Formel 1 Monza 2018: Vettel meckert nach Räikkönen-Pole

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Formel 1 Monza 2018: Vettel meckert nach Räikkönen-Pole
01.09.2018, 14:18

Das Autodromo Nazionale steht Kopf: Publikumsliebling Kimi Räikkönen holt Pole vor Vettel, der daran etwas zu meckern hat - Hamilton knapp geschlagen

Kimi Räikkönen hat beim Grand Prix von Italien in Monza zum erst zweiten Mal in den letzten zehn Jahren (nach Frankreich 2008 und Monaco 2017) eine Pole-Position erobert. Und es war eine der emotionalsten seiner Karriere: Während zehntausende Tifosi ihren "Iceman" mit Sprechchören feierten, ließ Räikkönens Ehefrau Minttu ihren Freudentränen an der Schulter von Teamchef Maurizio Arrivabene freien Lauf.

Das Qualifying in Zahlen:

Es sind Geschichten, wie sie nur Ferrari in Monza schreiben kann: "Monza ist pure Leidenschaft", schwärmt Arrivabene - und das nur fünf Wochen nach dem Tod von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Da werden Erinnerungen wach: Das letzte Mal, als ein Ferrari-Präsident kurz vor Monza gestorben ist, gab es beim Heimrennen einen Doppelsieg: Gerhard Berger 1988 vor Michele Alboreto - vor genau 30 Jahren, in Memoriam Enzo Ferrari.

 

Doch mitten hinein in den Ferrari-Jubel mischt sich ein kleines bisschen miese Laune. "Darüber reden wir später noch", funkte Sebastian Vettel, nachdem er vom Renningenieur informiert wurde, dass nicht er auf Pole steht, sondern Räikkönen. Denn Ferrari hatte in Q3 zweimal Vettel vor Räikkönen auf die Strecke geschickt und somit der vermeintlichen Nummer 2 den so wertvollen Windschatten spendiert.

Von Podium-Interviewer Paul di Resta vor der vollen Haupttribüne darauf angesprochen, wollte Vettel offenbar die gute Laune nicht verderben: "Meine letzte Runde war nicht gut", ließ er die Sache auf sich bewenden. Unterm Strich fehlten ihm 0,161 Sekunden, von denen er 0,122 im dritten Sektor verlor. Dort wirkt sich der Windschatten auf der langen Gegengerade und aus der Parabolica heraus am stärksten aus.

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09

Foto: Sam Bloxham / LAT Images

Immerhin: Vettel war um 0,014 Sekunden schneller als sein großer WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes), der nach den Freien Trainings kaum Hoffnung hatte, gegen Ferrari kämpfen zu können. Doch nach dem ersten Q3-Run lag er überraschend in Führung, und so war die Enttäuschung groß, dass es dann trotzdem nicht reichte. Schon bei der ersten Zwischenzeit war Hamilton nicht mehr so schnell gewesen wie im vorangegangenen Versuch.

Teamchef Toto Wolff versucht dem dritten Startplatz wegen des Windschattens bei der Anfahrt der ersten Kurve etwas Positives abzugewinnen: "Ich glaube, dass die Startposition vorne vielleicht eh nicht ganz das ist, was du willst." Grundsätzlich freilich ist er enttäuscht: "Nach dem ersten Run hat es gut ausgeschaut. Aber im Moment sind die einfach auf einer richtig guten Welle. Auf einer Strecke, die ihnen in der Vergangenheit nicht so gut gelegen ist."

Valtteri Bottas (Mercedes) spielte im Kampf um die Monza-Pole keine Rolle. Ihm fehlte eine halbe Sekunde auf die Bestzeit. Max Verstappen (Red Bull) wurde mit eineinhalb Sekunden Rückstand Fünfter - programmgemäß: "Ich hatte keinen Windschatten, die anderen schon. Aber an der Position hätte das eh nix geändert." Damit, Ferrari und Mercedes angreifen zu können, rechnet er nicht: "Die werden zu schnell sein. Ich fahre mein eigenes Rennen."

