Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Formel-1-Technik: Fünf innovative Ideen der neuen Autos 2022

Das Reglement hat die Formel-1-Designer 2022 ziemlich stark beschnitten, doch von Einheitslösungen kann in diesem Jahr keine Rede sein: Hier sind 5 Innovationen

Formel-1-Technik: Fünf innovative Ideen der neuen Autos 2022
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Die Überarbeitung des Technischen Reglements in der Formel 1 hat in dieser Saison für einige Schwierigkeiten gesorgt, da eine neue Generation von Autos eingeführt wurde, bei der die Möglichkeiten der Teams immer weiter eingeschränkt wurden.

Die restriktiveren Vorschriften in Bezug auf die Gestaltungsfreiheit ließen befürchten, dass die einzigen Unterschiede zwischen den Fahrzeugen bei den Seitenkästen zu finden sein würden. Im Laufe der Formel-1-Saison gab es jedoch eine faszinierende Mischung aus Ideen und Lösungen, die es wert sind, näher betrachtet zu werden.

Hier werfen wir einen Blick auf einige der wichtigsten Bereiche, in denen die Teams ihre eigenen Konzepte mit einigen herausragenden Entwürfen zur Entfaltung gebracht haben.

Nasen

Das neue Reglement der Formel 1 wurde nicht nur entwickelt, um engeres Racing zu fördern, sondern auch, um zu verhindern, dass die Autos hässlich aussehen.

Ein Bereich, der in den letzten Jahren von abscheulicher Ästhetik betroffen war, war das Design der Nase. Teams ergriffen teils drastische Maßnahmen, um die ihnen auferlegten Beschränkungen zu umgehen.

Der Versuch, einen Weg zu finden, mehr Luftstrom unter die Mittellinie des Autos zu leiten, führte in den letzten Jahren zu einigen kreativen Interpretationen, die von den Stufennasen-Designs der Saison 2012 bis hin zum Doppelnasen-Ansatz von Lotus 2014 reichten.

Das neue Reglement wurde so formuliert, dass ästhetisch störende Nasenformen der Vergangenheit anzugehören scheinen, auch wenn die Teams noch Zeit haben, sich diesbezüglich noch hervorzutun.

Ferrari-Nase

Die Nase von Ferrari

Foto: Giorgio Piola

Beim aktuellen Design der Nase kommt es darauf an, wie das Team das Zusammenspiel mit dem Frontflügel gestalten will, und vor allem darauf, ob die Nase mit dem Hauptflügel oder dem sekundären Flap verbunden ist.

In dieser Hinsicht haben sich mehrere Teams für modulare Konstruktionen entschieden, die ihnen die Flexibilität geben, Änderungen vorzunehmen, wenn sie in einer anderen Lösung mehr Leistung finden, ohne dass umfassende Änderungen erforderlich sind und neue Crashtests bestanden werden müssen.

Red-Bull-Nase

Auch bei Red Bull ist die innere Struktur länger

Foto: Giorgio Piola

Wie hier bei Ferrari und Red Bull zu sehen, ist die innere Struktur ihrer Nasen kürzer als die äußere Fassade, was bedeutet, dass sie zwar derzeit mit der Hauptebene verbunden sind, aber leicht geändert werden könnten.

Bib-Wing

Eine weitere Lösung, die sich schnell durchgesetzt hat und zuerst am Aston Martin AMR22 bei dessen Launch zu sehen war, ist der sogenannte "Bib-Wing".

Red-Bull-Kiel

Red Bull musste für den Bib-Wing Änderungen am Kiel vornehmen

Foto: Giorgio Piola

Er wurde von mehreren Teams so bezeichnet und von Ferrari schnell übernommen, die eine Version innerhalb einer Woche zwischen der Vorstellung des AMR22 und ihres eigenen F1-75 den strengen Anforderungen der Simulation und der Produktion unterzogen.

Andere Teams reagierten zwar nicht so schnell wie Ferrari, aber eine Variation des Designs findet sich auch bei Red Bull, Mercedes und Alpine, wobei alle auch Änderungen an der Form des Fahrzeugkiels vornahmen, um das aerodynamische Potenzial zu maximieren.

Bib-Wing beim Alpine

Der Bib-Wing am Alpine A522

Foto: Giorgio Piola

Ironischerweise stellte Aston Martin fest, dass der Bib-Wing dem neuen Konzept, das beim Großen Preis von Spanien vorgestellt wurde, keinen Leistungszuwachs brachte, sodass er vorerst vom Auto entfernt wurde.

