Frederic Vasseur: Darum ist ein Fehlstart in die F1-Saison 2020 fatal

Der Alfa-Romeo-Teamchef exklusiv: Welche neuen Herausforderungen auf die Teams zukommen, wenn die Formel-1-Saison 2020 einmal begonnen hat

Frederic Vasseur: Darum ist ein Fehlstart in die F1-Saison 2020 fatal

Vor Silverstone am 19. Juli, davon gehen inzwischen die meisten Teams aus, wird sich in der Formel 1 aufgrund der Coronavirus-Pandemie kein Rad drehen. Wenn die Saison 2020 einmal losgeht, wird's für die Teams (und alle anderen Beteiligten) aber stressig. So sieht zum Beispiel ein von der 'Bild'-Zeitung gedrafteter (nicht offizieller) Kalenderentwurf 15 Rennen in nur 21 Wochen vor.

Eine große Herausforderung, wie Frederic Vasseur im Interview mit 'motorsport.com' sagt: "Wenn der Shutdown einmal vorbei ist, stecken wir alle Ressourcen in die laufende Saison. Wenn wir 15 oder gar 18 Rennen direkt hintereinander haben, brauchen wir riesige Ersatzteillager. Da wird die Produktion unser Fokus sein, mehr als alles andere."

"Weil wir zwischen den Rennen ja nicht in die Fabrik zurückkehren", erklärt der Chef des Alfa-Romeo-Teams. "Es wird eine schwierige Übung. Ich gehe davon aus, dass wir während der Saison weniger Entwicklung haben werden. Aber dafür stellen sich andere Herausforderungen."

Weniger Weiterentwicklung während der laufenden Saison bedeutet auch: "Wenn du 15 oder mehr Rennen hintereinander hast, ist es natürlich umso wichtiger, von Anfang an ein gutes Auto zu haben. Denn es wäre sehr schwierig - ich sage bewusst nicht unmöglich, denn nichts ist unmöglich -, sich von einem schlechten Start zu erholen, wenn du eben nicht eine zehn Monate lange Saison hast."

Vasseur stellt klar: "Wir beschweren uns nicht"

"Das ist Tatsache", unterstreicht Vasseur. "Aber es ist eben so und wir beschweren uns nicht. Es ist eine Entscheidung, um die Formel 1 zu retten. Wir halten alle zusammen. Ich glaube, es war eine wichtige und richtige Entscheidung. Sie hat natürlich auch Nachteile. Das ist nun mal so."

Stand heute werden die Teams ihre 2020er-Autos in die Saison 2021 mitnehmen. Weiterentwicklung ist hauptsächlich im Bereich der Aerodynamik erlaubt, nicht aber im Bereich der Chassiskonstruktion.

Und: Bis die Saison 2020 zu Ende ist (das letzte Rennen könnte theoretisch auch Anfang 2021 gefahren werden), darf nicht an den 2022er-Autos gearbeitet werden (die laut Red-Bull-Teamchef Christian Horner sogar auf 2023 verschoben werden könnten).

"Hängt auch vom Kalender ab", bestätigt Vasseur das Verbot, sich in Forschung und Entwicklung mit dem Reform-Reglement auseinanderzusetzen. "Zumindest bis Saisonende" gelte dieser "Freeze". "Ob das dann der 1. Februar oder der 1. Januar ist, ist egal. Aber dass wir nicht parallel das neue Auto entwickeln und die Kosten für die Saison 2020 stemmen müssen, das ist entscheidend."

 

Vasseur spricht von "einziger Chance" für die Formel 1

"Denn wir erleben gerade eine Finanzkrise, und die zweite Hälfte des Jahres 2020 wird richtig teuer. Wenn du mehr Rennen in kurzer Zeit fahren willst, steigen die Kosten. 18 Rennen in sechs Monaten sind teurer als 18 Rennen in zwölf Monaten, weil du mehr Ersatzteile auf Lager produzieren musst, mehr Ersatzteile auf Reisen schicken musst und mehr Mechaniker brauchst."

"Zum Glück müssen wir wenigstens nicht parallel das neue Auto entwickeln. Ich glaube wirklich, dass es die beste Entscheidung war, die Regeln 2021 auf 2022 zu verschieben und die 2020er-Autos ins Jahr 2021 mitzunehmen. Bis Jahresende ist die Entwicklung ausgesetzt", sagt Vasseur. Das sei "die einzige Chance, die wir haben, uns diese Situation leisten zu können".

Das komplette Interview mit Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur wird am 3. April auf unserem Schwesterportal 'Motorsport-Total.com' veröffentlicht.

Mit Bildmaterial von LAT.

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