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Formel-1-Teamchef Franz Tost: "Es ist gespenstisch" in Italien

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Formel-1-Teamchef Franz Tost: "Es ist gespenstisch" in Italien
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19.03.2020, 09:26

AlphaTauri-Teamchef Franz Tost schildert seine Erfahrungen mit der Coronavirus-Situation in Italien und erklärt die Auswirkungen auf seinen Formel-1-Rennstall

"Es ist wirklich unheimlich", meint Franz Tost. Er muss es wissen: Als Teamchef von AlphaTauri mit Sitz in Faenza bei Bologna erlebt Tost die Coronavirus-Situation in Italien hautnah mit. Über die aktuelle Ausgangssperre etwa sagt er bei 'Speedweek': "Es ist gespenstisch."

"Du siehst aus dem Fenster auf die Straße und keine Menschenseele ist zu entdecken. Wir sind es hier in Italien gewohnt, dass sich die Leute gerne im Freien aufhalten, Italiener sind ohnehin gesellige Menschen", so Tost.

All das aber finde derzeit nicht statt, die Lage sei betont "ungewöhnlich", wie der Formel-1-Teamchef weiter erklärt. "Man sieht hier auch niemanden auf der Straße. Das gesamte Leben findet bei den Leuten zuhause statt. Du darfst die Ausgangssperre nur umgehen, wenn du Lebensmittel einkaufst oder zur Apotheke, zum Arzt oder zur Arbeit gehst."

AlphaTauri hatte Vorkehrungen getroffen

Apropos Arbeit: Theoretisch wäre der AlphaTauri-Rennstall voll einsatzbereit. "Alle im Team sind gesund", sagt Tost. "Wir hatten zum Glück bislang keinen Fall einer Infektion." Das führt Tost auch auf "sehr strikte Regeln von Anfang an" zurück.

 

Seine Mannschaft habe sich bereits bei den Wintertests abgeschottet und zum Beispiel Mitarbeiter aus den schon damals gefährdeten Regionen gleich komplett zuhause gelassen. "Dann haben wir [auch] sämtliche Besuche gestrichen, sowohl was Lieferanten betrifft als auch Gäste. Damit haben wir uns ein wenig isoliert. Bislang hat sich das bewährt", meint Tost.

Doch Tost und AlphaTauri haben sich natürlich trotzdem an die Öffentlichkeit gewagt und flogen nach Melbourne zum Auftaktrennen der Formel 1 in Australien, das schließlich kurz vor Trainingsbeginn abgesagt wurde - nach einer Coronavirus-Infektion im Fahrerlager.

Der Heimweg als Herausforderung

Tost spricht von einem "unangenehmen Gefühl", das ihn in diesen Tagen beschlichen habe. "Es gab so viele Fragezeichen, wie ich sie in diesem Ausmaß vor einem Formel-1-Rennen noch nie erlebt habe. [Dabei] waren wir für den Saisonstart gut gerüstet."

Doch statt mit einem Grand Prix sahen sich Tost und seine AlphaTauri-Kollegen plötzlich mit einer "problematischen" Rückreise nach Europa konfrontiert. Es habe "einige Hindernisse" gegeben, weil viele Durchgangsstationen und vor allem auch Italien Einreisebeschränkungen erlassen hatten.

"In Italien wurden fast alle Flüge nach Bologna gestrichen", berichtet Tost. "Ein Großteil der Mannschaft ist dann von Melbourne via Dubai nach Nizza geflogen und von dort mit dem Bus nach Faenza gefahren." Er selbst habe "einen der letzten Flüge" nach Rom erwischt.

Der eigentliche Plan für AlphaTauri

Zurück in Italien ist für alle Mitglieder des Rennteams die Situation identisch: Quarantäne, "um keine Ansteckung der Kollegen im Werk zu riskieren", sagt Tost.

Deshalb hätte die Mannschaft nach dem Auftaktrennen in Australien gar nicht erst nach Italien zurückreisen, sondern nach einem Zwischenstopp in Bahrain direkt weiter nach Vietnam fliegen sollen.

"Wir hatten schon geahnt, dass es zwischen den Rennen kaum möglich sein würde, nach Italien zurückzujetten und das Land zum nächsten Grand Prix wieder verlassen zu dürfen", meint Tost. "Dann aber sind wir von den Ereignissen überholt worden." Aktuelle Entwicklungen und Motorsport-Absagen in unserem Coronavirus-Ticker abrufen!

Mit Bildmaterial von LAT.

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Urheber Stefan Ehlen