Frederic Vasseur spielt ADUO-Upgrades herunter
Ferrari steht vor dem Einsatz seines zweiten Motoren-Upgrades, doch Teamchef Frederic Vasseur dämpft vor dem Heimspiel in Monza die Erwartungen
Mercedes und Ferrari bringen in Monza Upgrades ihrer Motoren
Foto: LAT Images
Der ADUO-Aufholmechanismus (Additional Development and Upgrade Opportunities), durch den Power-Unit-Herstellern Upgrade-Möglichkeiten und mehr Spielraum bei der Budgetobergrenze gewährt werden, um Komponenten zu verbessern, die ansonsten eingefroren blieben, ist ein kompliziertes und spaltendes Thema.
Die Vergabe von Entwicklungschancen auf Basis einer gestaffelten Skala der V6-Motorleistung hat Tür und Tor für Spielchen und Politik geöffnet - insbesondere da Red Bull Powertrains der stärkste Motor der Formel 1 bescheinigt wurde (noch vor Mercedes), während Ferrari und die übrigen Hersteller weiter zurücklagen.
Doch ADUO ist keineswegs ein Wundermittel: Die Erlaubnis, die Homologation zu öffnen, bedeutet nicht, dass die Hersteller einen durchschnittlichen Motor während der Saison einfach in eine Rakete verwandeln können.
Motorenentwicklung ist ein langer und kostspieliger Prozess, und selbst mit dem zusätzlichen Budgetspielraum ist die Änderung von Motorenkonstruktionen im Laufe einer Saison ein riesiges Unterfangen.
Vasseur: Die Kosten sind enorm
Deshalb ist Teamchef Frederic Vasseur bemüht, vor dem zweiten ADUO-Upgrade von Ferrari beim Heim-Grand-Prix in Monza die Erwartungen zu dämpfen und gleichzeitig herunterzuspielen, wie sehr ADUO das Kräfteverhältnis wirklich verändern kann.
"Wir müssen im Hinterkopf behalten, dass ADUO zwar hilft, eine Entwicklung während der Saison aber extrem schwierig ist", erklärt Vasseur gegenüber Autosport, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. "Selbst mit ADUO und dem zusätzlichen Budget, denn die Einführung einer neuen Motorenspezifikation ist mega teuer. Die Materialkosten beim Motor sind gewaltig."
"Wenn man etwas ändert, muss man fast alles ändern. Das bedeutet: Wenn man zu Rennen zehn fährt, braucht man einen Ersatzmotor. Fährt man dann zu Rennen elf und möchte ein ADUO einführen, muss man diesen Motor plus Ersatz bereitstellen", so der Franzose.
"Jedes Mal, wenn man etwas tun möchte, sind die Kosten enorm - und die Kapazität oder Möglichkeit zur Entwicklung während der Saison ist selbst mit ADUO marginal."
Ferraris Sichtweise wird durch das Vorgehen einiger Konkurrenten gestützt. Sowohl Audi als auch Honda, die ebenfalls zwei Upgrade-Möglichkeiten zugesprochen bekamen, haben sich entschieden, nur einen ihrer beiden Homologations-Token für 2026 einzulösen. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, zu Beginn der Saison 2027 eine möglichst wettbewerbsfähige Power-Unit am Start zu haben.
"Wir haben direkt in Barcelona etwas gebracht - das waren kleine Anpassungen, die gut funktioniert haben", sagt Audis Renndirektor Allan McNish. "Die größeren Teile sind für 2027 geplant, daher werden wir an der Power-Unit bis dahin nichts Großes sehen. Es geht dabei hauptsächlich um Hardware, und so etwas ändert man nicht mal eben schnell."
Vasseur: Alle haben zugestimmt
Dass Hersteller ihre gesamte Power-Unit rein auf Basis der V6-Leistung überarbeiten dürfen, bleibt ein heikles Thema - wenngleich eines, dem die Hersteller selbst zugestimmt haben, während die FIA gerne weitere Faktoren berücksichtigt hätte.
Die FIA veröffentlichte nach dem zweiten Messpunkt im Anschluss an den Großen Preis von Ungarn unveränderte Ergebnisse: Ein verärgertes Red Bull führte das Feld weiterhin an und blieb damit von Motoren-Upgrades ausgeschlossen.
Vasseur sagt, dass die Kritik an der Funktionsweise des Systems nicht völlig unberechtigt sei, betont jedoch, dass die beteiligten Parteien darüber abgestimmt hatten. "Das ist ein berechtigter Punkt, aber alle haben vor zwei Jahren genau dem zugestimmt", sagt er.
"Außerdem denke ich, dass man bei der Effizienz des elektrischen Teils zwar einen kleinen Unterschied machen kann, wir aber alle sehr nah beieinander liegen", fügt Vasseur hinzu. "Auf der Verbrennerseite kann das anders aussehen."
"Ehrlich gesagt ist das ein sehr schwieriges Thema. Ich sehe das Positive darin, alle in Bezug auf die Motorleistung auf ein ähnliches Niveau zu bringen. Das Gute an den vorherigen Regeln war schließlich auch, dass nach einigen Jahren die vier oder fünf PU-Hersteller innerhalb weniger Zehntelsekunden lagen."
Ferrari wegen Start-Änderung verärgert
Auch Ferrari hatte zu Beginn der Saison Grund zur Verärgerung, als die FIA beschloss, die Startprozedur zu verlängern. Dies sollte den Fahrern ermöglichen, ihre Turbolader länger hochzudrehen, um Sicherheitsbedenken hinsichtlich verpatzter Starts auszuräumen.
Ferrari hatte dieses potenzielle Problem eigentlich das gesamte Jahr 2025 über angeprangert. Als die FIA sich jedoch gegen Regeländerungen entschied, traf man in Maranello bewusst die Entscheidung, auf ein kleineres Turbolader-Design zu setzen.
Das verhalf zwar zu konstanteren Starts, ging aber zu Lasten der Gesamtleistung. Die nachträglichen Änderungen am Startablauf bestraften Ferrari effektvoll dafür, diesen Kompromiss eingegangen zu sein.
Vasseur gibt zu, dass er wegen der Start-Saga "immer noch ein wenig verärgert" sei, betont jedoch, dass er "das Kapitel abschließen" wolle. Er zeigt zudem Verständnis für die schwierige Aufgabe des Dachverbands, mit der gebündelten Ingenieurskraft von elf Formel-1-Teams Schritt zu halten.
"Es ist hart. Wir haben eine Entscheidung für die Startprozedur getroffen, die vor der Saison galt, und dann haben sie den Ablauf geändert - was uns überhaupt nicht geholfen hat", sagt er.
"Aber haken wir das Thema ab. Das Reglement im Allgemeinen ist eine Herausforderung für die Teams, aber es ist eine gigantische Aufgabe für die FIA, wenn man wie hier bei null anfängt. Man darf nicht vergessen: Das Aerodynamik-Reglement ist neu, das Motoren-Reglement ist anders, die Batterie ist anders, das Sportliche Reglement ist anders. Das Team der FIA ist viel kleiner als die technische Mannschaft jedes einzelnen Teams."
"Das bedeutet, dass vielleicht manche Dinge nicht perfekt sind, aber insgesamt ist der Job gut gemacht. Und was die Starts angeht: Ich war ein wenig verärgert und bin es immer noch. Aber ich kann auch verstehen, dass die FIA nicht in die Situation geraten möchte, hineingezogen zu werden, wenn jemand ein Problem beim Start hat."
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