Gasly-Frust nach Punkten: Wie viel mehr war für Alpine drin?
Alpine meldet sich im Mittelfeld der Formel 1 zurück - Trotz der Punkte und guten Ergebnisse ärgert sich Pierre Gasly über die verpasste Chance
Pierre Gasly ist trotz der Punkte in China frustriert
Foto: Getty Getty
Auch wenn es in seinem Inneren nach der katastrophalen Alpine-Saison 2025 brodelte: Pierre Gasly gab sich nach außen hin als das Paradebeispiel an Geduld. Inmitten der chronischen Unruhe in Enstone, geprägt von einer Drehtür bei den Führungskräften und Technikern, wurde der Franzose nicht müde zu betonen, dass er an bessere Zeiten für das Team glaubt.
Eigentlich ein Stammgast im Mittelfeld, stürzte Alpine 2024 und 2025 massiv ab. Blicken wir zurück auf 2023: Damals fuhr das Team fast das ganze Jahr über in einer eigenen Liga - Die Franzosen waren die sechste Kraft und hatten nur dann Gesellschaft, als Aston Martins beeindruckender Saisonstart abflachte. Doch trotz aller markigen Worte über Fünfjahrespläne und das 100-Rennen-Ziel bis zur WM-Spitze, die den Formel-1-Einstieg der Marke Alpine begleiteten, driftete die Formkurve zuletzt in die völlig falsche Richtung.
2024 begann mit einem Übergewicht-Schock beim Chassis grauenhaft, wurde aber durch das Doppelpodium in Brasilien und ein spätes Update-Feuerwerk gerettet, das Gasly regelmäßig in die Top 8 des Qualifyings katapultierte. Dieser Schwung verpuffte jedoch: 2025 verlief ähnlich zäh, diesmal allerdings ohne die Rettung in letzter Sekunde. Enstone investierte kaum noch Ressourcen in die Weiterentwicklung und beließ es bei einer Rumpfmannschaft an Ingenieuren. Der Fokus lag voll auf 2026.
Knoten endlich geplatzt?
Dabei hielt sich das Team mit Informationen bedeckter als die Konkurrenz mit ihren fein säuberlich kuratierten PR-Narrativen. Zentraler Baustein der neuen Hoffnung: Das Ende des eigenen Renault-Motorenprojekts zugunsten einer Mercedes-Power-Unit von der Stange. In Enstone spüren alle, dass das Paket aus Brixworth der kommende Sieger sein könnte.
Der A526 bewies zumindest optisch, dass das Team bei der Entwicklung All-in gegangen ist - was angesichts der enttäuschenden Saison 2025 kaum Beachtung fand. Während die Pace bei den Tests bereits andeutete, dass Alpine im Oberhaus des Mittelfelds mitmischen könnte, blieb der Saisonauftakt in Australien noch eine verpasste Gelegenheit.
Gasly holte zwar einen Punkt, doch das Potenzial wurde nicht ausgeschöpft. In China platzte der Knoten: Gasly qualifizierte sich vor den Red Bulls und wurde Sechster, während Franco Colapinto als Zehnter seinen ersten Punkt für das Team einfuhr.
Alpine punktet doppelt
Normalerweise wäre das ein Grund zum Feiern; es war das erste Doppel-Ergebnis in den Punkten für Alpine seit über einem Jahr, untermauert durch ermutigenden Speed im Zeittraining und im Rennen. Stattdessen herrschte bei beiden Fahrern das Gefühl vor, dass mehr drin gewesen wäre - und hätte sein müssen.
"Ich muss sagen, ich bin sehr glücklich", begann Gasly seine Analyse des Rennens in Shanghai. "Aber tief in mir drin ist der ehrgeizige Pierre ein wenig genervt, dass es nicht für Platz fünf gereicht hat. Ich habe mich vor dem Safety-Car auf Rang fünf extrem wohlgefühlt; ich konnte mich absetzen, die Pace war absolut okay. Ich habe mich aber nicht zu früh gefreut, denn bei diesen Autos und dem Reglement ist es nicht die Frage, ob ein Safety-Car kommt, sondern wann."
Gasly erklärt den Rückschlag beim Neustart: "Aus irgendeinem Grund hatte ich beim Rausbeschleunigen aus der letzten Kurve keine Leistung. Ollie [Bearman] zog spielend vorbei, da habe ich die Position verloren. Durch die Kämpfe in der Mitte des Rennens mit dem Haas, mit Max [Verstappen] und all den anderen, habe ich den Anschluss an Bearman etwas verloren."
