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Feature

"Formel Wahnsinn": Ein tiefgründiges Buch, das Emotionen weckt

Zwischen Ecclestone, Schumacher und Monza erzählt "Formel Wahnsinn" die außergewöhnliche Karriere von Blick-Reporter Roger Benoit

"Formel Wahnsinn": Ein tiefgründiges Buch, das Emotionen weckt

Fotomontage: Roger Benoit neben dem Buchcover von "Formel "Wahnsinn"

Foto: Sutton Sutton

Wer so lange in der Formel 1 arbeitet wie Roger Benoit, hat nahezu alles erlebt. Daniel Leu hat diese Erlebnisse nun in einem tiefgründigen Buch festgehalten. Der Name ist Programm: "Formel Wahnsinn" als "kleine Hommage an einen großen Journalisten" (so steht es im Grußwort von Blick-Verleger Michael Ringier) weckt beim Lesen eine Vielzahl an Emotionen. Eine Auswahl.

Erstaunen: Roger Benoit war mir als langjährigem Redakteur selbstverständlich vorher schon ein Begriff. Doch dass er bereits seit 1970 in der Formel 1 tätig ist, das wusste ich offen gestanden nicht. Ein "Urgestein" ist er, so viel war mir klar.

Seine 53 (!) Rennbesuche beim Grand Prix von Italien in Monza sprechen Bände. Insgesamt hat er mehr als 800 Grands Prix vor Ort begleitet. Das allein rechtfertigt den Buchtitel, aber da kommt auf insgesamt 268 Seiten noch so viel mehr - in Wort und Bild. (Hier klicken und das Buch bei Amazon bestellen!)

Bewunderung: Als Journalist für den Schweizer Blick hat Roger Benoit gut zwei Drittel der bisherigen Formel-1-Geschichte mit eigenen Augen gesehen. So viel Verbundenheit zum Thema über so viele Jahrzehnte hinweg ist einmalig. Eine besondere Lebensleistung.

Das findet auch darin Ausdruck, wie viele - sehr prominente - Wegbegleiter zu diesem Buch beigetragen haben. Es beginnt schon beim Vorwort: Das hat "Mister Formel 1" Bernie Ecclestone höchstpersönlich verfasst. Zum früheren Serienchef hat Roger Benoit einen besonders guten Draht. Ecclestone meint: "Mit ihm rede ich über Gott und die Welt."

Weiter hinten im Buch schreiben außerdem Weltmeister wie Emerson Fittipaldi, Jackie Stewart oder Sebastian Vettel und Max Verstappen über Roger Benoit und welche Spuren er in ihren Laufbahnen hinterlassen hat. Auch (ehemalige) Arbeitskollegen berichten. Und Toto Wolff beschreibt ihn als einen "Herzensjournalisten".

So etwas liest man nicht über jeden Formel-1-Berichterstatter, schon gar nicht in dieser Ausführlichkeit. Längst nicht jeder ist "per Du" mit den Größten der Grand-Prix-Szene. Kaum jemand verfügt heute über ein solches Netzwerk. Diese Beiträge sind also eine spezielle Wertschätzung für jemanden, der seinesgleichen sucht.

Oder wie es Roger Benoit selbst formuliert: "Sagen wir es mal so: Ich laufe nicht als Nobody durchs Fahrerlager, und gewisse Leute hören gelegentlich auf meine Stimme."

Begeisterung: Roger Benoit kommt in "seinem" Buch natürlich an vielen Stellen selbst zu Wort. Und was er sagt, begeistert: Wahrscheinlich war niemand sonst bei so vielen entscheidenden Momenten selbst dabei. Oder saß nach den Rennen regelmäßig mit Michael Schumacher zusammen - auf ein Bier und eine Zigarre. "Das war eine Tradition", sagt Roger Benoit.

Es nötigt mir enormen Respekt ab, zu erfahren, wie sehr er über so viele Jahre so intensiv involviert war (und geblieben ist). Ich musste mir beim Lesen mehrfach sagen: "Ich kenne das nur aus Erzählungen oder Büchern, aber er hat das selbst erlebt!"

Nostalgie: Bei so vielen Schilderungen aus (längst) vergangenen Tagen kommt immer etwas Wehmut auf bei mir: Die Formel 1 war schon mal einfacher, zugänglicher, bodenständiger. Nicht der Milliarden-Dollar-Zirkus mit Hightech-Spielwiese für Ingenieure, der sie heute ist, sondern familiärer, natürlicher, menschlicher. Weniger getrieben.

Ich muss offen gestehen: Ich bedaure es, diese Zeit nicht selbst erlebt zu haben. Umso mehr weiß ich zu schätzen, dass Roger Benoit viele seiner Erinnerungen an diese Vergangenheit mit uns teilt. Nicht alles - das betont er mehrfach im Buch, aber viel genug, um zu erkennen: Solche Zugänge gehabt zu haben, das war etwas Besonderes.

Es war aber nicht notwendigerweise immer "gut" oder "schön" in der Formel 1: Roger Benoit hat erfahren, wie nah Triumph und Tragödie beisammen liegen können. Als am Tag nach dem Unfalltod von Jochen Rindt 1970 in Monza ein Ferrari gewann und die Zuschauer vor Freude grölten, "da verstand ich, wie brutal dieser Sport ist", erklärt Roger Benoit.

Mitgefühl: Bei all diesen Schilderungen von und über Roger Benoit schwingt bei mir nicht nur Bewunderung mit, sondern auch der Eindruck, welche Begleiterscheinungen all das haben kann. Denn wer ständig den Koffer packt und von einem Rennwochenende zum nächsten reist, dessen Privatleben bleibt unweigerlich auf der Strecke.

Dieser spezielle Lebensstil hat etwas mit Roger Benoit gemacht. Das gibt er offen zu und im Buch ebenso offen Auskunft über die etwas dunkleren Momente in seinem Leben.

Mein Fazit

Wer sich für die Formel-1-Vergangenheit interessiert, wird von diesem Buch begeistert sein. Es ist ein unterhaltsamer, aber zugleich tiefgründiger Streifzug durch die Grand-Prix-Geschichte(n), wie sie Roger Benoit selbst erlebt und teilweise mitgestaltet hat - als Reporter für den Schweizer Blick. Danach versteht man die "Formel Wahnsinn" etwas besser. Und auch den Menschen Roger Benoit.

Transparenz-Hinweis: Ein Rezensionsexemplar des Buchs wurde uns vom Autor kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Autors auf den Artikel fand nicht statt.

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