Romain Grosjean, Haas F1 Team VF-18

Romain Grosjean, Haas F1 Team VF-18

Foto: Andy Hone / LAT Images

Romain Grosjean (Haas) setzte seine starke Form der letzten Wochen fort und sicherte sich - auch dank Ferrari-Power - den sechsten Startplatz. Hauchdünn vor Carlos Sainz (Renault) und Esteban Ocon (Force India). Ebenfalls in den Top 10 landeten Pierre Gasly (Toro Rosso) und Lance Stroll (Williams). Für das Williams-Team übrigens der erste Q3-Einzug in der Saison 2018.
Die wahrscheinlich unterhaltsamste Szene in Q2 hatten Kevin Magnussen (11./Haas) und Fernando Alonso (13./McLaren) abgeliefert, als sie ihre letzte schnelle Runde begannen. In Magnussens Windschatten hatte Alonso beim Anbremsen der ersten Kurve einen Geschwindigkeitsüberschuss und setzte zum Überholmanöver an.

Magnussen, der selbst auf Zeitenjagd war, reagierte am Boxenfunk verduzt: "Was zur Hölle will Fernando da?" Aber der McLaren-Star wähnte sich ebenfalls im Recht: "Will der Rennen fahren, oder was?" Nur der McLaren-Kommandostand sah die Sache nüchtern: "Er hat seine eigene Runde auch kaputt gemacht, Fernando." Nach dem Qualifying ein Fall für die FIA-Rennkommissare.

Kevin Magnussen, Haas F1 Team VF-18, and Fernando Alonso, McLaren MCL33, go wheel-to-wheel

Kevin Magnussen, Haas F1 Team VF-18, and Fernando Alonso, McLaren MCL33, go wheel-to-wheel

Foto: Andrew Hone / LAT Images

Formel-1-Experte Alexander Wurz ergreift Partei: "Für mich war hier eher Fernando der Bösewicht." Was Magnussen genauso sieht: "Das war dumm von ihm. Er hat versucht, einen guten Windschatten zu kriegen, aber er hat damit auch seine eigene Runde kaputt gemacht." Alonso stichelt zurück: "Es gibt viele Klassen von Fahrern in der Formel 1. Und dann gibt es die Haas-Fahrer ..."

Die ersten Überraschungen hatte es schon in Q1 gegeben. Grosjean mogelte sich gerade so durch, hauchdünn vor Sergio Perez (Force India). Und auch Charles Leclerc (Sauber), dem man aufgrund des Ferrari-Motors und der starken FT3-Leistung mehr zugetraut hatte, flog als 17. früher als erwartet raus. Zwei dicke Überraschungen!

"Ich verstehe das nicht, ehrlich nicht", war Leclercs erste Reaktion am Boxenfunk. Er lag nur 0,001 Sekunden hinter Perez, und der wiederum nur 0,001 Sekunden hinter Grosjean - knapper geht's nicht! Perez hatte sich schlicht und einfach verspekuliert. Im Glauben, er sei schon sicher durch, fuhr er am Ende des ersten Qualifyings keine weitere schnelle Runde mehr.

 

Foto:

Brendon Hartley (Toro Rosso), Marcus Ericsson (Sauber) und Stoffel Vandoorne (McLaren) hingegen schieden erwartungsgemäß in Q1 aus. Für Vandoorne ist es nach P20 im Heim-Qualifying in Spa der zweite letzte Platz und die 19. Niederlage gegen Teamkollege Alonso hintereinander.

In der letzten Reihe stehen sie aber nicht: Nico Hülkenberg (Renault) und Daniel Ricciardo (Red Bull) hatten sich zwar für Q2 qualifiziert, fuhren dort aber keine Rundenzeit mehr - weil sie wegen Grid-Strafen im Rennen ohnehin ganz hinten losfahren müssen. Kurios: Ericsson rückt dadurch trotz Plus-Zehn-Strafe vom 19. auf den 18. Startplatz auf.

Im Jubel um die Räikkönen-Pole wäre übrigens fast untergegangen, dass der Finne mit seiner Bestzeit gleich zwei Meilensteine erreicht hat. Erstens fuhr er mit 263,588 km/h Schnitt die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten - der alte Montoya-Rekord aus dem Jahr 2004 ist Geschichte. Und zweitens ist er jetzt mit seinen 38 Jahren der älteste Polesetter seit Nigel Mansell (Williams) in Adelaide 1994. Mansell war damals 41 Jahre alt.

Die Chance auf den ersten Ferrari-Sieg seit Alonso 2010 lebt mit der Doppel-Pole mehr denn je. Räikkönen, stoisch ruhig: "Die Pole ist toll für morgen. Aber es ist noch nicht mal die Hälfte der Arbeit erledigt." Sollte er den ersten Platz ins Ziel bringen, wäre es sein erster Grand-Prix-Sieg seit Melbourne 2013, damals noch auf Lotus.

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