Formel-1-Technik: Der Goldgriff von McLaren beim Set-up in Monza

Wie Formel-1-Team McLaren den MCL35M auf die Highspeed-Anforderungen in Monza abgestimmt hat und damit praktisch nicht zu überholen war

Formel-1-Technik: Der Goldgriff von McLaren beim Set-up in Monza

McLaren hat beim Italien-Grand-Prix 2021 in Monza seinen ersten Formel-1-Doppelsieg seit 2010 erzielt. Die fahrerische Leistung von Daniel Ricciardo und Lando Norris aber geht auch zurück auf die Abstimmung des McLaren-Mercedes MCL35M für die Highspeed-Strecke. Denn McLaren war in Monza auf den Geraden so schnell, dass die Fahrzeuge praktisch nicht überholt werden konnten.

Wie aber hat McLaren sein ohnehin aerodynamisch effizientes Rennauto für die spezielle Rennstrecke in Monza modifiziert? Das britische Traditionsteam verwendete in Italien ein besonderes Aero-Paket für wenig Abtrieb. Und dieses Set-up schauen wir uns nun etwas genauer an.

Denn wie schon bei den bisherigen mittelschnellen bis schnellen Strecken in Baku, in Spielberg und in Spa-Francorchamps hat McLaren dieses Mal einen Heckflügel mit (von vorne nach hinten) gewölbtem Hauptprofil im Einsatz. Für Monza wurde diese Konstruktion allerdings noch einmal deutlich reduziert.

Daniel Ricciardo im McLaren MCL35M mit dem speziellen Set-up für den Grand Prix von Italien der Formel 1 2021 in Monza

Der Monza-Heckflügel des McLaren MCL35M unter der Lupe

Foto: Motorsport Images

Am offensichtlichsten ist: In Monza hat McLaren den Heckflügel insgesamt flacher eingestellt. Das kleine Bild links oben zeigt im Vergleich die Version aus Spa und macht damit deutlich, wie groß der Unterschied war.

Etwas genauer hinschauen muss man für die obere Abschlusskante des Heckflügels in Monza (kleines Bild oben rechts): Diese Kante wurde nach unten versetzt, der obere Flap entsprechend in seinen Dimensionen verkleinert.

Auch am Luftwiderstand hat McLaren gearbeitet: Die Gurney-Kante, wie sie in der Spa-Variante oben links gut zu erkennen ist, sucht man bei der Monza-Version vergeblich, erneut zugunsten von mehr Topspeed auf den Geraden.

Anpassungen auch am Frontflügel von McLaren

Die Frontpartie des Fahrzeugs weist ebenfalls Monza-spezifische Anpassungen auf. Der obere Flap des Frontflügels etwa wurde von der Innenseite herkommend deutlich zusammengestutzt. Das reduzierte auch den dort entstehenden Abtrieb und sorgte für eine ausgeglicherene Balance zwischen Vorder- und Hinterachse.

Frontflügel des McLaren-Mercedes MCL35M beim Grand Prix von Italien der Formel 1 2021 in Monza

Frontflügel des McLaren-Mercedes MCL35M beim Grand Prix von Italien

Foto: Giorgio Piola

Der Pfeil im Bild markiert die Stelle, an der die Frontflügel-Flaps von einer starren Außenseite (hin zur seitlichen Endplatte) zu den verstellbaren Elementen auf der Innenseite übergehen.

Dabei handelt es sich um einen Designtrend, der schon seit einigen Jahren in der Formel 1 gepflegt wird. Die Konstrukteure teilen den Frontflügel also in unterschiedliche Abschnitte ein, damit der Flügel einerseits genug Abtrieb erzeugt, andererseits aber auch einen ausreichend großen Luftstrom um die Vorderräder herum generieren kann. Denn damit werden Verwirbelungen weiter hinten am Fahrzeug minimiert.

Die geschilderten Änderungen am Set-up des McLaren MCL35M haben dabei geholfen, den ersten McLaren-Sieg seit 2012 sicherzustellen. Norris etwa war mit dieser Abstimmung so schnell, dass er im Sprintqualifying nicht von Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und im Grand Prix nicht von Red-Bull-Fahrer Sergio Perez überholt werden konnte. Und das leistete einen entscheidenden Beitrag zum McLaren-Doppelsieg.

Weitere Co-Autoren: M. Somerfield. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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