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Formel-1-Technik: Wie konnte der Stopp von Bottas 43 Stunden dauern?

Die Analyse: Was zum verkorksten Boxenstopp von Valtteri Bottas in Monaco geführt hat und wieso Mercedes das Rad erst nach 43 Stunden abbekommen hat

Ein missglückter Boxenstopp hat in Monaco für ein vorzeitiges Rennende von Valtteri Bottas gesorgt. Mercedes hat den rechten Vorderreifen nicht von seinem Auto bekommen. Erst zwei Tage später konnte der Rennstall den Reifen schließlich entfernen.

Normalerweise dauern Boxenstopps in der Formel 1 rund zwei Sekunden. Es kam daher ziemlich überraschend, dass Mercedes warten musste, bis das Auto am Dienstag in der Fabrik war. Erst mehr als 43 Stunden nach Beginn des Boxenstopps war der Reifen vom Wagen gelöst.

Was lief bei Mercedes falsch? Und was ist so besonders an dem Equipment, das ihnen Boxenstopps in unter zwei Sekunden ermöglicht? Doch es ist genau die Art und Weise, die so schnelle Boxenstopps ermöglicht, die nun im Fall von Bottas so drastisch schieflief.

Der Boxenstopp aufgeschlüsselt

Bei Mercedes arbeiten bei dem unten aufgezeigten Boxenstopp 20 Mechaniker. Zu jedem Rad gehören drei: einer nimmt das alte Rad herunter, einer setzt das neue drauf und einer nutzt den Schlagschrauber.

Lewis Hamilton

20 Mechaniker sind bei einem regulären Boxenstopp im Einsatz

Foto: Motorsport Images

Dazu kommen je ein Mechaniker mit einem Wagenheber vorne und hinten, je ein Mechaniker vorne und hinten mit einem Ersatzheber und je einer auf beiden Seiten für mehr Stabilität. Und zu guter Letzt einer mit einem Bremsschild und einer, der alles überwacht.

Zwei weitere Mechaniker kommen hinzu, wenn eine Anpassung des Frontflügels notwendig ist. Daher bewegt sich während eines Boxenstopps eine Menge Personal, das auf absolutem Topniveau sein muss und in perfekter Harmonie arbeiten muss.

Mitten in diesem Meer aus Leuten befindet sich der Fahrer, der darauf warten muss, dass die Reifen gewechselt werden, Anpassungen am Frontflügel vorgenommen werden und dass er vom Wagenheber gelassen wird, damit er losfahren kann.

Lewis Hamilton

Bei Anpassungen am Frontflügel stehen zwei Mechaniker mehr parat

Foto: Motorsport Images

Doch bevor all das passieren kann, muss er das Auto abbremsen und die Markierung mit absoluter Perfektion treffen. Schon ein paar Zentimeter daneben und er verliert eine Menge Zeit, da sich die Mechaniker erst einmal neu ordnen müssen.

Im Fall von Mercedes und Bottas scheint es, dass genau so eine kleine Positionsverschiebung der Auslöser für die Kettenreaktion war, die sein Rennen in Monaco versaut hat. Der Finne blieb etwas zu früh stehen im Vergleich zu sonst.

Die Mechaniker mussten sich etwas anders positionieren, haben es dabei aber wohl versehentlich zu stark korrigiert. Der Mechaniker mit dem neuen Rad kam mit diesem etwas zu nah, wodurch der Schlagschrauber-Mann nicht genügend Platz hatte, um sich entsprechend genau anzupassen.

Dadurch musste er den Schlagschrauber so ansetzen, dass der Griff fast in einer horizontalen Position war, anstatt 45 bis 60 Grad wie üblich. Dadurch war nicht nur die Fassung nicht korrekt zur Radmutter ausgerichtet, sie konnte auch nicht die gleichen Kräfte wie üblich übertragen.

Mercedes-Boxenstopp

Nur wenn der Schlagschrauber gerade angesetzt wird, passt das System

Foto: Motorsport Images

Weil der Schlagschrauber leicht diagonal und nicht gerade auf die Mutter gesetzt wurde, wurde das Metall maschinell abgearbeitet.

