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Formel 1 führt Sprintrennen ein: Ablauf, Regeln und Format erklärt

Die Formel geht 2021 neue Wege und führt erstmals Sprintrennen ein - Alle Infos und Erklärungen zum Ablauf und zu den Regeln des neuen Formats

Formel 1 führt Sprintrennen ein: Ablauf, Regeln und Format erklärt

Erstmals in der langen Historie der Formel 1 werden in diesem Jahr - zunächst als Test - Sprintrennen eingeführt. An drei Rennwochenenden wird das bestehende und traditionelle Format eines Grand Prix verändert. Doch wie genau funktionieren die offiziell "Sprint-Qualifying" genannten Rennen? Und warum gibt es sie überhaupt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Thematik.

Was ist ein Sprintrennen und warum wird es eingeführt?

Ein Sprintrennen ist eine verkürzte Version des Hauptrennens. Sowohl die Renndistanz als auch die Dauer des Rennens fallen geringer aus. Im Motorsport sind Sprintrennen nichts Ungewöhnliches. Der direkte Unterbau der Formel 1, die Formel 2, nutzt Sprintrennen schon seit vielen Jahren.

In dieser Zeit gab es einige besonders spektakuläre Sprintrennen. In Bahrain 2017 etwa fuhr der heutige Ferrari-Pilot Charles Leclerc nach einem eigentlich nicht vorgesehenen Boxenstopp binnen acht Runden vom 14. Platz zum Sieg.

Spektakel ist auch das Schlüsselwort, sollen die Beweggründe der Formel 1 zur Einführung eines Sprintrennens erläutert werden. Das Rennwochenende soll um einen weiteren Höhepunkt ergänzt werden. Unter dem neuen Format gibt es an jedem der drei Tage ein Highlight: Qualifying am Freitag, Sprintrennen am Samstag, Hauptrennen am Sonntag.

Auch andere mögliche Veränderungen am traditionellen Format wurden diskutiert, etwa die Einführung von Rennen mit umgekehrter Startaufstellung. Schlussendlich einigten sich die Teams und Liberty Media auf die Sprintrennen.

Wie sieht das neue Format an den Rennwochenenden aus?

Der Zeitplan an den drei vorgesehenen Wochenenden wird im Vergleich zu den restlichen Veranstaltungen etwas anders aussehen. Am Freitag wird es nur ein Freies Training über 60 Minuten geben. Daran anschließend folgt nicht das zweite Freie Training, sondern das traditionelle Qualifying mit den bekannten drei Segmenten Q1, Q2 und Q3. Dieses bestimmt die Startaufstellung für das Sprintrennen.

Am Samstagmorgen folgt wie üblich ein 60-minütiges Training, doch statt des Qualifyings, das ja bereits am Freitag abgehalten wurde, schließt sich das Sprintrennen daran an. Die Länge des Sprintrennens beträgt 100 Kilometer, es wird keine Pflicht-Boxenstopps geben. Das Ergebnis des Sprint-Qualifyings ist maßgebend für die Startaufstellung am Sonntag.

Am Sonntag bleibt alles beim Alten, einziger Programmpunkt ist das Hauptrennen über 305 Kilometer (oder 265 Kilometer in Monaco).

Das Wochenendformat mit den Sprintrennen noch einmal in der Übersicht:

Freitagmorgen: 60-minütiges 1. Freies Training

Freitagnachmittag: Qualifying im bekannten Format, um die Startaufstellung für das Sprintrennen zu ermitteln.

Samstagmorgen: 60-minütiges 2. Freies Training

Samstagnachmittag: Sprint-Qualifying über 100 Kilometer

Sonntag: Hauptrennen über 305 Kilometer

Die teilweise gravierenden Änderungen am Format verlangen natürlich auch Anpassungen am Reifenreglement. Im 1. Freien Training darf jeder Fahrer nur zwei Sätze verwenden, welche das sind, ist den Teams freigestellt.

Im anschließenden Qualifying darf jeder Fahrer ausschließlich die weichste Mischung benutzen. Der Einsatz der Mediums oder gar der harten Reifen in einem der drei Segmente ist untersagt. Die Verteilung der Mischungen auf die zwölf Sätze ist festgelegt und kann von den Teams nicht beeinflusst werden. Insgesamt stehen jedem Fahrer für das Wochenende fünf Sätze der weichen Reifen zur Verfügung.

