Formel 1: Müssen Teams von Mercedes auf Not-Sprit setzen?
Die Homologation des Sprits ist aufgrund neuer Vorschriften in diesem Jahr deutlich schwieriger - Bekommt Mercedes-Partner Petronas das jetzt zu spüren?
Petronas ist der Spritlieferant der Mercedes-Teams
Foto: LAT Images
Im Fahrerlager von Sachir kursiert das Gerücht, dass sich Mineralölkonzern Petronas in einem echten Wettlauf gegen die Zeit befindet. Es geht um die Zertifizierung und Homologation des nachhaltigen Kraftstoffs, mit dem die Teams mit Mercedes-Motoren in der Formel 1 2026 antreten sollen, die noch nicht endgültig vorliegen soll.
Bis zum vergangenen Jahr wurden fossile Kraftstoffe in einem britischen Labor getestet und zertifiziert, das mit der FIA zusammenarbeitet. Die Hersteller mussten lediglich eine Probe einsenden, um von der FIA die Bestätigung zu erhalten, dass der Sprit dem technischen Reglement entspricht. Das war ein relativ unkompliziertes Verfahren, das nicht länger als zwei oder drei Wochen dauerte.
Mit der Einführung der nachhaltigen Kraftstoffe ist der Homologationsprozess deutlich komplexer geworden. Die FIA hat die Zertifizierung an eine externe Stelle delegiert: das britische Unternehmen Zemo. Diese ist nicht nur damit beauftragt, das Endprodukt zu analysieren, sondern auch den gesamten Produktionsprozess zu überwachen.
Ab diesem Jahr unterliegt die gesamte Lieferkette der Inspektion. Mitarbeiter der Zertifizierungsstelle besuchen die Produktionsanlagen direkt vor Ort, um sicherzustellen, dass jeder Schritt den Kriterien des FIA-Reglements entspricht. Dabei werden auch die Zertifizierungen einzelner Moleküle und aller an der Lieferkette beteiligten Partner genau unter die Lupe genommen.
Dies ist ein komplexes und zwangsläufig langwieriges Verfahren. Besonders in der ersten Saison des neuen Systems sind Verzögerungen bei der Zertifizierung - auch seitens der Partnerunternehmen - nicht auszuschließen.
Das FIA-Reglement ist hier besonders streng: Die Einführung nachhaltiger Kraftstoffe ist eine der tragenden Säulen des neuen 2026er-Regelwerks, und der Verband will seine Glaubwürdigkeit und sein Image durch rigorose Kontrollen schützen.
Bisher gibt es keine offiziellen Statements der beteiligten Parteien. Die Möglichkeit, dass die acht Boliden mit Petronas-Sprit in Melbourne gar nicht erst ausrücken können, weil kein zugelassener Kraftstoff vorliegt, gilt als ausgeschlossen.
Sollte die finale Mischung jedoch nicht rechtzeitig für das Australien-Wochenende genehmigt werden, könnten Mercedes, McLaren, Williams und Alpine gezwungen sein, auf einen vorläufigen Kraftstoff auszuweichen.
Falls beispielsweise die Zertifizierung für eine bestimmte Komponente fehlt, erlaubt das Reglement den Teams, mit einer Mischung an den Start zu gehen, die diesen Stoff weglässt und ausschließlich aus bereits homologierten Elementen besteht.
Aktuell lässt sich jedoch unmöglich vorhersagen, welche Strategie Petronas verfolgen würde, sollte die Genehmigung der Zertifizierungsstellen nicht rechtzeitig eintreffen.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.