zyklus", betont Vasseur. "Wir müssen uns anpassen und weiter verfeinern. Und ich denke, es besteht immer die Möglichkeit, bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen."
Sowohl der Automobil-Weltverband FIA als auch die Formel 1 selbst hatten bereits auf die Kritik der Fahrer reagiert und mögliche Änderungen in Aussicht gestellt. Zunächst wolle man jedoch die ersten Rennen der neuen Saison (Formel-1-Kalender 2026) abwarten, bevor vorschnelle Entscheidungen getroffen werden.
"Das Wichtigste ist ein starker Wettbewerb: Wenn zwei oder mehr Teams eng beieinanderliegen, spielt es keine große Rolle, ob man ein oder zwei Sekunden langsamer ist als im Vorjahr", meint der Ferrari-Teamchef. "Entscheidend ist, eine Zehntelsekunde schneller zu sein als alle Konkurrenten."
Ferrari überrascht mit innovativen Lösungen
Genau das könnte der Scuderia in diesem Jahr gelingen. Denn sowohl in Barcelona als auch in Bahrain hinterließen Lewis Hamilton und Charles Leclerc einen soliden Eindruck. Neben schnellen Rundenzeiten sorgten auch innovative Lösungen für Aufmerksamkeit - etwa ein drehbarer Heckflügel oder der Mini-Winglet hinter dem Auspuffrohr.

Ferrari hat bei den Testfahrten einen guten Eindruck hinterlassen
Foto: LAT Images
"Man muss das technische Reglement ausloten, aggressiv sein und ans Limit gehen. Nur so kann man Innovation schaffen", sagt Vasseur. "Wichtig ist aber, dass Innovation nicht nur die sichtbaren Teile des Autos betrifft. Es freut mich, dass zwei Lösungen die Aufmerksamkeit von Presse und Fahrerlager auf sich gezogen haben."
"Doch in der Vergangenheit haben wir auch in weniger sichtbaren Bereichen Innovationen eingeführt - etwa bei der Aufhängung, im Kühlsystem oder beim Motor. Und ich denke, das gilt für alle Teams. Was uns betrifft, sehe ich es gerne, wenn unsere Ingenieure an die Grenzen gehen und dabei stets größte Sorgfalt in Bezug auf die Reglementskonformität walten lassen."
Um sich vor möglichem Ärger oder Protesten der Konkurrenz zu schützen, stehe Ferrari "seit dem ersten Tag in einem offenen Dialog mit der FIA, um die eingeführten Updates zu besprechen", verrät der Teamchef. "Niemand kann es sich leisten, Windkanalstunden oder Budget-Cap-Ressourcen zu verschwenden, indem man Lösungen an die Strecke bringt, die nicht regelkonform sind."
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