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FT3-Rambos von Barcelona: Warum es härtere Strafen gebraucht hätte

Dass die vermeidbaren Kontakte zwischen Leclerc und Norris sowie Stroll und Hamilton im FT3 von Barcelona ungeahndet blieben, setzt falsche Signale

FT3-Rambos von Barcelona: Warum es härtere Strafen gebraucht hätte

Das Abschlusstraining von Barcelona sorgte am vergangenen Wochenende mit zwei Vorfällen, einmal zwischen Charles Leclerc und Lando Norris, das andere Mal zwischen Lance Stroll und Lewis Hamilton, für reichlich Gesprächsstoff.

Sowohl Leclerc als auch Stroll fühlten sich im dritten Freien Training von ihren Konkurrenten behindert, und "rächten" sich jeweils mit einem fragwürdigen Manöver, was jedoch ungeahndet blieb. Beide erhielten lediglich eine Verwarnung.

Auf die Situation mit Norris angesprochen, erklärt Leclerc: "Lando kam aus der Boxengasse, und ich war auf einer Push-Runde dahinter. Als er dann abbrach, brach auch ich ab."

 

"Ich bremste, um neben ihm zu sein, verschätzte mich aber, sodass ich auf der rechten Seite war. Ich wollte die Autos hinter mir nicht behindern. Ich war also einerseits frustriert und schaute andererseits in die Spiegel, um niemanden zu behindern, und dann kollidierten wir, aber es war eher ein Missverständnis", so Leclerc.

Er versichert: "Auch wenn man frustriert ist, will man nie jemanden berühren, schon gar nicht im dritten Freien Training. Schließlich will man kein Auto beschädigen, in erster Linie das eigene, weil gleich danach das Qualifying ist. Das ist also nie das Ziel."

F1-Experte Marc Surer zeigt Verständnis

Dennoch reichte Leclercs Manöver aus, um den Frontflügel von Norris zu beschädigen. Formel-1-Experte Marc Surer nimmt den Ferrari-Piloten trotzdem in Schutz.

"Ich glaube, die Nerven sind angespannt. Alle wussten, eigentlich waren es ja vier Teams, die Poleposition fahren können. Das ist natürlich und es geht um das letzte Zehntel", sagt er. "Haben wir dann auch schlussendlich gesehen und ich glaube, die Nerven waren einfach deswegen ein bisschen angespannt."

Er zeigt Verständnis für die Reaktion von Leclerc: "Als Rennfahrer, da willst du dem eins geben, weil er unfair war mit dir." Allerdings müssten die Formel-1-Fahrer auch Vorbilder sein, gerade mit Blick auf den Nachwuchs in der Formel 3 und Formel 2.

"Und wenn die großen Stars solche Sachen machen, werden die das kopieren, weil wenn die davonkommen, sollten sie auch davonkommen. Also es ist ein schlechtes Vorbild und müsste eigentlich deswegen härter bestraft werden", so Surer weiter.

Dass sowohl Leclerc als auch Stroll mit einer Verwarnung davonkamen, und das für etwas, das man wohlwollend als "vermeidbaren Kontakt" bezeichnen kann, hinterlässt daher einen bitteren Beigeschmack. Zumal beide Vorfälle an Sebastian Vettels legendären Rammstoß an Hamilton in Baku 2017 erinnerten.

Dieser hatte dem Deutschen damals eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe und drei Strafpunkte eingebracht, sodass es einen offensichtlichen Maßstab für ähnliche Fälle gab.

Die Begründungen der Rennkommissare

Stattdessen wurde diesmal nur verwarnt. Die Botschaft der Rennkommissare lautet also: Es ist grundsätzlich erlaubt, jemanden absichtlich zu berühren und dafür nur einen Klaps auf die Hand zu bekommen, solange man es nicht "gefährlich" macht.

 

So bewerteten die Rennkommissare die Berührung von Stroll und Hamilton wie folgt: "Der Fahrer von Wagen 18 gab an, dass er in Kurve 5 von Wagen 44 behindert wurde, was ihn verärgerte. Er gab zu, dass er seinen Unmut gegenüber dem anderen Fahrer zum Ausdruck bringen wollte, indem er ihn am Ausgang überholte."

"Die beiden Fahrzeuge hatten einen leichten Kontakt, der aber nur zufällig war. Die Sportkommissare betrachten die Bewegung von Wagen 18 als unberechenbar, obwohl sie nicht gefährlich war, und erteilen daher einen Verweis in Übereinstimmung mit den Präzedenzfällen." Das passt jedoch nicht zusammen.

Stroll gab zu, dass er Hamilton absichtlich vors Auto gefahren ist, um ein Zeichen zu setzen, was zum Kontakt führte. Ob gefährlich oder nicht, es scheint dennoch ein Versuch zu sein, ein Auto als Waffe zu benutzen, um Frustrationen abzubauen.

Strolls Aussage, dass es sich um eine absichtliche Handlung handelte, sollte also stärker bestraft werden. Doch beim Urteil der Kommissare handelt es sich um eine Entscheidung, die auf der Grundlage des Outputs und nicht des Inputs getroffen wurde - so auch im Fall von Leclerc, wenngleich er eine Absicht bestritt.

 

"Der Fahrer von Wagen 16 gab an, dass er in Kurve 5 von Wagen 4 behindert wurde, was ihn verärgerte", fassten die Rennkommissare diesen Vorfall zusammen.

"Er musste dann seine fliegende Runde abbrechen und behauptete, dass er beim Versuch, vor der Kurve 7 von der Ideallinie wegzukommen, die Position seines Wagens falsch eingeschätzt und einen leichten Kontakt mit Wagen 4 gehabt habe."

"Unabhängig von einer möglichen Absicht betrachten die Stewards die Bewegung von Wagen 16 als unberechenbar, auch wenn sie nicht gefährlich war, und erteilen daher eine Verwarnung in Übereinstimmung mit den Präzedenzfällen", so das Urteil.

Freifahrtschein für erzwungene Kontakte?

Damit war auch Leclerc aus dem Schneider. Doch die Signalwirkung ist fatal. Schließlich dienen Strafen nicht nur der Bestrafung, sondern auch der Abschreckung. Beides blieb aus, was einem Freifahrtschein für erzwungene Kontakte gleichkommt, sofern sie im Training und bei niedriger Geschwindigkeit passieren.

Doch die Formel 1 ist nicht der Ort, an dem man mit absichtlichen Berührungen spielt. Ein vermeidbarer Kontakt ist eine Sache und birgt ein eigenes Risiko. Dieses Risiko absichtlich herbeizuführen, scheint im Widerspruch zu all den wachsenden Sicherheitsmaßnahmen im modernen Motorsport zu stehen.

Und es war auch nur ein Training. Es ging nicht darum, um die Führung zu kämpfen oder in letzter Sekunde den möglichen Punkt zu retten. Das macht die Vorfälle umso unnötiger.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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