Formel 1 Belgien 2018: Vettel lässt Hamilton keine Chance

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Formel 1 Belgien 2018: Vettel lässt Hamilton keine Chance
Autor: Christian Nimmervoll
26.08.2018, 14:50

52. Sieg, einer mehr als Alain Prost: Sebastian Vettel und Ferrari liefern in Spa eine dominante Vorstellung ab - Racing Point im ersten Rennen beinahe in Führung

Sebastian Vettel hat beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps einen Start-Ziel-Sieg gefeiert und seinen Rückstand auf Lewis Hamilton (Mercedes) in der Formel-1-WM 2018 von 24 auf 17 Punkte verkürzt. Der Ferrari-Pilot ließ Hamilton nach dem gewonnenen Start in keiner Phase des Rennens eine Chance und gewann nach 44 Runden mit 11,1 Sekunden Vorsprung.

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Nachdem Hamilton Vettel 2017 am Start mit einem Trick geschickt hatte hinter sich lassen können, war Vettel diesmal abgebrühter und ging aus Eau Rouge heraus vorbei. "Lewis", sagt Vettel, "hat mich ziemlich weit abgedrängt. Ich bin nicht sicher, ob er mich gesehen hat."

"Aber ich wusste um meine Chance oben am Hügel. Im Vorjahr habe ich mich austricksen lassen, aber diesmal hatte ich einen flacher eingestellten Flügel. Das Timing war entscheidend, und das habe ich perfekt hinbekommen."

Allerdings wäre es beim Anbremsen von Les Combes beinahe mit den beiden Racing-Point-Fahrern (ehemals Force India) eng geworden: Sergio Perez hatte wahrscheinlich den meisten Schwung, musste aber ausgerechnet wegen Esteban Ocon lupfen - und selbst der war innen schon auf gleicher Höhe mit Vettel, ehe doch die Vernunft siegte und er zurücksteckte.

Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11, Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09 and Sergio Perez, Racing Point Force India VJM11 on lap 1

Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11, Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09 and Sergio Perez, Racing Point Force India VJM11 on lap 1

Foto: Manuel Goria / Sutton Images

Von da an war Belgien 2018, zumindest was den Kampf um den Sieg anging, kein Knüller mehr. "Am Ende des ersten Stints", erzählt Vettel, "hat Lewis Druck gemacht. Aber nach dem Boxenstopp konnte ich alles runterdrehen und das Tempo kontrollieren."

Vor dem Reifenwechsel betrug Vettels Vorsprung 3,5 Sekunden, danach nur noch 1,2. Nur fünf Runden später war er aber schon wieder auf 4,2 Sekunden davongezogen. Weil Hamilton mit Reifenvibrationen kämpfte.

"Wir müssen jetzt pushen, wenn wir das wieder aufholen wollen", sagt der Mercedes-Star, mit einem Schuss Ernüchterung im Gesicht. "Ich hätte mich vielleicht wehren können, aber er wäre auf den Geraden sowieso wieder vorbeigesegelt." Interessant auch, wie genau Hamilton den Sieger-Ferrari im Parc ferme studiert hat. "Sie haben ein paar Tricks am Auto", deutet er an.

Letztendlich war auch Hamiltons Attacke in der Bus-Stop-Schikane vor dem Re-Start in Runde fünf nicht mehr als Show. Eine Runde später war ihm Vettel um 1,8 Sekunden enteilt. Dass das Rennen überhaupt neutralisiert werden musste, lag an einem spektakulären Startcrash - eines der wenigen Highlights an einem ansonsten mäßig aufregenden Nachmittag.

Fernando Alonso, McLaren MCL33 crashes and gets airbourne at the start of the race

Fernando Alonso, McLaren MCL33 crashes and gets airbourne at the start of the race

Foto: Mark Sutton / Sutton Images

Nico Hülkenberg (Renault), nach Motorwechsel von P18 gestartet, bremste bei La Source viel zu spät - und fuhr so hart in den McLaren von Fernando Alonso rein, dass dieser am Sauber von Charles Leclerc wie eine Rakete abhob! Da wurden bei vielen Erinnerungen an den Grosjean-Startcrash im Jahr 2012 wach.

