FIA-Präsident Jean Todt: Was er sich nach der Belgien-"Farce" vorwirft

FIA-Präsident Jean Todt gesteht, dass der Weltverband besser auf den Rennabbruch beim Grand Prix von Belgien vorbereitet hätte sein sollen

FIA-Präsident Jean Todt: Was er sich nach der Belgien-"Farce" vorwirft

Zum ersten Mal in der 71-jährigen Geschichte der Formel-1-Weltmeisterschaft musste in dieser Saison der Grand Prix von Belgien aufgrund widriger Bedingungen abgebrochen werden. FIA-Präsident Jean Todt persönlich bedauert die "Farce". Er gibt sich selbst die Schuld dafür, dass es für einen solchen Fall kein "klares Protokoll" gibt.

Im Gespräch mit unserem englischen Schwesterportal 'motorsport.com' spricht Todt, der am Ende seiner Amtszeit steht, über Versäumnisse des Automobil-Weltverbandes. Die FIA hätte auf einen Fall, wie in Spa-Francorchamps, besser vorbereitet sein müssen, so die Kernbotschaft.

"Das Einzige, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass wir wussten, dass es passieren würde", erklärt der Franzose. "Da wir das wussten, hätten wir vielleicht ein klareres Protokoll haben sollen." Er betont außerdem noch einmal die Beweggründe für den Abbruch.

Todt kann Ärger verstehen: "Ich war sehr frustriert"

"Warum ist es passiert? Weil die Autos breiter sind, mehr Abtrieb haben und wahrscheinlich nicht genug mit extremen Regenreifen getestet wurde." Außerdem sei die Sicht für die Piloten aufgrund der Gischt zum großen Sicherheitsrisiko geworden.

Daher wurde der Grand Prix von Belgien nach dreistündiger Verschiebung hinter dem Safety-Car gestartet und nach zwei Runden abgebrochen, da die Bedingungen kein reguläres Rennen zugelassen haben. Das Ergebnis wurde nach der Reihenfolge der ersten Rennrunde gewertet, Max Verstappen zum Sieger erklärt.

Aufgrund der kurzen Distanz wurden halbe Punkte vergeben. Die Punktevergabe wurde von vielen Seiten kritisiert, da der Grand Prix nicht als "Rennen" bezeichnet werden konnte, so der Tenor. Todt kontert: "Es war immerhin ein Rennwochenende, und da müssen wir auch Punkte vergeben."

Zuschauer vor Ort waren über die Vorstellung erbost und forderten ihr Geld zurück. Der FIA-Präsident kann die Frustration und Enttäuschung verstehen. "Als Fan habe ich das Rennen im Fernsehen verfolgt und war sehr frustriert. Ich kann die Fans verstehen, die für ihre Eintrittskarte bezahlt haben."

Diese Forderung griffen auch einige Piloten auf, etwa Lewis Hamilton, der die Veranstaltung als "Farce" bezeichnete und sich dafür entschuldigte. Todt versprach nach dem Rennen, die Geschehnisse einer detaillierten Überprüfung unterziehen zu wollen.

Am 5. Oktober soll darüber, etwa über mögliche Regeländerungen, im Rahmen eines Treffens der Formel-1-Kommission beraten werden. "Wie lautet der [richtige] Weg? Man befolgt die Regularien. Vielleicht müssen wir darüber nachdenken, dass man in einem solchen Fall andere Konsequenzen aus dem Ergebnis der Qualifikation zieht."

Formel 1 im Regen? Nicht die richtigen "Zutaten"

Den Abbruch des Rennens verteidigt Todt allerdings weiterhin. "Es ist unmöglich, auf einer Strecke wie Spa [bei solchen Bedingungen zu fahren]. Man kann sich vorstellen, [was passiert wäre], hätten wir das Rennen freigegeben. In den ersten zwei oder drei Runden hätten wir riskiert, dass 15 Autos ineinander krachen."

Nachsatz: "Und das wollen wir nicht." Er stellt gleichsam eine wichtige Frage: "Wollen wir Rennen im Regen? Wir wollen Rennen im Regen, aber im Moment haben wir nicht [die richtigen] Zutaten, um bei solchen Bedingungen zu fahren."

Einem Vorwurf muss er sich ebenso stellen, wie auch Rechteinhaber Liberty Media: Wurden die Autos nur auf die Strecke geschickt, um zwei Runden zu absolvieren und Punkte vergeben zu können? Todt weist dies entschieden zurück.

"Der zweite Versuch wurde unternommen, weil wir einen Wetterbericht hatten, der uns erlaubte zu denken, dass es möglicherweise klappen könnte."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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