Cockpit-Bereich

Ein weiterer Bereich, in dem wir eine Designvielfalt gesehen haben, ist das Cockpit, insbesondere beim Spiegel und dem Halo. Der Grund dafür ist, dass es hier einige wertvolle Flächen gibt, die mit Winglets versehen werden können und/oder wo die vorgefertigten Flächen für aerodynamische Vorteile umgestaltet werden können.

Verschiedene Lösungen wurden von den Teams eingeführt, von denen einige von ihren Konkurrenten in Frage gestellt wurden. Andere wiederum wurden einfach von anderen Teams beobachtet und auf ihre eigene Weise umgesetzt.

Spiegelstrebe bei Mercedes

Umstritten: Die Spiegelstrebe hat bei Mercedes keinen Unterstützungsnutzen

Foto: Giorgio Piola

Die Verwendung einer segmentierten Spiegelstrebe durch Mercedes war beispielsweise etwas umstritten, als sie bei den Tests vor der Saison erstmals zu sehen war. Aber das Reglement erlaubt solche Konstruktionen, auch wenn sie aus Sicht der Unterstützung überflüssig sind. Auch AlphaTauri setzt beim AT03 auf eine segmentierte Spiegelstrebe.

Bei Red Bull sieht man derweil kleine Winglets auf der Seite des Halos, ähnlich auch beim Alpine A522. Aston Martin hat diesbezüglich einige Lösungen probiert: zunächst hornähnliche Winglets, die dann durch einen Flügel vor dem hinteren Befestigungspunkt ersetzt wurden.

Winglets am Halo bei Aston Martin

Aston Martin hatte am Halo schon mehrere Varianten

Foto: Giorgio Piola

Auch bei Ferrari befindet sich eine Finne an einer ähnlichen Stelle, allerdings ist sie gebogen, um den Luftstrom weiter zu beeinflussen. Zu beachten gibt es auch die Finne, die etwas weiter vorne auf dem Halo angebracht ist.

Kühlpaneele

Eine interessante, aber eher nischenhafte Lösung ist beim Haas VF-22 und dem Alpine A522 zu sehen, die beide über Kühlluftschlitze im hinteren Teil der Motorabdeckung verfügen.

Alpine-Kühlung

Bei Alpine gibt es Kühlauslässe in der Mitte der hinteren Motorenabdeckung

Foto: Giorgio Piola

Es ist nicht das erste Mal, dass wir diese Art von Lösung von Teams sehen, aber es ist noch interessanter, wenn wir bedenken, dass es in dieser Saison eine Erweiterung der Kühloptionen gibt. Die Teams können nun die Wärme durch Kühlkiemen im Chassis der Seitenkästen ableiten.

Alpine hat eine ähnliche Lösung wie beim A521 gewählt, bei der ein kurzes Stück der Finne auf der Motorhaube über der hinteren Öffnung abgetrennt wurde, unter der sich drei Lamellen befinden, die die Wärmeabfuhr aus dem Innenraum steuern.

Haas-Kühlung

Auch bei Haas ist am hinteren Ende eine solche Kühlrippe zu sehen

Foto: Giorgio Piola

Bei der Lösung für den Haas VF-22 wurde die Motorabdeckung viel weiter oben am Chassis abgenommen, sodass die zwölf Lüftungsschlitze und die Haube des Wastegate-Rohrs sichtbar werden.

Beam-Wings

Der seit 2014 nicht mehr vorhandene Beam-Wing ist in dieser Saison wieder da. Die Konstrukteure können nun bis zu zwei Elemente verwenden, um dem Heckflügel strukturelle Unterstützung und aerodynamische Hilfe zu bieten.

Beam-Wing bei Red Bull

Red Bull hat seinen Beam-Wing praktisch gestapelt

Foto: Giorgio Piola

Während die meisten Teams jedoch einen konventionellen Ansatz für das Design dieser Elemente gewählt haben, ist Red Bull einen eigenen Weg gegangen und hat eine gestapelte Anordnung gewählt, bei der ein Element über dem anderen liegt.

Eine Lösung, die sich vor kurzem auch Alpine zu eigen gemacht hat, als es von einem eher konventionellen Layout zu dem anderen wechselte. Um den Luftwiderstand zu verringern, hat Red Bull in den letzten Rennen auch das oberste Element entfernt.

Weitere Co-Autoren: Norman Fischer. Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.

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