Formel-1-Kalender 2022: Warum nimmt man Tripleheader einfach hin?

Die Teamchefs der Formel 1 diskutieren über den neuen Formel-1-Kalender: Warum man Tripleheader mittlerweile hinnimmt und Verständnis für die Planung hat

Formel-1-Kalender 2022: Warum nimmt man Tripleheader einfach hin?

Als die Formel 1 2018 zum ersten Mal einen Tripleheader ausprobierte, fiel das Feedback der Beteiligten recht eindeutig aus. Tenor: Das dürfen wir nie wieder machen! Dass man in der Pandemiesaison 2020 unbedingt Tripleheader brauchte, um die notwendige Anzahl Rennen zu fahren, das kann wohl jeder nachvollziehen. Doch auch danach scheint das Feature zu bleiben.

Denn auch 2022 wird es wieder zwei davon im Kalender geben, das haben die Teamchefs schon vor Veröffentlichung verraten: einmal Zandvoort, Spa und Monza und einmal Sotschi, Singapur und Suzuka.

Mittlerweile scheinen die Teams Tripleheader einfach hinzunehmen. Denn von großem Widerstand hört man im Grunde nichts mehr - außer dass die Verantwortlichen betonen, dass es nicht ideal ist, wenn man sie in Pressekonferenzen danach fragt.

Sind Tripleheader also plötzlich nicht mehr so schlimm? Oder wissen die Teams, dass sie ein notwendiges Übel sind, um die Pläne der Formel 1 durchzudrücken?

"Beim ersten Tripleheader ist alles neu, doch dann lernt man und macht einige Dinge, um sie einfacher zu machen", sagt Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer. Das klingt verdächtig nach der gefährlichen Aussage von Haas-Teamchef Günther Steiner am Donnerstag, der meinte, dass man sich an den großen Kalender mittlerweile gewöhnt habe.

Mehr Tripleheader = früheres Saisonende

Zwar seien die Tripleheader laut Szafnauer immer noch eine große Belastung für die Teams, doch mittlerweile sieht man die Vorteile. 2022 soll die Saison trotz 23 Rennen bereits Mitte November enden, um der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar aus dem Weg zu gehen.

Das kann man aber nur erreichen, wenn man möglichst viele Rennen in kurzer Zeit fährt. "Man kann einen oder zwei Tripleheader machen, wenn man weiß, dass man dann nicht bis Weihnachten fährt", sieht es Szafnauer positiv. "Das ermöglicht uns eine ordentliche Winterpause."

Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies betont zudem, dass auch die Auswirkungen der Pandemie eine Rolle spielen. Noch immer ist von den Teams etwas an Flexibilität gefragt, wie man auch in diesem Jahr wieder sehen kann. "Darum müssen wir jetzt auch mit diesen Tripleheadern zurechtkommen", sagt er, betont aber auch: "Hoffentlich ist das das erste, was nach der Pandemie verschwindet."

Schwierige Bastelarbeit

Was beim neuen Formel-1-Kalender auch ein großer Kritikpunkt ist, ist die teilweise unlogische Abfolge von Rennen. Dass man etwa von Europa für ein Rennen nach Kanada reist, um dann nach Aserbaidschan zu gehen, erscheint nicht nur aus logistischer Sicht nicht sinnvoll - auch für die Teams ist das natürlich eine Mehrbelastung, als wenn man alle Rennen geografisch abarbeitet.

Franz Tost, Team Principal, AlphaTauri, Laurent Mekies, Racing Director, Ferrari, and Otmar Szafnauer, Team Principal and CEO, Aston Martin F1, in the team principals Press Conference

Franz Tost, Team Principal, AlphaTauri, Laurent Mekies, Racing Director, Ferrari, and Otmar Szafnauer, Team Principal and CEO, Aston Martin F1, in the team principals Press Conference

Foto: FIA Pool

Laut Otmar Szafnauer hat man die FIA natürlich um eine sinnvolle Abfolge gebeten, er weiß aber auch: "Beim Kalender gehört eine Menge dazu. Es ist nicht so einfach, dass man sie einfach in einer geografisch besseren Reihenfolge aufschreibt."

