Formel-1-Revival in Kyalami? "Kosten sind abschreckend"

Rennstrecke in Kyalami, Südafrika, würde Formel-1-Comeback begrüßen, allerdings scheitert es an der Finanzierung - Kapstadt-Straßenrennen ein "Wunschtraum"

Am 14. März 1993 fuhr Alain Prost als Sieger des Südafrika-Grand-Prix in Kyalami über die Ziellinie. Es sollte das bisher letzte Rennen auf der geschichtsträchtigen Rennstrecke sein. Der Formel-1-Zirkus liebäugelte immer wieder mit einer Rückkehr, bereits einmal schaffte das Rennen ein kurzes Comeback. 1985 sollte das endgültig letzte Mal auf der 4,522 Kilometer langen Strecke gefahren werden, 1992 und 1993 folgten zwei weitere Rennen. Nach der Übernahme und umfangreichen Renovierung der Strecke in den vergangenen drei Jahren, ist man nun nicht mehr weit von einem Formel-1-Status entfernt. Dennoch stehen die Zeichen nicht auf Rückkehr.

"Kyalami würde die Formel 1 auf der Strecke wieder willkommen heißen", erklärt Christo Kruger, Sprecher der Strecke, gegenüber 'Motorsport.com'. "Es gibt eine lange Tradition, die wir fortführen wollen. Ich denke auch, dass der afrikanische Kontinent ein Formel-1-Rennen verdient." Denn seit dem Formel-1-Ausstieg 1993 veranstaltete die Weltmeisterschaft keinen Lauf mehr auf dem Kontinent.

 

Ingwe-Kurve
Ingwe-Kurve

Foto Kyalami Circuit

 

Das Grundproblem bleibt bestehen: "Die abschreckend hohen Kosten sind das Schreckgespenst." Mit der aktuellen Struktur der Formel 1 sei eine Austragung derzeit finanziell gesehen "einfach nicht umsetzbar". Der neue Eigentümer Toby Venter, Ex-Rennfahrer und Porsche-Importeur, ersteigerte die Strecke 2014, danach ließ er ab Mai 2015 umbauen. Derzeit hält der Kurs eine Grad-2-Lizenz, für ein Formel-1-Rennen würde eine Grad-1-Lizenz benötigt werden. Man sei von Seiten der Streckenbetreiber bereit, den Kurs zu verändern und ein Upgrade durchzuführen.

Strecke für Formel 1 "schmackhaft" machen

"Kyalami bleibt als Anlage bestehen. Wir sind bereit, in Gespräche und Verhandlungen zu gehen, um die Strecke für die Formel 1 schmackhaft zu machen." FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat sich bereits selbst ein Bild von der neuen Anlage gemacht, er besuchte Kyalami im Jahr 2015. Es müssten nur kleinere Veränderungen durchgeführt werden, um eine Grad-1-Lizenz zu erhalten, versichert Kruger. Dafür fordert man allerdings ein klares Bekenntnis zu einer langfristigen Zukunft der Formel 1 in Südafrika.

Die Streckenbetreiber werden selbst allerdings nicht als Promoter eines Formel-1-Rennens auftreten, dazu fehlen die finanziellen Mittel. Sollte sich ein externer Promoter finden, müsste dieser die Rennstrecke mieten und alle Vorkehrungen, wie etwa Sicherheitsbestimmungen oder Tribünen für die Zuschauermassen, treffen. "Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Promoter für ein Event dieser Größenordnung zu sein", so Kruger.

 

Podium: 1. Alain Prost, Williams; 2. Ayrton Senna, McLaren; 3. Mark Blundell, Ligier
Podium: 1. Alain Prost, Williams; 2. Ayrton Senna, McLaren; 3. Mark Blundell, Ligier

Foto Sutton Images

 

Mit rund 80.000 Fans müsste an einem Rennwochenende gerechnet werden. Derzeit sind für diese Massen keine Tribünen an der Strecke vorhanden, auch Parkmöglichkeiten müssten geschaffen werden. Eine Möglichkeit wären Shuttlebusse zur Rennstrecke. Dass ein Comeback des Grand Prix durchaus gut bei der Bevölkerung ankommen würde, davon ist der Streckensprecher überzeugt.

"Ich denke nicht, dass es schwierig sein dürfte, Formel-1-Tickets in Südafrika zu verkaufen." Ein erschwinglicher Preis sei aber Voraussetzung. Geprägt sind die Südafrikaner was Großprojekte betrifft durch die finanziellen Schwierigkeiten nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, die die Suche nach einem lokalen Promoter mit staatlicher Finanzspritze erschweren dürfte.

Fokus auf Festivals & lokale Serien

"Die Anlage hier ist exzellent, die Strecke ist in einem ausgezeichneten Zustand. Außerdem könnte mit der langen Tradition eine effektive Bewerbung funktionieren. Wir haben nur einfach nicht die Ressourcen, um als Promoter für jegliche Rennserie aufzutreten." Deshalb konzentriert sich Kyalami auf die Austragung von kleineren lokalen Rennserien und Veranstaltungen rund um den Motorsport. "Wir wollen die Strecke noch geeigneter und zugänglicher für Konferenzen machen. Wir konzentrieren uns auf Motorsport-Festivals und andere Veranstaltungen." Am 24. März findet beispielsweise das Kyalami Motorsport Festival statt, im Mai wird ein eigenes Biker-Festival veranstaltet.

Auch ein Straßenrennen in Kapstadt war im Gespräch als Alternative zur Rennstrecke in Kyalami, allerdings schätzt Kruger die Chancen dafür noch geringer ein als eine Formel-1-Rückkehr auf die Rennstrecke. "Ich denke, das Straßenrennen in Kapstadt ist ein Wunschtraum. Die Leute verstehen nicht, dass es einen speziellen Asphalt braucht. Man kann nicht einfach nur die Autos von der Straße entfernen und dort dann ein Rennen veranstalten."

 

Start: Nigel Mansell, Williams FW10, führt
Start: Nigel Mansell, Williams FW10, führt

Foto LAT Images

 

Die Kosten für die Infrastruktur in Kapstadt würden die Miete für die Kyalami-Strecke übersteigen. "Außerdem entsteht weniger Beeinträchtigung, wenn man auf einer bereits existierenden Strecke fährt, die für solche Events ausgerichtet ist, als in einer Stadt, die niemals dafür angedacht war."

Demnach wird Alain Prost in naher Zukunft weiterhin der letzte Sieger in Kyalami bleiben. Bereits 1967 feierte die Formel 1 ihre Südafrika-Premiere, bis 1985 wurde in jeder Saison dort Halt gemacht. 1992 und 1993 kam man für zwei Rennen wieder zurück. Mit drei Triumphen ist Niki Lauda der erfolgreichste Pilot auf dem Kurs gewesen, Ferrari konnte als bester Konstrukteur vier Rennen gewinnen.

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Tags formel 1, kyalami, südafrika