Was dann passierte, haben wir alle gesehen: Die Zähne der Mutter wurden abgerissen und ein sichtbarer Hauch von Aluminiumstaub kam rechts heraus. Trotz eines beherzten Versuchs, die Situation zu bereinigen, war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Bottas war aus dem Rennen.

Die Schlagschrauber der Teams

Man hat vielleicht gesehen, dass der Mann am Schlagschrauber mehrfach auf die Seite des Geräts schlug. Das war keine verärgerte Reaktion, sondern die Benutzung des Drehrichtungswechslers, der automatisch die Richtung verändert, wenn sich der Schlagschrauber gedreht hat.

 

Das ermöglicht unter normalen Umständen einen schnelleren Boxenstopp, da der Mechaniker einen Handgriff weniger machen muss, wenn das alte Rad runtergemacht wird und das neue draufkommt.

In so einer Situation muss der Schlagschrauber aber manuell überstimmt werden. Den Wechsler kann man im Bildhintergrund auf dem Ersatzschrauber erkennen (gelber Pfeil).

Das italienische Unternehmen Paoli rüstet das komplette Starterfeld und auch fast alle anderen Formen des Motorsports mit seinen Schlagschraubern aus. Sie wiegen rund vier Kilogramm und bringen rund 4.000 Newtonmeter Drehmoment auf.

Das heißt aber nicht, dass alle Schlagschrauber gleich sind. Jedes Team sucht sich aus dem umfangreichen Sortiment des Unternehmens seine eigenen aus und passt sie individuell an die eigenen Bedürfnisse an. Diese Bedürfnisse bestehen aus der Wahl des anderen Equipments, ergonomischen Gründen und - ganz wichtig - der niemals endenden Suche nach Performance.

Rund um die Mutter

Schon vor rund einem Jahrzehnt sind die Formel-1-Teams zu einem System mit einer sogenannten Käfigmutter ("Captive Nut") gegangen. Das soll nicht nur die Zeiten verbessern, sondern auch mit den Halterungssystemen übereinstimmen, die aus Sicherheitsgründen eingeführt wurden.

Natürlich besitzt auch hier jedes Team sein eigenes Design. Die Zähne an der Mutter sollen dabei genau zur Fassung des Schlagschraubers passen, um einer Fehlausrichtung vorzubeugen.

Mercedes-Radmutter

Links eine neue Radmutter, rechts die abgefressene alte aus Monaco

Foto: Mercedes AMG Petronas F1 Team

Radmuttern werden in vielerlei Hinsicht als verderbliches Gut angesehen. Durch die Kräfte, die auf sie wirken, ist ihre Unversehrtheit stark beeinträchtigt, wie man hier sehen kann und wie auch Mercedes-Chefstratege James Vowles im Debrief-Video erklärt.

"Es ist eine Aufprallwirkung, und die Mutter lockert sich typischerweise nach vier oder fünf Stößen", sagt er. "Bei uns wurde es etwas schräg aufgesetzt. Und weil die Fassung etwas schräg mit der Mutter verbunden war, hat sie die Kraft nicht mehr auf die ganze Mutter verteilt. Stattdessen war die Wirkung nur auf einem kleinen Bereich - und das hat das Metall sauber abgerissen."

Dass solche Probleme bei Boxenstopps aber äußerst selten auftauchen, legt den Schluss nahe, dass die Teams das Design und den Ablauf eines erfolgreichen Stopps eigentlich gut im Griff haben.

Da die Regeln für die Homologation von Teilen für 2021 sowohl das Auto selbst als auch das Equipment drumherum betreffen, kann Mercedes eventuelle Lerneffekte aus der Situation erst für das kommende Jahr zur Anwendung bringen.

Doch jedes kleinste Detail - inklusive der leichten Fehlposition von Bottas - werden analysiert werden, damit so etwas in diesem Jahr nicht noch einmal vorkommt.

Weitere Co-Autoren: Ruben Zimmermann. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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