Denn jedes Rennen hat gewisse Einschränkungen und auch Wünsche, wo es stattfinden möchte. Zudem spielt Corona weiterhin eine Rolle, sodass manche Länder eher später im Kalender auftauchen wollen, um eher garantieren zu können, dass alles ordentlich stattfinden kann.

Tripleheader 2022 kein Problem für Tost

"Es hängt auch an den Ländern. Sie haben andere Events, wo man dann nicht mit der Formel 1 kommen kann, oder Ferien oder andere Dinge, die man berücksichtigen muss", sagt AlphaTauri-Teamchef Franz Tost. "Darum ist es ziemlich kompliziert, einen solchen Kalender zusammenzustellen, und ich denke, dass Stefano [Domenicali] und die FOM (Formula One Management; Anm. d. Red.) alles bestmöglich optimiert haben."

Der Österreicher sieht ohnehin das Problem nicht, das viele mit dem Kalender haben. Auch die Tripleheader sind für ihn kein Problem: "Der erste ist einfach - Zandvoort, Spa und Monza", winkt er ab. "Der zweite mit Russland, Singapur und Japan ist etwas schwieriger, aber logistisch ist alles unter Kontrolle, denke ich. Wir sind fast in der gleichen Zeitzone, also erwarte ich keine Probleme."

Die Teams haben aber schon längst Maßnahmen getroffen, um die Belastung von immer mehr Rennen und mehr Tripleheadern bewältigen zu können. Mitarbeiter werden rotiert, wenn es möglich ist, zudem gibt es Ärzte, die auf das körperliche Wohl der Mitarbeiter schauen.

2022 doch ein verkürztes Format?

Zudem hat man angefangen, über ein verkürztes Wochenendformat zu sprechen. Eigentlich sollte der den Medien vorbehaltene Donnerstag schon in diesem Jahr wegfallen, trotzdem ist er noch in bewährter Form da. 2022 könnte man diesbezüglich aber den Rotstift ansetzen. "Alles hilft, damit der Tripleheader weniger Einfluss auf die Leute hat", sagt Haas-Teamchef Günther Steiner.

Haas-Teamchef Günther Steiner

Günter Steiner sieht es positiv: Zumindest keine Formel 1 bis Weihnachten ...

Foto: Motorsport Images

"Wir müssen damit zurechtkommen, denn es bringt andere Dinge mit sich. Es ist gut, dass wir nicht bis Weihnachten fahren wie in diesem Jahr. Aber das hat halt den Preis der zwei Tripleheader", meint er weiter. "Die bekommen wir auch schon rum, und wenn wir ein auf drei Tage verkürztes Wochenende haben, dann wird das helfen. Jedes Bisschen hilft."

Und dann gibt es noch die Teamchefs, die die aktuelle Situation positiv sehen. Sie wissen, dass die Formel 1 mehr Einnahmen generiert (wovon auch die Teams profitieren), je mehr Rennen es gibt. "Wir können nicht erwarten, mehr Rennen zu fahren und mehr Einnahmen in kürzerer Zeit zu generieren, ohne Tripleheader zu haben", sagt Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur. "Das ist nicht möglich."

Tost wird deutlich: "... dann sollte er einfach gehen!"

"Wir müssen glücklich über den Erfolg der Formel 1 sein", betont er. "Es gibt mehr und mehr Nachfrage nach der Formel 1, und wir müssen es positiv sehen und dürfen uns nicht beschweren, dass wir zu viele Rennen fahren", sagt der Franzose und sieht das als "sehr positive Message und Signal".

Noch deutlicher wird nur Franz Tost, der den umfangreichen Kalender von 23 Rennen für "fantastisch" hält. "Wir sind ein Rennteam und sollten daher alle froh sein, dass es so viele Rennen wie möglich gibt", sagt er.

Zudem betont er, dass viele Mitarbeiter nach den Rennen drei oder vier Tage frei hätten, in denen sie zuhause bleiben können. "Bei den Ingenieuren ist das etwas schwieriger, aber früher mussten sie auch nach einem Rennwochenende zu Tests fahren und dort arbeiten", vergleicht Tost die Arbeitsbelastung mit früher, als es noch freie Testfahrten gab.

"Wir sollten alle froh sein, dass wir in der Formel 1 sind und 23 Rennen haben", sagt der AlphaTauri-Teamchef weiter. Sein Credo: "Wenn jemand das nicht mag, dann sollte er einfach gehen!"

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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