FIA prüft Vorschlag von Force India zu Regeländerung in der Formel 1

Die FIA prüft einen Vorschlag von Force India, bei der Aerodynamik der Autos künftig mehr auf Computerrecherchen zu setzen als auf Arbeit im Windkanal.

Früher durften die Teams viel Zeit im Windkanal verbringen,wie sie wollten. 2014 war das schon beschränkt auf 80 Einheiten pro Woche, 2016 sind es noch 65 – immer noch zu viel, findet der stellvertretende Geschäftsführer von Force India, Bob Fernley.

„Wir haben die Strategiegruppe gebeten zu überprüfen, ob wir die Zeit nicht weiter verringern können, bis wir an einen Punkt kommen, an dem wir komplett auf CFD umschwenken können“, sagte Fernley gegenüber Motorsport.com. „Das basiert darauf, dass wir schon vorhersehen können, dass CFD die Windkanäle mit der Zeit ersetzen wird und das wollen wir erleichtern.“

Der Vorschlag von Force India, das Augenmerk mehr auf CFD zu legen, würde dabei jenen Teams besonders zugute kommen, die keinen eigenen Windkanal haben und sich Zeit in den Windkanälen anderer Team teuer kaufen müssen. Neben Force India zählen auch Haas und Manor zu den Teams, die dafür extra investieren müssen.

 

„Zur Zeit liegt das Hauptgewicht auf dem Windkanal, wir wollen es aber mehr auf CFD legen, damit man darauf umsteigen kann. Das ist eine komplett andere Gleichung, das aktuelle System würde aber bleiben.“

Momentan wird die Aerodynamik der Autos in einer Kombination aus Windkanal und CFD erarbeitet. Die Testbeschränkung der FIA kombiniert daher auch Zeit im Windkanal mit Teraflops CFD-Arbeit, wobei der Windkanal aber noch immer die Hauptrolle spielt.

Fernley ist jedoch überzeugt, dass die Computer den Windkanal in einigen Jahren komplett überflüssig machen werden.

Bildergalerie: Force India

„CFD entwickelt sich rapide weiter und das müssen wir anerkennen. Natürlich wollen wir auch, dass die Formel 1 mit den aktuellsten Technologien arbeitet und CFD ist eine davon. Wir wollen die Leute ermutigen, damit zu arbeiten“, erklärte er.

„Das ist keineswegs verpflichtend, es ist nur eine andere Variation bei der Entwicklung der Aerodynamik. Vielleicht wollen nicht alle diesen Weg einschlagen. Wenn du einen Windkanal hast, willst du vielleicht dabei bleiben.“

Weniger Zeit im Windkanal und stattdessen an den heimischen Computern zu verbringen, würde für die Teams ohne eigenen Windkanal eine beträchtliche Kosteneinsparung mit sich bringen. „Es gibt mindesten vier Teams, die keinen eigenen Windkanal besitzen und einen mieten müssen und wir glauben, dass in absehbarer Zukunft – in etwa drei oder vier Jahren – CFD das vorherrschende oder sogar das einzige Programm bei der Entwicklung der Aerodynamik werden könnte“, sagte Fernley. „Das wäre eine signifikante Einsparung. Für ein Team wie unseres wären das einige Millionen.“

Es gab in der Formel 1 bereits ein Team, das sein Auto komplett am Computer entwickelt hat, ohne eine einzige Stunde im Windkanal: Virgin Racing 2010. Der damalige Technische Direktor des Teams, Nick Wirth, war überzeugt, dass das der richtige Weg sei. Virgin landete damals zwar abgeschlagen auf dem letzten Platz der Teamwertung, die CFD-Technologie hat sich seitdem aber weiterentwickelt.

„Zur damaligen Zeit war das für ein Team wie Virgin sehr gewagt. Es war zwar die richtige Richtung, aber zu früh“, meinte Fernley. „Wie bei vielen Dingen, muss auch da erst die Technologie stimmen.“

 

„Wir haben viele Jahre lang mit Einschränkungen bei der Nutzung des Windkanals gearbeitet und haben so zweifellos Geld gespart. Wie alle Technologien entwickelt sich auch CFD immer weiter und wir müssen das immer wieder neu überdenken. Ich glaube jetzt ist ein Zeitpunkt, es wieder zu überdenken.“

Der Vorschlag von Force India wird momentan von den Technischen Direktoren der Teams überprüft.„Sie sollen einen gemeinsamen Nenner finden und den Vorschlag weiterreichen, damit er hoffentlich von der Strategiegruppe abgesegnet wird. Die Strategiegruppe fand, er hätte etwas für sich, andernfalls hätten sie ihn nicht weitergereicht. Sie haben uns sehr unterstützt.“

Das Gespräch führte Adam Cooper

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