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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Formel-1-Technik 2021: Ferrari und Williams treten der "Z-Gang" bei

Der Z-förmige Unterboden macht Schule: Auch Ferrari und Williams schneiden mehr Fläche weg als nötig - Nur noch drei Teams mit konventioneller Lösung

Formel-1-Technik 2021: Ferrari und Williams treten der "Z-Gang" bei

Drei Wochen nach dem Saisonauftakt zur Formel-1-Saison 2021 scheint sich langsam ein Unterbodenkonzept durchzusetzen. War das Feld beim Großen Preis von Bahrain 2021 noch genau 50:50 gesplittet, so steht es beim Emilia-Romagna-Grand-Prix nun 70:30.

Mit Ferrari und Williams haben zwei Teams ihr altes Unterbodenkonzept aufgegeben. Sie haben den schrägen, diagonalen Ausschnitt der Fläche vor dem Hinterreifen aufgegeben und sich dem Konzept angeschlossen, das mehr Unterbodenfläche wegschneidet, als eigentlich nötig wäre.

Die Konzepte beim Bahrain-Grand-Prix im Vergleich

In der Formel 1 galt schon immer: Wenn es eine Regeländerung gibt, kann ein Team sich entweder an die klassische Interpretation des Reglements halten oder versuchen, einen eigenen Weg zu gehen, um Performance zu finden.

Der Z-Unterboden ist eine kreative Lösung, die ungeliebte Diagonalform des Unterbodens zu umgehen. Diese ist unvorteilhaft, wenn es darum geht, den Unterboden seitlich zum Asphalt hin mit einer "Luftschürze" zu versiegeln.

Eine parallel zur Mittelachse des Autos laufende Linie macht das deutlich einfacher. Der Unterboden läuft bis zu einem bestimmten Punkt gerade und geht dann in die Diagonalform über - wesentlich später, als vom Reglement vorgesehen. Wo dieser Übergang liegt, ist bei jedem Team unterschiedlich und das zentrale Unterscheidungsmerkmal bei den Z-Unterböden.

Ursprünglich sollte die Regeländerung den Fahrzeugen zehn Prozent Abtrieb rauben. Doch die Teams haben einen Großteil davon schon wieder aufgeholt. Die kreativen Unterboden-Lösungen sind ein Teil davon.

Mercedes, Aston Martin, Red Bull und AlphaTauri haben sich hier über den Winter einen Vorteil erarbeitet, denn sie haben die Z-Unterböden seit den Testfahrten am Auto. Alpine kam mit leichter Verspätung beim Bahrain-Grand-Prix dazu. Alle anderen Formel-1-Teams fangen bei null an, sollten sie sich dauerhaft für den neuen Weg entscheiden.

Ferrari SF21, Unterboden

Alt und neu im Vergleich: Drei Finnen weg, dicke Finne neu

Foto: Giorgio Piola

Ferrari: Neue Form erfordert neue Finnen

Carlos Sainz setzte den neuen Z-Unterboden im ersten Freien Training in Imola ein. Charles Leclerc verwendete die klassische Lösung (Bild im Bild). Solche "Back-to-Back"-Tests sind extrem wichtig für die Teams, denn nur so lässt sich eruieren, ob die neuen Teile auch wirklich den Performance-Gewinn bringen, den die Tools in der Fabrik versprochen haben.

Von der Z-Form abgesehen, weist der neue Unterboden auch neue Aufbauten an der Oberseite auf. Das Finnen-Trio der alten Version (roter Pfeil) wurde aufgegeben. Neuer Dreh- und Angelpunkt der Luftstrom-Umleitung ist ein neues, etwas klobig wirkendes Winglet vor dem Z-Ausschnitt (blauer Pfeil).

Die Situation bei Williams ist ähnlich. Auch hier wurde ein Z-Unterboden zum zweiten Rennen der Saison eingeführt. Hier ist die Finne vor dem Ausschnitt dreigeteilt, wie wir es schon bei anderen Teams gesehen haben. Sie hilft, den Effekt des Z-Unterbodens zu verstärken. Anders als bei Ferrari sind die drei Finnen in der Mitte des Ausschnitts geblieben, die erst beim Bahrain-Grand-Prix debütiert hatten.

Wie so oft in der Formel 1 gilt auch hier: Z-Unterboden ist nicht gleich Z-Unterboden. Es gibt verschiedene Philosophien, die individuell vom einzelnen Fahrzeug abhängen. Werfen wir zum Hauptgang einen Blick die verschiedenen Z-Unterböden. Als Nachschlag gibt es die verbliebenen konventionellen Lösungen.