Es hätten mehr Punkte sein können
"Als ich an allen vorbei war, lag ich glaube ich gut fünf Sekunden hinter Max und acht hinter Bearman. Danach folgte eine Quali-Runde nach der anderen - das hat richtig Spaß gemacht. Ich habe mir gesagt: Ich kriege sie, egal wie. Am Ende haben mir zwei Sekunden gefehlt. Dennoch: Ein sehr guter Tag für das Team."
Während Gasly also zwei Punkte liegen ließ, traf es Colapinto härter. Das Timing des Safety-Cars war für seinen ersten Stint auf den harten Reifen kontraproduktiv, da er den Zeitverlust gegenüber den Stoppern nicht mehr wettmachen konnte. Zudem verlor er rund sieben Sekunden, plus Folgeschäden am Unterboden, nachdem er von Esteban Ocon in Kurve 3 umgedreht wurde.
Das bremste Colapintos Aufholjagd massiv. Er schaffte es zwar gerade so in die Punkte, doch ein Angriff auf Carlos Sainz hätte deutlich früher erfolgen müssen, bevor die Medium-Reifen des Argentiniers mit Graining zu kämpfen hatten. Ohne das Safety-Car-Pech wäre ein Ergebnis in der Region von Liam Lawson und Isack Hadjar machbar gewesen.
Gute Reifen-Stints
"Wir hätten viel mehr Punkte holen müssen, und das ist das Nervige", grübelte Colapinto und schlug in die gleiche Kerbe wie sein Teamkollege. "Aber es ist gut, darüber genervt zu sein. Wenn man so eine Chance liegen lässt, ist das natürlich unschön."
Der Datenvergleich zeigt: Colapinto hatte auf den harten Reifen einen klaren Vorteil gegenüber Lawsons Mediums. Erst als Lawson unter dem Safety-Car ebenfalls auf die harten Pneus wechselte, wendete sich das Blatt minimal zugunsten des Neuseeländers.
Zu Beginn seines Medium-Stints war Colapinto jedoch deutlich schneller als Lawson - zunächst eine Sekunde pro Runde, bevor der Vorteil nach acht Runden schwand. Als Colapinto trotz Graining auf Sainz aufschloss, zog Lawson das Tempo erneut an.
Rennpace sehr solide
Hätten sie Gasly auf Platz fünf und Colapinto auf Platz sieben ins Ziel gebracht, wären sieben zusätzliche Punkte auf das Konto gewandert. In einem hart umkämpften Mittelfeld könnte diese Summe am Ende entscheidend sein.
Die Analyse der Tests und des China-Rennens legt nahe, dass das Qualifying in Australien ein Ausreißer war. Gasly betonte nach seinem siebten Startplatz in Shanghai, dass er auch in Melbourne in das Q3 gefahren wäre, wenn er eine zweite Chance bekommen hätte - auch dort sei die Rennpace bereits stark gewesen.
Der Top-Speed stimmt dank des Mercedes-Motors und der aerodynamischen Effizienz des A526; zudem scheint das Auto ein berechenbares Handling über die gesamte Runde zu bieten.
Sprung seit 2025
"Wenn man sieht, wo wir 2025 standen und wo wir jetzt sind: Das ist eine völlig andere Liga. Ich bin sehr zufrieden", so Gasly weiter. "Wir waren im Qualifying bis auf ein paar Zehntel an McLaren dran. Im ersten Stint habe ich kaum Boden auf die Ferraris verloren. Es gibt noch viele Kleinigkeiten, die wir abstimmen müssen, aber das sind keine unlösbaren Probleme. Ich bin zuversichtlich. China war speziell - hoffentlich bleibt die Performance in den nächsten Rennen so."
Alpine scheint in China einen Durchbruch beim Verständnis des A526 erzielt zu haben. In Suzuka muss das Team nun beweisen, ob das Paket auch in den mittelschnellen Kurven, die ein hohes Maß an mechanischem Grip und Haftung erfordern, funktioniert.
Die ersten Anzeichen sind jedoch ermutigend. Alpine agiert auf Augenhöhe mit Haas und den Racing Bulls. Jetzt müssen sie anfangen, diese Chancen konsequent zu nutzen - sonst wird Alpine den sieben verlorenen Punkten von China noch lange hinterhertrauern.
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