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Rennbericht

Formel-1-Fahrer über Spa: "Eau Rouge ist keine Kurve mehr"

Warum die fahrerische Herausforderung in der Formel 1 in Spa nicht mehr die gleiche ist wie noch vor einigen Jahrzehnten und wo Spa auch heute noch begeistert

Spa-Francorchamps gilt als eine Rennstrecke vom alten Schlag, auf der Formel-1-Fahrer deutlich mehr gefordert sind als anderswo. Aber trifft diese These in der Saison 2021 noch zu? Da ist sich Ex-Champion Kimi Räikkönen nicht so sicher. Er stellt vor dem Belgien-Grand-Prix in den Raum: Die ganz große fahrerische Herausforderung ist Spa nicht mehr.

Das liege zum Beispiel daran, dass über die Jahre viele Kiesbetten verschwunden seien. "Jetzt kannst du was probieren und kommst damit durch, weil es [in den Auslaufzonen] Asphalt gibt", sagt Räikkönen. Das sei aber kein Spa-spezifisches Phänomen. "So hat sich im Prinzip jede Strecke verändert", meint der Alfa-Romeo-Fahrer.

Tatsächlich macht Spa inzwischen eine Kehrtwende und will künftig wieder mehr Kiesbetten als Auslaufzone einbauen. Der allgemeine Trend hin zu mehr Sturzräumen mit Asphaltboden aber bleibt.

Welche Stelle in Spa am interessantesten ist

Hinzu kommt: Die Formel 1 wird tendenziell immer schneller, macht technisch große Fortschritte und entschärft mit besserer Aerodynamik auch Passagen, die früher als Mutkurven galten. "Eau Rouge war anfangs zum Beispiel ziemlich anspruchsvoll, aber heute ist diese Stelle praktisch eine Gerade für uns", sagt Räikkönen.

Aston-Martin-Fahrer Lance Stroll pflichtet ihm bei: "Eau Rouge sieht zwar beeindruckend aus, ist aber eigentlich keine Kurve mehr. Pouhon ist da aus Fahrersicht spannender. Das ist eine Kurve, in der du und das Auto eher noch ans Limit kommen. Eau Rouge ist gar nicht mehr so sehr das Thema."

Die wahrscheinlich bekannteste Stelle in Spa-Francorchamps, zusammen mit der direkt folgenden Kurve Raidillon, erweise sich lediglich zu Beginn einer Session als knifflige Passage, meint Stroll, "oder wenn du jemandem hinterherfährst. Denn dann geht Eau Rouge nicht immer einfach voll. Im Qualifying-Trimm aber ist es eigentlich keine Kurve mehr."

2022: Wird Eau Rouge wieder zu einer Mutprobe?

Ob sich das 2022 unter dem dann neuen Formel-1-Reglement mit weniger Abtrieb verändert? Räikkönen hat seine Zweifel: "An Stellen wie Eau Rouge sollten wir keine Schwierigkeiten kriegen. Wissen tun wir das aber erst, wenn die Autos fahren."

Noch 2021 dürfte sich vor allem die bereits angesprochene Pouhon-Linkskurve als Nervenkitzel für die Fahrer erweisen. "In einem guten Auto geht diese Kurve voll", sagt Räikkönen. "Wir waren da in der Vergangenheit ein bisschen am Limit unterwegs. Es war eine Herausforderung, dort voll zu fahren."

Stroll will aber auch den Beginn des zweiten Sektors nicht missen: "Die Kurven fünf bis sieben, den Hügel runter, die sind nicht so einfach zu meistern. Diese Kurven gehören nämlich zusammen. Wenn du Kurve 5 nicht erwischst, dann passen auch die Kurven 6 und 7 nicht mehr."

Warum Räikkönen die Schikane kritisiert

Kritik übt Räikkönen dagegen an der Schikane kurz vor Start und Ziel und sagt frei heraus: "Mir gefiel die alte Bus-Stop-Schikane besser. Da hat man über die Jahre mehrmals umgebaut. Ich aber fand, dass es am Anfang gut war." Statt links-rechts geht es dort inzwischen rechts-links zurück auf die Zielgeraden.

Doch so oder so: Die wahrscheinlich größte Herausforderung in Spa ist geblieben - das launische Ardennen-Wetter. Es ist die wohl größte Unbekannte für Fahrer und Teams beim Belgien-Grand-Prix. Denn Räikkönen weiß: "Im Nassen ist Spa immer knifflig."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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