Für das 2. Freie Training am Samstagmorgen sowie das anschließende Sprint-Qualifying besteht freie Reifenwahl. Für das Hauptrennen am Sonntag können die Teams auch innerhalb der Top 10 frei wählen, mit welcher Reifenmischung sie das Rennen beginnen. Die Regelung, im Rennen mindestens zwei unterschiedliche Mischungen fahren zu müssen, hat weiterhin Bestand.

Doch was ist, wenn eine oder mehrere Sessions unter nassen Bedingungen gefahren werden? Jedem Fahrer stehen drei Sätze Regenreifen und vier Sätze Intermediates für das Wochenende zur Verfügung.

Sollte das 1. Freie Training oder das Qualifying unter feuchten Bedingungen ausgetragen werden, erhalten die Fahrer einen zusätzlichen Satz Intermediates. Jedoch müssen sie einen benutzten Satz Intermediates vor Beginn des Sprintrennens zurückgeben.

Wenn es während des Sprint-Qualifying selbst nass ist, müssen die Teams einen benutzten Satz Intermediates oder Regenreifen nach dem Sprintrennen zurückgeben und erhalten im Gegenzug einen frischen Satz Intermediates. Insgesamt erhalten die Teams nicht mehr als neun Sätze Regenreifen und Intermediates.

Wie viele Sprintrennen wird es geben?

Im Laufe der Formel-1-Saison 2021 soll das neue Format an drei Rennwochenenden getestet werden. Der erste Feldversuch wird beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone (16. bis 18. Juli) gestartet, das wurde bereits offiziell verkündet.

Die beiden anderen Austragungsorte stehen noch nicht fest, jedoch soll ein weiteres in Europa und das dritte bei einem Übersee-Rennen stattfinden. Für das zweite Europarennen wurde zuletzt der Italien-GP in Monza im September genannt, Sprintrennen Nummer drei könnte im November beim Brasilien-GP durchgeführt werden.

Werden Punkte für das Sprintrennen verteilt?

Ja, allerdings nur sehr wenige. Der Sieger des Sprint-Qualifyings erhält drei Punkte, der Zweitplatzierte zwei Zähler und der Dritte darf sich noch über einen Punkt freuen. Eine offizielle Siegerehrung wie nach dem Hauptrennen wird es hingegen nicht geben, der Sieger erhält im Parc ferme aber einen kleinen Pokal.

Was passiert, wenn ein Fahrer das Sprintrennen nicht beendet?

Eine offizielle Antwort darauf existiert noch nicht, da die FIA das Sportliche Reglement noch nicht angepasst hat. Klar ist: das Sprintrennen bestimmt die Startaufstellung für das Hauptrennen. Wer das Sprint-Qualifying also nicht beenden kann, muss das Hauptrennen von ganz hinten in Angriff nehmen.

Bei mehreren Ausfällen wäre denkbar, dass der Fahrer, der zuerst ausgeschieden ist, auf den letzten Startplatz gestellt wird, der danach ausgefallene Pilot auf den vorletzten Startplatz und so weiter.

Was passiert, wenn ein Auto beschädigt wird?

Um den Teams finanziell entgegenzukommen und gegen mögliche Schäden abzusichern, erhalten alle Rennställe etwa 500.000 US-Dollar für die drei Wochenenden. Zudem soll sichergestellt werden, dass Fahrer, die ihr Auto im Sprintrennen beschädigt haben, dennoch im Hauptrennen am Sonntag starten können.

Da für die Autos jedoch bereits mit Beginn des Qualifyings am Freitagnachmittag Parc-ferme-Bestimmungen gelten und Umbauten nicht mehr zulässig sind, dürfen beschädigte oder zerstörte Teile nur durch exakt baugleiche Elemente ersetzt werden.

Können Sprintrennen dauerhafter Bestandteil der Formel 1 werden?

Langfristige Pläne für eine Beibehaltung der Sprintrennen gibt es noch nicht, da es sich in diesem Jahr ohnehin erst einmal um Testläufe handelt. Stellt sich das neue Format als Erfolg heraus, ist eine Fortsetzung im kommenden Jahr und darüber hinaus absolut denkbar. Jedoch sollen Sprintrennen so oder so nicht an allen Wochenenden ausgetragen werden.

Gleichzeitig hängt eine Beibehaltung des Formats auch vom Feedback der Fahrer, Teams und auch Fans ab. Sollte die Kritik zu stark werden, könnten die drei Rennen in diesem Jahr die ersten und auch die letzten Sprintrennen in der Formel-1-Geschichte sein.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Urheber Chris Lugert