Lewis Hamilton, Mercedes W12

Lewis Hamilton, Mercedes W12
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Mercedes: Seit Jahresbeginn mit Z-Unterboden; ab etwa Hälfte des Ausschnitts geht der Unterboden in die Diagonalform über

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Red Bull: Ebenfalls seit Jahresbeginn mit dem Z-Unterboden ausgestattet; der Ausschnitt verläuft hier länger als bei Mercedes, erst kurz vor dem Hinterreifen Übergang in die Diagonalform

Lando Norris, McLaren MCL35M

Lando Norris, McLaren MCL35M
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

McLaren: Ein Verfechter der klassischen Philosophie - der Unterboden läuft ab Beginn des Ausschnitts diagonal nach hinten durch, wie vom Reglement ursprünglich vorgesehen

Sebastian Vettel, Aston Martin AMR21

Sebastian Vettel, Aston Martin AMR21
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Aston Martin: Die radikalste Lösung - hier ist ein Übergang in die Diagonalform gar nicht mehr auszumachen

Esteban Ocon, Alpine A521

Esteban Ocon, Alpine A521
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Alpine: Verwendet erst seit dem Bahrain-Grand-Prix den Z-Unterboden - interessantes Winglet vor dem Hinterreifen

Carlos Sainz Jr., Ferrari SF21

Carlos Sainz Jr., Ferrari SF21
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Ferrari: Der brandneue Z-Unterboden von Carlos Sainz aus dem ersten Freien Training - bisher hat die Scuderia einen vollständig diagonalen Ausschnitt wie McLaren verwendet

Pierre Gasly, AlphaTauri AT02

Pierre Gasly, AlphaTauri AT02
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

AlphaTauri: Das "milde" Z - Übergang in die Diagonalform bei etwa Hälfte des Ausschnitts

Antonio Giovinazzi, Alfa Romeo Racing C41

Antonio Giovinazzi, Alfa Romeo Racing C41
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Alfa Romeo: Klassische Lösung mit zwei auffälligen, stark nach außen geschwungenen Finnen

Mick Schumacher, Haas VF-21

Mick Schumacher, Haas VF-21
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Haas: Konzentriert sich schon stark auf 2022, deshalb ein klassischer Unterboden ohne viele Finnen

George Russell, Williams FW43B

George Russell, Williams FW43B
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Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Williams: Stellte ebenfalls in Imola auf den Z-Unterboden um - die drei Finnen am Übergang in die Diagonalform stammen noch vom klassischen Unterboden

Die Lösungen der zehn Teams im Vergleich

Mercedes machte aus seinem Unterboden ein großes Geheimnis, als der W12 präsentiert wurde. Der Bereich wurde sogar verdeckt. Als der Unterboden dann ans Tageslicht kam, zeigte sich, dass Mercedes nicht nur mehr Fläche weggeschnitten hat als nötig, sondern auch mit einem spektakulären Wellenunterboden aufwartet, der in mehrere Sektionen gesplittet ist.

Red Bull hat sich ebenfalls von Anfang an für die Z-Lösung entschieden, geht dabei aber noch aggressiver vor. Hier wurde noch mehr Unterboden weggeschnitten; der Bereich, in dem der Unterboden in die Diagonalform übergeht, ist wesentlich kleiner als bei Mercedes.

Ins Auge fallen außerdem mehrere Aufbauten auf der Oberseite, mit denen der Luftstrom so geleitet wird, dass die Performance des Unterbodens maximiert wird.

Aston Martin stellt Red Bull bei der Konsequenz der Umsetzung noch in den Schatten: Das Team aus Silverstone ist bereits bei der zweiten Iteration des Z-Unterbodens angekommen. Schon seit dem Bahrain-Grand-Prix verläuft der Ausschnitt quasi komplett gerade durch. Der Übergang in die Diagonalform ist mit dem bloßen Auge gar nicht mehr auszumachen.

Mit dieser Lösung einher geht eine ganze Reihe Aufbauten: Zwei Reihen Finnen um die Z-Sektion herum zeugen davon, dass Aston Martin auf diesem Gebiet führend ist. Allerdings verliert Aston Martin im Zuge der Regeländerungen durch die "Low-Rake"-Philosophie mehr als es gewinnt, was zu lautstarken Beschwerden Otmar Szafnauers geführt hat.

Williams FW43B, Unterboden

Bei Williams sind noch drei Finnen aus der alten Unterboden-Lösung übrig

Foto: Giorgio Piola

AlphaTauri machte bei der Präsentation gar kein Geheimnis um seinen Z-Unterboden. Es handelt sich um ein "mildes" Z mit einem deutlich sichtbaren Übergang in den Diagonalbereich etwa auf Hälfte des Ausschnitts. In Imola wartete man mit einem Sextett von Finnen vor der Ausschnittssektion auf, um den Effekt zu verstärken.

Alpine stellte schon beim Großen Preis von Bahrain auf die Z-Lösung um. Es wurde eine ganze Reihe von Lösungen getestet, vor allem im Bereich vor dem Hinterreifen. Hier sehen wir die Version mit einem klobigen Element wie bei Ferraris neuem Unterboden und den "zusammengeschmolzenen" Finnen direkt vor dem Hinterreifen.

Zu den konventionellen Lösungen: McLaren war eines der ersten Teams, die den neuen Unterboden schon während der Formel-1-Saison 2020 getestet haben. Felsenfest bleibt man in Woking von der klassischen Lösung überzeugt. Vielleicht wegen der Sponsorenaufkleber?

Alfa Romeo und Haas sind - zumindest für den Moment - ebenfalls beim Diagonalausschnitt geblieben. Haas hat bereits klargestellt, dass man sich auf die Formel 1 2022 konzentrieren möchte. Es gibt einzelne Entwicklungen für den VF-21, doch am Unterboden hat sich noch nicht sonderlich viel getan.

Weitere Co-Autoren: Matt Somerfield. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Teams Ferrari
Urheber Heiko Stritzke