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Analyse

Formel-1-Motor 2031: Es geht um Macht und die Zukunft der Serie

In einer Formel 1, die immer wohlhabender und wirtschaftlich unabhängiger wird, wollen FIA und Liberty Media den politischen Einfluss der Hersteller verringern

Formel-1-Motor 2031: Es geht um Macht und die Zukunft der Serie

FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem und Formel-1-Boss Stefano Domenicali

Foto: LAT Images

Es geht nicht nur um Technik. Hinter der Debatte über den Motor, der die Formel 1 der Zukunft antreiben wird, steckt viel mehr. In den vergangenen fünf Jahren ist das finanzielle Wachstum der Serie rasant gewesen: von 2,1 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2021 auf 3,9 Milliarden im Jahr 2025.

Diese Entwicklung hat das Gesamtbild drastisch verändert. Die Formel-1-Teams sind zu Unternehmen geworden, die Jahresabschlüsse mit Gewinnen vorweisen können, die in einigen Fällen 100 Millionen Dollar übersteigen - Zahlen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.

Die Entscheidung für die aktuelle Motorenformel, die seit diesem Jahr greift, entstand in einer ganz anderen Formel 1 als der heutigen, die noch stark von den Beiträgen der Hersteller abhängig war, die lange Zeit für das Überleben der Meisterschaft entscheidend waren.

Der Kompromiss, der zur aktuellen Powerunit führte, entstand aus der Notwendigkeit heraus, nach dem Rückzug von Honda (das später doch zurückkehrte) und Renault neue Automobilgiganten einzubinden. Aus Angst, am Ende nur mit Ferrari und Mercedes am Tisch zu sitzen, akzeptierte die Formel 1 eine Reihe von Zugeständnissen.

Kurzfristig erwies sich diese Strategie als erfolgreich: Honda kehrte zurück, Audi kündigte seinen offiziellen Einstieg an und Red Bull startete sein eigenes Motorenprojekt - eine Entscheidung, die teilweise aus Mangel an glaubwürdigen Alternativen getroffen wurde.

Formel 1 nicht mehr im Würgegriff der Hersteller

Fünf Jahre später hat sich das Bild jedoch verändert. Die neue Powerunit hatte keinen besonders gelungenen Start, und vor allem ist die Formel 1 nicht mehr in gleichem Maße auf die finanziellen Beiträge der Hersteller angewiesen.

Kürzlich erinnerte FIA-Formelsportdirektor Nikolas Tombazis daran, dass die Hersteller, die 2021 an der Definition der zweiten Generation von Powerunits beteiligt waren, überzeugt waren, dass Verbrennungsmotoren mittelfristig verschwinden würden.

Die elektrische Transformation schien unvermeidlich, doch fünf Jahre später hat sich diese Prognose nicht bestätigt. Die in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen führten dazu, dass Tombazis einen klaren Punkt formulierte: "Wir müssen den Sport vor der globalen makroökonomischen Lage schützen."

"Das bedeutet, dass wir nicht Geisel der Entscheidung von Automobilkonzernen sein dürfen, ob sie Teil unseres Sports sein wollen oder nicht", so Tombazis. Der Automarkt kann sich in Richtungen entwickeln, die nicht unbedingt mit dem übereinstimmen, was für die Formel 1 am besten ist.

Und während der Sport in der Vergangenheit gezwungen war, den Forderungen der Hersteller nachzugeben, um lebenswichtige Finanzierungen nicht zu verlieren, kann er heute mit einer ganz anderen Stärke verhandeln, gestützt durch die Rekordeinnahmen der letzten Jahre.

Weg für unabhängige Hersteller wäre frei

Hinter der Entscheidung zwischen einer elektrifizierten Powerunit oder einem Saugmotor-V8 mit KERS steckt eine klare Absicht: die Zukunft der Formel 1 ausschließlich an den Interessen des Sports auszurichten.

Formel 1 und FIA, in diesem Fall auf einer Linie, haben heute die Möglichkeit, die Spielregeln selbst festzulegen. Der Austausch mit den Herstellern wird es natürlich geben, aber die OEMs (Motorenlieferanten) werden deutlich weniger Einfluss haben als in der Vergangenheit.

Die Idee, alles zwischen Tank und Getriebe zu vereinfachen, bringt viele Vorteile: die Entwicklung eines Antriebs, der besser fürs Racing geeignet ist, und eine deutliche Kostenreduzierung.

Doch der entscheidende Punkt ist wahrscheinlich ein anderer: Eine weniger komplexe Powerunit würde auch unabhängigen Projekten den Weg ebnen - nach dem Vorbild von Cosworth, das über mehr als zwanzig Jahre eine zentrale Rolle in der Formel 1 spielte.

Ein privater Hersteller könnte einen konkurrenzfähigen Antrieb entwickeln und Kundenteams zur Verfügung stellen. Es wäre eine Art Absicherung für den Fall, dass ein Werksteam plötzlich aussteigt.

Verlieren die Werksteams an Einfluss?

Es gibt zudem noch einen weiteren Aspekt, weniger sichtbar, aber nicht weniger wichtig. Heute befinden sich Kundenteams bei Abstimmungen in der Formel-1-Kommission oft in einer untergeordneten Position.

Die Lager sind klar: Wer einen Liefervertrag unterschreibt, richtet sich in der Regel nach der Position des Herstellers, der die Powerunit liefert. Die Aussicht auf eine echte Alternative würde die politischen Kräfteverhältnisse grundlegend verändern und den Einfluss der Werksteams verringern.

Wird dieses Szenario tatsächlich eintreten? Eine erste Antwort wird die Entscheidung über die Motorenregeln für 2030 oder 2031 liefern. Setzt sich erneut eine stark elektrifizierte Hightech-Philosophie durch, wenn auch in abgeschwächter Form, bedeutet das, dass die Hersteller ihren Status quo bewahren konnten.

Wird hingegen eine deutlich einfachere und auch für unabhängige Hersteller zugängliche Lösung gewählt, könnte die Formel 1 in eine völlig neue Ära eintreten. Die Werksteams würden weiterhin eine zentrale Rolle spielen, doch ihr Einfluss auf die politische und technische Ausrichtung des Sports könnte deutlich zurückgehen.

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