Formel-1-Sportchef Brawn: Werden Sprintrennen "nie durchdrücken"

Warum die Formel 1 ihr Sprintrennen-Konzept nicht um jeden Preis zum festen Bestandteil einer Grand-Prix-Veranstaltung machen wird und wo die Interessen liegen

Formel-1-Sportchef Brawn: Werden Sprintrennen "nie durchdrücken"

Noch ist das erste Formel-1-Sprintrennen nicht gefahren. Die Frage, wie das Format über die Saison 2021 verwendet werden könnte, beschäftigt vor allem die Fans aber schon jetzt. Doch Formel-1-Sportchef Ross Brawn versichert: "Wir werden das nie durchdrücken, wenn es klarerweise kein Erfolg ist." Sprich: Die Formel 1 will nicht um jeden Preis an ihrem sogenannten Sprintqualifying festhalten.

Worauf also kommt es Brawn und seinen Mitstreitern beim Experiment Sprintrennen an? Der frühere Teamchef erklärt, man wolle den Fans einen Mehrwert bieten, sie mit zusätzlicher Action unterhalten. "Wenn wir aber keine Vorteile darin sehen, dann bringt es nichts", meint Brawn.

Er hält die Herangehensweise der Formel 1, die Sprintrennen in diesem Jahr bei drei ausgewählten Veranstaltungen zu erproben, für äußerst sinnvoll. "Das Gute ist: Es passiert nicht über eine komplette Saison hinweg", sagt Brawn.

Brawn: Regeländerungen gingen auch schon nach hinten los

"In der Vergangenheit hatte die Formel 1 stets Probleme bei Regelanpassungen, weil diese theoretisch für die komplette Saison galten. Wir alle erinnern uns an das Qualifying-Fiasko von vor ein paar Jahren. Zum Glück bekam man das während der Saison noch in den Griff."

Damit verweist Brawn auf das Qualifyingformat, das zur Saison 2016 neu eingeführt wurde, wobei nach einer gewissen Zeit einzelne Fahrer jeweils im Minutentakt ausschieden. "Da hatte es schon vorab geheißen, es könnte Schwierigkeiten geben, und genau das ist auch eingetreten", meint Brawn. In der Tat: Nach wenigen Wochen kehrte die Formel 1 zum bewährten Modus zurück.

Diesen Fehler will man nicht wiederholen. Brawn spricht in Sachen Sprintrennen von einer Erprobungsphase in der laufenden Saison. Und er sagt auch: "Ist es nicht erfolgreich und kriegen wir nicht die Rückmeldung, die wir uns erhoffen, dann bleiben wir bei dem, was wir haben, und wir schauen uns andere Ansätze an."

Wenn es ankommt: Das schwebt Brawn für 2022 vor!

Für den Fall, dass die Rückmeldung positiv ausfällt, stehen Brawn und Co. vor der schwierigen Aufgabe, die Grands Prix auszuwählen, für die ein Sprintqualifying einen Mehrwert bieten könnte. Denn Brawn glaubt: Das Konzept funktioniert nicht überall. Und: Man werde es auch nicht meistbietend an Veranstalter verkaufen.

Unterm Strich sei es wahrscheinlich ein Thema für "Stefano [Domenicali] und mich sowie ein, zwei andere", sagt Brawn. Dieses Gremium werde "Vorschläge für die Hauptkandidaten" machen. "Auch die Teams werden da mitreden. Es wird ein Kompromiss", meint Brawn. Er erhofft sich aber "kommerzielle Vorteile" durch Sprintrennen. "Das wäre ein stärkeres Argument, dass die Teams es machen wollen."

Doch Brawn betont nochmals: Die Formel 1 sei nicht versessen darauf, ihr Sprintrennen-Format flächendeckend auszurollen. "Denn wenn wir auf Strecken gehen, wo es nicht funktioniert und wir im Großen und Ganzen keinen Vorteil davon haben, dann ist das Thema schnell erledigt."

"Wir müssen also auf Strecken gehen, auf denen wir den Wert des Formats und dessen Vorzüge beweisen können. Das ist der Ausgangspunkt", sagt Brawn. Hier alle Details zum Sprintrennen der Formel 1 abrufen!

2021 gibt das Sprintqualifying der Formel 1 in Silverstone sein Debüt. Anschließend wird es wohl auch in Monza ausgetragen sowie bei einem dritten, noch zu benennenden Grand Prix in der Übersee-Saison.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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