Formel-1-Teamchefs einig: Wir müssen auf die Fans hören!

In einer Umfrage von Motorsport Network können Fans die Zukunft der Formel 1 mitbestimmen: Teamchefs finden Meinung der Zuschauer wichtig

Formel-1-Teamchefs einig: Wir müssen auf die Fans hören!

Die Teamchefs der Formel 1 sind sich einig, dass die Verantwortlichen bei zukünftigen Regeln darauf hören müssen, was die Fans zu sagen haben. Erst vor kurzem wurde eine von Motorsport Network organisierte und von der Formel 1 unterstützte Umfrage gestartet, in der Fans ihre Meinung zur Zukunft der Königsklasse mitteilen können.

Die Formel 1 befindet sich derzeit im Wandel: 2022 hält ein völlig neues Technisches Reglement Einzug, andere Ideen wie das Sprintformat werden bereits ausprobiert. In Monza vor zwei Wochen fand das zweite Sprintrennen der Geschichte statt - und löste gemischte Reaktionen aus.

"Wir müssen auf die Fans hören", sagt Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer. "Darum geht es bei uns. Ohne die Fans wäre der Sport ein anderer. Wir müssen auf sie hören, sie sind unser Publikum - und das müssen wir zufriedenstellen. Wir müssen erst die feineren Punkte von dem verstehen, was die Fans wollen - und dann müssen wir es ihnen geben."

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto stimmt zu, dass es wichtig ist, dass sich der Sport die Ergebnisse genau anschaut: "Umfragen sind immer wichtig, weil man Feedback bekommt", sagt er. "Noch wichtiger ist aber, das Feedback und die Ergebnisse sorgfältig zu analysieren, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und eventuell Maßnahmen zu ergreifen."

Er sagt: "Umfragen sind sicherlich wichtig, aber noch wichtiger ist, was man damit macht."

Vasseur: Teams haben großes Ganzes nicht im Blick

Laut Frederic Vasseur, dem Teamchef von Alfa Romeo, sind die Teams manchmal so mit ihrem Alltagsgeschäft beschäftigt, dass sie manchmal das große Ganze nicht mehr sehen: "Es ist sinnvoll, weil wir am Ende des Tages alles für die Fans machen", sagt der Franzose. "Es ist sinnvoll zu wissen, was sie erwarten."

"Manchmal ist unsere Sicht sehr auf den Rennsport fokussiert, weil wir vielleicht zu sehr in unser tägliches Geschäft involviert sind. Aber es ist sinnvoll, über ihre Gefühle zu reden, und dann schauen wir, was wir machen können, um die Erwartungen zu erfüllen", so Vasseur weiter.

"Vom Kommandostand aus hat man manchmal das Gefühl, dass die Fans immer gleich sind. Aber die Zuschauer entwickeln sich, vor allem mit der neuen Kommunikation und so weiter. Wir müssen verstehen, wer da auf den Tribünen sitzt", betont er.

Capito: Sport über Gimmicks

Williams-Teamchef Jost Capito glaubt derweil, dass die Fans eher sportliche Integrität als irgendwelche Gimmicks wollen: "Der ganze Sport ist da, um die Fans zu unterhalten. Was immer wir auch tun, sollte auf dem basieren, was die Fans sehen wollen." Mit einem Nachsatz: "Solange es für einen echten Sport angemessen ist."

Jost Capito, CEO, Williams, and Jean Todt, President, FIA, on the grid

Jost Capito, CEO, Williams, and Jean Todt, President, FIA, on the grid

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

Denn wenn die Fans einfach sagen würden, dass sie Reverse-Grid-Rennen oder mehr Unfälle haben wollen, dann wäre das für den Deutschen nicht richtig. "Aber ich bekomme das Feedback, dass die Fans sehr sportorientiert sind. Und ich bin sicher, dass die Fans wollen, dass die Besten gewinnen - keine Lotterie."

Ein Experiment, das für Capito aber Zukunft haben könnte, ist die Helmkamera, die George Russell in Monza fuhr: "So etwas muss ausprobiert werden, und dann sollte es bei allen im Auto sein", sagt er. "Alles, was die Unterhaltung verbessert und mehr Informationen liefert, ist gut."

Budkowski warnt vor falschen guten Ideen

Alpine-Direktor Marcin Budkowski warnt jedoch, dass neue Ideen erst ausführlich getestet werden müssen, bevor sie angenommen werden. Denn manchmal erreicht man damit nicht das, was die Fans sich erhoffen.

"Wir sind hier für die Fans und dank der Fans", sagt er. "Wenn niemand den Sport schauen würde, hätten wir alle hier keinen Job. Und es wäre sinnlos, wenn wir nur für uns selbst fahren würden. Dann hätten wir das Thema verfehlt."

"Wir müssen aber aufpassen, weil es manchmal falsche gute Ideen gibt, die ausführlich studiert werden müssen. Wir werden immer die Teams, die FIA oder die Formel 1 brauchen, um Ideen zu studieren", sagt er und bringt ein paar Beispiele.

"Viel wurde über neue Reifenregeln gesprochen oder darüber, das Nachtanken wieder einzuführen", so Budkowski. "Aber wenn man sich das mit Strategen genau anschaut, dann sind das falsche gute Ideen, weil sie die Show überhaupt nicht verbessern."

"Wir müssen auf die Fans hören, aber auch vorsichtig sein, nicht einfach nur Dinge einzuführen, die die Fans wollen, die aber eigentlich nicht funktionieren, wenn man sich die Daten anschaut. Das ist das einzige, wo wir aufpassen müssen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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