"Beim letzten Mal", schimpft Alonso, "wurde Romain für ein Rennen gesperrt. Wie man einen Bremspunkt so brutal verschlafen kann, kann ich nicht nachvollziehen." Hülkenberg räumt ein: "Der, der hinten drauf fährt, ist immer schuld. Ich habe mich wahrscheinlich vertan."

Er verteidigt sich aber: "Diese Autos sind einfach mega sensibel. Von hinten kommend wurde ich überrascht, wie wenig Grip ich hatte. Die 'dirty Air' fühlt sich da hinten nochmal schlimmer an."

Die Aufregung um den Startcrash hatte sich noch nicht gelegt, da humpelte schon Kimi Räikkönen (Ferrari) mit einem Reifenschaden um den Kurs.

Dem "Iceman", über weite Strecken des Wochenendes schnellster Mann im Feld, wurde von Daniel Ricciardo (Red Bull) der rechte Hinterreifen aufgeschlitzt. Ricciardo wiederum war Opfer der Alonso-Hülkenberg-Kettenreaktion. Nach acht Runden gab Räikkönen das Rennen entnervt auf.

Max Verstappen, Red Bull Racing, celebrates third place in parc ferme

Max Verstappen, Red Bull Racing, celebrates third place in parc ferme

Foto: Zak Mauger / LAT Images

Zwei Gegner weniger also für Perez und Ocon, die sich gegen Verstappen nur kurz wehren konnten. In der 32. Runde schnappte sich dann auch Bottas Ocon; aber Perez gab den vierten Platz da noch nicht auf: "Ich gebe wirklich alles, Mann!" Acht Runden nach Ocon war dann auch er dran. Das Teamergebnis (P5/6) kommentiert er zufrieden: "Willkommen in einer neuen Ära!"

Bottas' Fahrt zum vierten Platz war eine der aufregenderen des Nachmittags. Gleich am Start hatte er Glück, dass seine Nase den Schubser gegen den Sirotkin-Williams überlebte. Und in der achten Runde lieferte er mit der Attacke gegen Brendon Hartley (14./Toro Rosso) außen in Eau Rouge eine ernstzunehmende Bewerbung für das Überholmanöver des Jahres ab.

Romain Grosjean und Kevin Magnussen sammelten auf den Positionen sieben und acht wertvolle Punkte für das Haas-Team. Pierre Gasly (Toro Rosso) wurde Neunter, Marcus Ericsson (Sauber) Zehnter.

Carlos Sainz (Renault) schrammte um 12,4 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei. Und der belgische Lokalmatador Stoffel Vandoorne, der einem in der Verstappen-Mania fast schon leidtun konnte, kam als 15. und Letzter ins Ziel.

Sergey Sirotkin, Williams FW41 leads Marcus Ericsson, Sauber C37

Sergey Sirotkin, Williams FW41 leads Marcus Ericsson, Sauber C37

Foto: Jerry Andre / Sutton Images

Bittere Randnotiz für Williams: Weil Racing Point gleich im ersten Rennen 18 Punkte holte, bleibt das einstige Erfolgsteam aus Grove WM-Letzter. Racing Point fehlt indes nur noch ein Zähler auf Sauber. Und mit Monza steht in einer Woche ein weiterer Highspeed-Grand-Prix auf dem Programm.

Das sorgt bei Mercedes-Teamchef Toto Wolff für Stirnrunzeln: "Was bleibt, ist ein Gefühl, dass wir nicht stark genug waren. Ferrari ist schneller. Schon seit einiger Zeit", seufzt er. Vettel sei an Hamilton "wie der D-Zug vorbeigefahren. Auch im Rennen hatten sie das schnellere Auto. Sebastian hat verdient gewonnen."

 

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